Dienstag, Juli 14, 2015

Vom Kreativmarkt bis Amazon: Welche Vertriebskanäle lohnen sich wirklich? Erfahrungen des Labels wishproject

nähen wishproject

Bisher hatten wir selten Labels wie wishproject im Interview, die bereits über so viel Erfahrung in der Vermarktung ihrer Mode und Accessoires über unterschiedliche Kanäle haben. Umso spannender zu hören, welche Kanäle vom Kreativmarkt bis Amazon sich für wishhproject wirklich lohnen.

Eure Marke wishproject besteht seit 2009. Verrätst du uns kurz, wer dahinter steht und wie groß euer Team ist?

Seit 2009 sind wir beim Marken-und Patentamt eingetragen, aber eigentlich gibt es uns seit 2006. Wishproject ist das Label der zwei Schwestern Kathrin und Steffi Deubner, dann gibt es noch 3 Maßschneiderinnen im Atelier, die uns helfen und mich. Ich kümmere mich um die Kommunikation und Pressearbeit.

Heute habt ihr einen eigenen Laden, ein Atelier, einen Onlineshop – wie hat sich das alles entwickelt?

Kathrin und Steffi hatten schon immer den Wunsch, etwas zusammen zu machen und haben beide schon immer in irgendeiner Form mit Kreativität zu tun gehabt. Angefangen hat es dann mit wishbags. Das sind großen Taschen, die die beiden auf ihre Art und Weise umgesetzt haben. Damit hat es auf 35qm und einer Nähmaschine im Büroraum im Keller angefangen und 2009 wurde das Label gegründet. Die Taschen wurden an Freunde verteilt und dann hat es sich von den Taschen zu anderen Accessoires weiter entwickelt. Bevor es den wishproject DaWandashop und den eigenen Onlineshop gab, haben wir 2009 den Laden in Erfurt eröffnet und dann 2011 das Atelier vergrößert. Die Produktion, die vorher zu Hause stattfand, ging ab 2011 im großen Atelier richtig voran - mit mittlerweile 3 Schneiderinnen. Als sich das gesetzt hat, haben wir 2012 einen eigenen Onlineshop eröffnet.

Wie lange hat es gedauert, bis ihr von eurem Label leben konntet?

Ich kann zwar keine genauen Jahreszahlen nennen, aber wenn man einen eigenen Laden eröffnet und zusätzliche Schneiderinnen einstellt, muss man -denke ich- drei bis fünf Jahre lang gut organisieren und abwägen, in welche Richtung man die Prioritäten setzt. Die beiden Schwestern haben das Label aus eigener Kraft aufgezogen und sich ohne Kredit Stück für Stück vergrößert. Erst als der DaWandashop gut lief, haben wir versucht, einen eigenen Onlineshop zu eröffnen, da das natürlich auch Kosten sind, die zu stemmen sind.

Würdet ihr sagen, dass der DaWandashop auch ohne Werbung gut läuft?

Der Shop läuft zum Glück sehr gut, obwohl es keine externe Kommunikation, also kein Marketing und keine Werbung gab. Scheinbar haben wir damit einen Nerv getroffen, als Kunden nach etwas Individuellem im DaWandashop gesucht haben. Beim Onlineshop sieht das natürlich anders aus. Wir sind mittlerweile fünf Jahre bei DaWanda dabei und werden auf Kreativmärkten erkannt, aber mit dem eigenen Onlineshop muss man marketingtechnisch viel mehr machen, gerade wenn man sich unabhängiger von DaWanda machen möchte. Man muss sich Gedanken darüber machen, wie man die Kunden, die bei DaWanda kaufen, überzeugt im eigenen Onlineshop zu bestellen.

Kleid wishproject


Setzt ihr gezielt Facebook-Werbung oder Adwords ein?

Seit letztem Jahr posten wir alles, was gerade passiert auf Facebook, Pinterest und Google Plus: Sei es ein neuer Artikel, der online gegangen ist oder auf welchen Märkten wir vertreten sind. Wir haben unser eigenes Blog, indem es erscheint. Dennoch läuft über Facebook sehr viel. Direkt beworben haben wir die Beiträge auf Facebook noch nicht, da wir Schritt für Schritt wachsen möchten.

Lohnen sich Kreativmärkte für euch finanziell?  

Letztes Jahr haben wir einige Märkte das erste Mal besucht, da waren manche dabei, bei denen sich die Teilnahme nicht wirklich gelohnt hat. Jetzt möchten wir uns ausweiten und z.B. viel weiter in den Süden oder viel weiter in den Norden Deutschlands gehen, um zu schauen, bei welchen Marktteilnehmern wishproject gut ankommt und wo eher weniger. Manche Märkte sind Überraschungen, manche sind eher Flops, das ist sehr stark stadt-und publikumsabhängig. Natürlich möchten wir unsere Produkte auf Märkten verkaufen, aber wir merken auch, dass es für die Märkte für uns als Marke viel bringt, da wir im Nachhinein sehen, aus welchen Städten die Bestellungen kommen.

Wie werdet ihr auf Kreativmärkte aufmerksam? Wo findet ihr diese und nach welchen Kriterien sucht ihr sie aus?

Ich kümmere mich um die Suche und die Anmeldung. Das mache ich über die Kreativbühne. Dadurch habe ich viele gute Märkte gefunden. Für uns ist es z.B. lohnenswerter, wenn es ein Markt ist, der 2 Tage dauert. Gerade wenn man weiter wegfahren muss, sind 2 Tage um sich vorzustellen und zu präsentieren einfach sinnvoller. Sind Märkte in der Nähe, nehmen wir auch teil, wenn er nur 1 Tag dauert. Wir nehmen außerdem nicht mehr an Märkten teil, die unter 40 Aussteller haben. Am Anfang waren wir auch auf kleinen Märkten vertreten, aber mittlerweile suchen wir uns ein Format, das viele Besucher hat, also größere Märkte.

Was würdet ihr Labelstartern beim Verkauf im Einzelhandel raten?

Ganz wichtig ist der Standort des Ladens. Liegt der Laden zentral? Gehen viele Passanten vorbei? Da muss man die Bekanntheit des Ladens erfragen und sich vielleicht die Örtlichkeiten ansehen. Wichtig ist auch, ob derjenige, der die Fachvermietung betreibt, diese auch gerne verkauft und Interesse an den Produkten hat und nicht nur die Regale füllt. Auch beim eigenen Laden muss man sich sicher sein, ob es finanziell möglich ist.


einzigartige Produkte wishproject

Ihr verkauft auch auf Amazon. Denkt ihr, dass es für Kreative sinnvoll ist, dort zu verkaufen? Wann habt ihr mit dem Verkauf auf Amazon begonnen und warum ?

Wir bieten seit November 2014 eine kleine Auswahl auf Amazon an, weil wir schauen wollten, wie das läuft. Ich denke, ob es für Kreative sinnvoll ist, hängt davon ab, wie weit die Kreativen in ihrer Bekanntheit und ihrem Erfolg fortgeschritten sind. Es kostet jede Menge Geld. Insbesondere, wenn man ein Tool verwendet, das mit dem eigenen Onlineshop gekoppelt ist, um die Bestellungen, die über Amazon eingehen auch bei sich im eigenen Shop zu sehen. Außerdem muss man überlegen, ob man den Versand und die ganze Abwicklung in die Hände von Amazon geben möchte, oder ob man das Selbst macht.

Welche Hürden sind beim Verkauf von Handmade auf Amazon zu nehmen?

Man muss diese EAN Nummern kaufen und dann wird abgewogen, welche man verwendet, da nicht alle sofort benutzt werden müssen. Sie werden bezahlt und dann zugeschickt. Wir haben mit 10 Artikeln aus der Kollektion gestartet und wollten die Verpackung und den Versand selbst vornehmen. Uns war wichtig, dass jedes Stück vorher in unseren Händen liegt. Bei Amazon ist die Retourenfreundlichkeit viel höher als bei DaWanda oder in unserem Shop. Kunden unseres Shops überlegen sich genau, ob sie das Teil kaufen möchten. Sie bestellen nicht mehrere Teile und schicken einige wieder zurück, sondern behalten die Ware und die Retourenquote ist sehr niedrig. Die Leute sind sich bewusst, dass sie das Produkt wirklich haben möchte, wenn sie es bestellen. Da wir die Verpackung und den Versand selbst vornehmen, müssen wir uns um die Kunden, die über Amazon bestellen und retournieren möchten, kümmern. Wir erklären ihnen, dass die Retour nicht über Amazon stattfindet, sondern dass die Ware an das Atelier zurückgesendet werden muss.

Danach benachrichtigen wir Amazon, dass die Ware zurückgesendet wurde, sodass sie das Geld an den Kunden überweisen. Meiner Meinung nach geht das nur, wenn es jemanden im Team gibt, der Zeit hat sich intensiv darum zu kümmern.

Könnt ihr über Amazon bereits neue Kunden gewinnen?

Die Kunden, die über Amazon bestellt haben, wurden dadurch auch auf wishproject aufmerksam. Die Kunden, die dort bestellt haben, bekommen auch unsere Flyer mit ins Paket, da wir den Versand und die Verpackung selbst machen. Dieser Schritt, bekannter zu werden ist durch Amazon schon getätigt, gerade im Herbst und Winter gab es einen richtigen Boom. Amazon ist natürlich eine Plattform, die nicht direkt auf Mode ausgelegt ist, aber es ist erstaunlich, dass Kunden, die auf Amazon unterwegs sind, uns finden und auch bestellen.

Welche Kosten entstehen?

Wir bezahlen monatlich 39€. Zusätzlich erhebt Amazon pro verkauften Artikel 15% Provision plus 0,45-1,50€ Mindestverkaufsgebühr (je nach Kategorie). Verkaufen wir zum Beispiel ein Kuscheltuch für 35€, entstehen Amazon-Gebühren in Höhe von 5,70€.

Was ist euer stärkster Vertriebskanal? 

DaWanda ist in unserem Fall ganz klar auf dem 1. Rang. Im Herbst/Winter rückt dann auch der Onlineshop wieder mehr in den Vordergrund. Auch die Kreativmärkte, gerade wenn man als Kreativer am Anfang steht, kann ich nur empfehlen, diese auszuprobieren. Um Kontakte zu knüpfen und mit Kunden ins Gespräch zu kommen, eignen sie sich super. Der persönliche Faktor fehlt im Onlineshop.


Team wishproject