Dienstag, Juni 02, 2015

Verkaufen auf überregionalen Märkten - lohnt sich das? Fräulein Tapir im Interview

Fräulein Tapir Halskette
Angst vor Ideenklau auf Märkten? Fräulein Tapir Gründerin Daniela schreckt das nicht ab, auf vielen Kreativmärkten präsent zu sein. Im Interview erzählt sie, wie sie hochwertige Kreativmärkte findet und warum es sich lohnt, gerade überregionale Märkte zu besuchen.

Stell dich doch kurz vor, wer bist du und was machst du?

Ich bin Daniela, bin Produktdesignerin und habe seit 2 Jahren das kleine Schmucklabel Fräulein Tapir Manufaktur.

Wie bist du nach deinem Design-Studium auf die Idee gekommen, Schmuck herzustellen?

Grundsätzlich war auch während des Studiums der Wunsch da, etwas für mich selbst zu machen, weil ich mehr Zeit für die eigene Kreativität haben wollte. Nach dem Studium habe ich freiberuflich gearbeitet und hatte Zeit, nebenbei etwas zu machen. Ich habe einen Schmuckkurs bzw. einen Goldschmiedekurs gemacht, um mir das Handwerk beizubringen und dann kamen die ersten Geschenke für Freunde. Dann kam der Fräulein Tapir DaWanda Shop und der Besuch auf verschiedenen Märkten und dann wurde es eigentlich zum Selbstläufer.

Wie hebst du dich mit deinen Produkten von anderen Schmuckherstellern ab? Was ist dein Alleinstellungsmerkmal?

Den Schmuck, also die Kombination aus Holz und Messing habe ich so noch nirgends gesehen, gerade auf Märkten und DaWanda sieht man ansonsten ja viel Ähnliches. Viele Kunden meinten auch, der Fräulein Tapir Schmuck ist etwas ganz anderes und dass sie so etwas noch nie gesehen haben. Ich habe nicht nach einem Alleinstellungsmerkmal gesucht, da ich geschaut habe was mir gefällt und was ich tragen würde.

Welche Aufgaben für dein Label gibst du ab und welche erledigst du aus Kostengründen vielleicht selbst?

Inzwischen gebe ich die Lasercut Geschichte ab, das mache ich nicht selbst. Die Einzelteile bestelle ich zu, es sei denn, es sind Einzelstücke, die schmiede ich selbst. Ich hole mir bei Märkten Hilfe, ich fahre zwar auf jeden selbst, aber habe meistens jemanden dabei, weil es für mich alleine zu anstrengend ist. Von der Buchhaltung bis zur Produktion, dem Vertrieb und dem Marketing mache ich alles selbst.

Schmuck Fräulein Tapir

Wie bist du vorgegangen, um deine Produkte zu verkaufen? Welche Vermarktungsstrategien hast du gewählt?

Über den DaWanda Shop, es gibt eine Fräulein Tapir Facebookseite und durch verschieden Märkte, erst kleinere im Umkreis und dann größere Märkte.

Welche Vorteile siehst du im stationären Verkauf und im Verkauf auf Märkten?

Es werden unterschiedliche Felder bedient. Märkte laufen meiner Meinung nach am besten, weil man in Kontakt mit dem Kunden kommt. Man kriegt komplett mit, ob die Leute mit dir oder miteinander über deinen Schmuck reden. Du kriegst das Feedback, was ankommt, was weniger gut ankommt, was sich Kunden wünschen würden, ob der Preis zu hoch oder zu niedrig ist usw., das kriegt man ansonsten nicht mit.

Im stationären Einzelhandel finde ich gut, dass es für den Kunden die Möglichkeit gibt, unabhängig von Versandgebühren usw. in ihrer Stadt einzukaufen. Wenn ich auf Märkten bin oder Anfragen per Email kriege kann ich Kunden sagen, dass sie sich den Schmuck in verschiedenen Läden auch anschauen können. Das ist der Vorteil zu reinen Internetverkäufen, die Haptik ist gegeben, gerade bei meinem Schmuck mit Holz etc., kann das Selbstgemachte angefasst werden.

Wie wählst du aus, welche deiner Produkte du in Fachvermietungen ausstellst oder mit auf Kreativmärkte nimmst?

Zum einen habe ich mein Holzsortiment, davon nehme ich alles mit auf den Markt, da ist auch noch nicht alles auf DaWanda. Es gibt Schmuck aus 2 verschiedenen Holzarten, 6 verschiedenen Motiven und 3 unterschiedlichen Farben, das wird komplett auf den Markt mitgenommen. Das ist das Verkaufsargument gegenüber dem Onlineshop, weil alles vorhanden ist. Zusätzlich gibt es Handschriftketten und andere Kreationen, die ausprobiert werden, die sind momentan auf Kreativmärkten dabei und vereinzelt auf DaWanda erhältlich. In den Fachvermietungen (Vielfach Leipzig, Fachmarie Nürnberg, 99cubes Hamburg, Herzallerliebste Rostock) gibt es den Holzschmuck, da schicke ich ein Paket mit allem Möglichen hin und die Fachvermietung sagt mir dann, was gut ankommt und wovon sie mehr braucht.

Wie lange hat es gedauert, bis sich der Verkauf in Fachvermietungen für dich gelohnt hat?

Fachvermietungen lohnen sich auf jeden Fall, gerade in der Fachmarie, vielleicht auch durch den regionalen Aspekt. Es gab natürlich auch Läden, in denen es sich nicht so rentiert hat, das habe ich aber relativ bald gemerkt und bin dann aus dem Fach raus.

Nach welchen Kriterien entscheidest du, auf welchen Kreativmärkten du deine Unikate ausstellst?

Ich versuche, sie blockmäßig zu besuchen. Gerade sind 6 Kreativmärkte auf 2 Monate komprimiert, danach wird es ruhiger. Ich entscheide durch Erfahrung, bei welchen Ketten ich schon war und welche Kreativmärkte etwas bringen. Dann natürlich nach der Stadt und dem Standort. Man kennt auch die Aussteller untereinander und dadurch kann man sich in Facebook Gruppen Feedback geben, was sich lohnt und was nicht. Viele geben auch Tipps, auf welchen Märkten der eigene Schmuck gut ankommen könnte.

Gehst du lieber auf Regionalmärkte oder auf überregionale Märkte?

Ich gehe mittlerweile weniger auf Regionalmärkte, es ist zwischendrin praktisch, aber ich merke, dass es schwierig ist, zu lange in einer Stadt zu sein. Je weiter weg ich mit Fräulein Tapir gehe, desto mehr kommt die Resonanz durch Facebook-Klicks und Bestellungen, bei denen ich nachvollziehen konnte, auf welchen Märkten ich war und welche gut liefen. Der Kundenkreis wird überregional in meinem Fall einfach größer.

Fräulein Tapir Schmuck aus Holz

Wie wirst du auf neue Kreativmärkte aufmerksam?

Über Facebook Gruppen finde ich Designmärkte, dann gibt es ein paar Märkte, bei denen ich mich immer bewerben will, die merke ich mir im Lesezeichen vor, damit ich mitbekomme, wann die Anmeldefrist ist. Zu manchen wird man auch eingeladen, das ist ganz unterschiedlich.

Viele Kreative meiden Kreativmärkte, weil sie befürchten, dass ihre Ideen geklaut werden. Wie gehst du damit um?

In 2 Jahren ist es mir noch nicht passiert, vielleicht weil es sofort auffallen würde. Man kann sich auch schützen, aber das ist zwiespältig: entweder man ist frustriert und versucht dagegen anzugehen oder man macht einen Schritt weiter und macht etwas noch einzigartigeres. Bei Geschmacksmustern bringt der Schutz an sich allerdings nicht viel, vielleicht ist da der beste Weg miteinander zu reden und die Kommunikation zu suchen. Egal, ob ein Schutz darauf ist oder nicht kann man ja beweisen, wer zuerst da war und das Urheberrecht hat. 

Worauf achtest du bei der Preisgestaltung deiner selbstgemachten Produkte?

Natürlich auf den Einkauf, die Materialkosten und wie lange ich daran sitze. Es ist ein Fehler zu sagen man kriegt nichts für die Stunden, die man damit verbringt, man möchte ja davon leben. Am Anfang als Kleinunternehmer war mein Schmuck ziemlich günstig, jetzt muss ich die Mehrwertsteuer abführen und musste die Preise erhöhen. Ich habe gemerkt, dass man die Produkte nicht zu günstig anbieten sollte, wenn es gerade nicht so gut läuft. Die Wertigkeit des Produktes geht ansonsten finde ich verloren.

Welche Ratschläge kannst du Labelgründern mit auf den Weg geben?

Gerade buchhalterische oder steuerliche Angelegenheiten sind in der Anfangszeit ziemlich hart. Da würde ich raten das von Anfang an vernünftig zu machen und auch 2 Konten zu führen, ein privates und ein Geschäftskonto. Dazu gehört auch von den Gewinnen monatlich Steuern beiseite zu legen und sich um die Krankenversicherung zu kümmern.

Ich würde auch nicht mehr auf Kunsthandwerkermärkte gehen, die haben nicht viel gebracht, lieber suche ich hochwertige Märkte mit guten Labels.

Ganz wichtig ist auch, bei sich zu bleiben und das zu machen, was einem gefällt. Ich denke dann kommt der Erfolg, wenn man seine Linie gefunden hat und keinem Trend hinterher läuft.


Fräulein Tapir Manufaktur


alle Bilder © Fräulein Tapir Manufaktur

5 Kommentare:

Steffi hat gesagt…

Toller Bericht. Eine Interressante Sichtweise. :-)

Gruß Steffi

Anna hat gesagt…

Hallo Steffi,

danke für das positive Feedback :)

Anonym hat gesagt…

Interessante Sicht- und Hinweise.

Auch ich habe meine Erfahrung zum Thema "Fachvermietung" gemacht und kann mich nur anlehnen und empfehlen nach 2 Monaten ohne Verkaufserfolg, schnell das Fach zu kündigen.
Nach vielen "Fach-Nieten" habe ich nun aber eine lobenswerte Fachvermietung mit richtig gutem Verkaufserfolg gefunden.
Mein Vorschlag:
Ggf. wäre ein Sternchenbewertungssystem auch hier ganz hilfreich für jeden von uns Kreativhandwerkern.

Anonym hat gesagt…

Danke für deine interessanten Zeilen.
Was meinst du mit " ...märkten" statt "Kunsthandwerkermärkten"?
Danke und alles Gute
Birgit

Harald hat gesagt…

Hallo Birgit, was meinst du mit "...märkten"? Mit hochwertigen Märkten sind Märkte mit großem Marketingaufwand und guter Produktauswahl gemeint. Meiner Erfahrung nach sind es auch die teuersten. Also 200,- Euro aufwärts pro Stand. LG Harald