Montag, September 21, 2015

Ich will! Sein Label hauptberuflich führen - Erfahrungen von Frau Schnobel Grafik

Postkarten unikat
Innerhalb von 1 Jahr ist Martina Olonschek alias Frau Schnobel Grafik mit ihren Postkarten in mehr als 15 Läden deutschlandweit vertreten und auch online bedient sie sich allen Vertriebskanälen. Richtig spannend war das Interview mit ihr, weil sie mit ihren guten wie auch schlechten Erfahrungen nicht hinterm Berg hält.

Erzähl uns etwas über dich! 

Ich heiße Martina, bin gelernte Mediengestalterin und habe die Ausbildung 2011 abgeschlossen.
Nach der Ausbildung habe ich 8 Monate Werbezettel für Supermärkte gemacht, anschließend 4 Monate in der Reinzeichnungsabteilung einer Agentur gearbeitet und abschließend ein Jahr im produzierenden Gewerbe. In dieser Zeit habe ich mir überlegt, dass ich gerne Grußkarten machen würde. Da ich nicht wirklich welche gefunden habe, die mir gefallen haben, habe ich selbst Postkarten gestaltet. Die sind auch immer ganz gut angekommen.
Im Grunde kam ich auf die Idee, dass es anderen Leuten genauso geht wie mir: Sie suchen nach besonderen Grußkarten. Und als ich die Postkarten bei DaWanda eingestellt habe, war der Zeitpunkt ohnehin genau richtig, weil ich zu dieser Zeit betriebsbedingt gekündigt wurde.

Führst du dein Label hauptberuflich?

Nebenbei kellnere ich auch noch. Das ist für mich ein guter Ausgleich. Ich habe freie Aufträge, mit denen kann ich mich gut über Wasser halten. Als ich arbeitslos war, habe ich vom Arbeitsamt den Gründungszuschuss erhalten - das ist sehr viel wert.

Buttons selbstgemacht

Ist es naiv daran zu glauben, dass man vom dem, was man liebt auch leben kann?

Ich stehe dahinter, aber ich glaube, man braucht einen gewissen Mut und Disziplin. Es ist sicher nichts für jeden, weil z.B. Rechnungen schreiben oder die Buchhaltung nicht jedem Kreativen liegen. Generell würde ich das aber unterschreiben, dass man es schaffen kann, wenn man dahinter steht.

Du bist auf sehr vielen Plattformen unterwegs. Kannst du uns kurz deine Entwicklung beschreiben?

Angefangen hat es bei DaWanda, als ich die ersten 10 Karten eingestellt habe. Parallel bin ich in Hamburg an der Kunsthaltestelle vorbei gelaufen. Der Laden hat mir gefallen und dann habe ich Kontakt aufgenommen. Meine Postkarten wurden auch sofort angenommen und ab da war ich in einem Laden. Meine eigene Homepage und den Onlineshop gab es zu diesem Zeitpunkt auch schon. Danach habe ich meine Produkte auf Etsy und Selekkt eingestellt. Bei Selekkt.de biete ich meine Postkarten wegen der Transaktionsgebühr von 90 Cent pro Produkt nur in 4er Sets an.
Dann bin ich auch schon auf die ersten Märkte, gerade hier in Hamburg gegangen.

Seit einem halben Jahr gibt es Notonthehighstreet auf dem deutschen Markt, da habe ich meine Postkarten auch eingestellt. Allerdings haben sie sich vom deutschen Markt wieder zurückgezogen.

Welche Online-Plattform rentiert sich für dich am meisten?

Am attraktivsten sind für mich DaWanda und meine eigene Homepage, was mich auch gewundert hat. Aber eigentlich verkaufe ich online nicht wirklich viel. Die meisten verkaufen sich im Laden. Etsy läuft bei mir eher schleichend.

selbstgemachte Postkarten

Innerhalb von 1,5 Jahren bist du in mehr als 15 Läden präsent. Nun mal alle Illusionen beiseite, wie viel Arbeit steckt dahinter? 

Auf jeden Fall mehr als 40 Stunden! Es ist absolut komplett Vollzeit, auch am Wochenende. Man sitzt zwar nicht jeden Tag 8 Stunden dran, aber man ist mit dem Kopf auch ständig dabei, weil es mir schwer fällt abzuschalten. Es ist anders, wenn man angestellt ist und nach Hause kommt und dann mit der Arbeit fertig ist.

Du bist auch auf sehr vielen Kreativmärkten unterwegs. Sind es finanzielle oder eher Marketinggründe?

Beides. Kreativmärkte lohnen sich wirklich immer mehr. Am Anfang hatte ich meistens nur einen Meter, aber das ist wirklich zu klein. Ich hatte irgendwann auch mehr Produkte und auch Poster. Finanziell läuft das ganz gut, wenn ich zu 2 Märkten im Monat gehe. Marketingtechnisch habe ich auch viele freie Aufträge dadurch erhalten, da die Leute meine Flyer mitgenommen haben.

Was sind deine Auswahlkriterien für einen Kreativmarkt?

Anfangs habe ich versucht alle möglichen Märkte zu besuchen, inzwischen bevorzuge ich Märkte, bei denen die Besucher Eintritt zahlen, da die Leute auch kaufen möchten. Auf Märkten ohne Eintritt sind eher die Gucker, aber für den Umsatz sind Märkte mit Eintritt besser. Ich achte auch darauf, dass die Märkte schön sind, wie sie sich auf der Homepage präsentieren, wie viele Likes sie auf Facebook haben, daran orientiere ich mich auch.

Was hält dich davon ab, auf weiter weg liegende Kreativmärkte zu gehen?

Das ist sehr aufwendig, man muss ein Hotel mieten und die Spritkosten sind auch nicht zu vernachlässigen. Ich war in Mainz, das war eine Erfahrung wert, es war auch ein riesengroßer Markt, aber ich glaube mein Umsatz ist momentan noch zu gering, dass es sich wirklich lohnt, auf weiter entfernte Märkte zu gehen. Auch durch meine maritimen Motive bietet sich Hamburg an.

maritime Postkarten

Welcher Kreativmarkt läuft für dich am besten?

Der Feingemacht Markt läuft gut, außerdem Designgift in Kiel, der war bis jetzt der allerbeste Markt. In Kiel kommen meine Produkte sehr gut an, fast besser als in Hamburg. Deine Eigenart war da auch gut. Ich war zwar noch nicht dabei, aber ich glaube der Besonders schön Markt ist ganz gut.

Was ist dir bei den Läden wichtig?

Ich finde es schön, wenn die Produkte nicht in Fächern angeordnet sind, sondern, dass sie thematisch gruppiert sind und nicht labelbezogen angeordnet werden. Ich denke nicht, dass Kunden in einen Laden kommen und nach einem bestimmten Label suchen. Sondern, sie suchen Produkte, z.B. Schmuck oder Postkarten.

Martina Olonschenk Postkarten

Relativ gesehen: Wie viel Zeit steckst du in den Vertrieb und Marketing und in die Entwicklung von Produkten?

Ich mache gar nicht so viel Marketing. Auf Designmärkten lege ich meine Visitenkarten aus und habe inzwischen - gerade für freie Aufträge - Flyer bedruckt. Da habe ich auch schon Erfolg mit gehabt. Außerdem poste ich Neuigkeiten über Facebook, habe aber kein eigenes Blog. Ich habe einmal bezahlte Facebook-Werbung gemacht, habe aber Like-mäßig keinen großen Unterschied bemerkt.

Alleine die Produkte bei DaWanda hochzuladen dauert lange. Es gibt Phasen in denen ich mehr gestalte, dann gibt es Phasen in denen ich nicht dazu komme.

Frau Schnobel Poster

Was würdest du Labelstartern beim Schritt in die Selbstständigkeit raten?

Sich auf jeden Fall zu informieren. Ich habe auch ein paar Gründungsseminare mitgemacht, da werden alle Grundlagen durchgearbeitet - also auch Buchhaltung, Steuern, Kleingewerbe anmelden oder nicht. Ich hatte auch vor es etwas größer zu machen und wollte nicht später meine Preise erhöhen, sondern von Anfang an ein Gewerbe anmelden. Ich habe auch einen Fotokurs gemacht.

Heute zurückgeblickt: Welche Fehler würdest du heute im Laufe deines Labels vermeiden?

So viele Fehler habe ich glaube ich nicht gemacht. Mir fällt jetzt nichts ein, wo ich mich rückblickend fragen würde, was ich da gemacht hab. Bis jetzt bin ich nicht auf die Schnauze gefallen :)

Frau-Schnobel-Grafik


Martina Olonschek


© Bildrechte Antje Reents, Daniel Wichern, Pamela Schiemann, Martina Olonschenk

5 Kommentare:

Steffi hat gesagt…

Sehr schönes Interview und wirklich einzigartige Postkarten. :-)

Gruß Steffi

Katja hat gesagt…

Dem kann ich nur Zustimmen, war mehr als hilfreich und motivierend.

Eine Frage beschäftigt mich allerdings noch. Kann ich, um meine Artikel im Laden Ausstellen lassen zu können, einfach in Läden gehen und meine Ware präsentieren oder melde ich mich vorher telefonisch an?

Also ich rede jetzt von keinen Fachvermietungen sondern eher z.B. Geschäfte für Wohnaccessoires.

Hier in Deutschland muss man ja doch gewaltig aufpassen was man macht.

Liebe Grüße
Katja

Harald hat gesagt…

Du meinst, es könnte nicht erlaubt sein? Mir fällt jetzt kein Grund ein, warum das nicht möglich sein sollte.

Glücksversand hat gesagt…

Hallo,

was für ein schönes, herzliches und informatives Interview ihr da gemacht habt.

Deine Karten sind auch wunderschön :-) wirklich schön! Die hätte ich im Laden oder auf dem Markt auch direkt mitgenommen. Ich mache ja auch selbst Karten auf meine kreative Art. Aber ich muss echt sagen: Respekt, da hast du etwas sehr Tolles auf die Beine gestellt! <3

Daumen hoch :-)
Liebste Grüße

Martina (Frau Schnobel Garfik) hat gesagt…

Vielen Dank für die lieben Rückmeldungen!
Das ist schön zu hören.

Liebe Grüße
Martina