Montag, Juni 22, 2015

Wie organisiere ich mich am besten für einen Kreativmarkt?

Designmarkt Organisation
Ihr wollt den ersten Schritt als Austeller auf einen Kreativmarkt wagen, dann raus in die Welt und tragt raus, was gefällt. Designmärkte- und messen sind eine tolle Möglichkeit, eure Unikate einer breiten Masse zu präsentieren und nebenbei Kontakte zu knüpfen. Hier findet ihr einen Guide, der euch auf dem rechten Wege zum Kreativmarkt führt.

Schritt 1: Wo finde ich Kreativmärkte?

Mittlerweile gibt es so viele große und kleine Kreativmärkte, dass es fast unmöglich wird, einen Überblick zu behalten. Hier findet ihr eine Übersicht von Kreativmärkten in ganz Deutschland inkl. der Bewerbungsfristen. Auch gibt es eine tolle Facebook-Gruppe zu diesem Thema, die ihr hier findet.

Wir sind uns sicher, dass bei uns noch einige Kreativmärkte fehlen. Falls ihr welche kennt bzw. selbst einen veranstaltet, könnt ihr sie hier kostenlos eintragen.

Schritt 2: Wie bewerbe ich mich?

Um herauszufinden, ob ihr mit euren Produkten zu dem Markt passt, den ihr ausgewählt habt, solltet ihr unbedingt die Ausstellerlisten der vergangenen Jahre einsehen. Viele Kreativmärkte veröffentlichen sie auf ihrer Homepage. Hier könnt ihr sehen, ob ihr mit eurem Preisniveau in etwa den richtigen Markt adressiert.

Die meisten Kreativmärkte haben eine fest definierte Bewerbungsfrist. Diese solltet ihr auf keinen Fall verpassen. Bei der Bewerbung solltet ihr euch Mühe geben: Professionelle Produktfotos und Links zur Homepage, dem Onlineshop, dem Blog oder der Facebook-Seite erhöhen die Chancen, für gute und hochwertige Märkte mit hohen Besucherzahlen angenommen zu werden.

Am häufigsten erfolgt die Bewerbung für einen Kreativmarkt über ein Bewerbungsformular, das ihr auf der Homepage finden könnt oder direkt per E-Mail. Achtet hier am besten auf die Anweisungen auf der Homepage.

Schritt 3: Was muss ich vorbereiten?

Habt ihr euch erfolgreich beworben, geht es los mit den Vorbereitungen. Ihr solltet dabei nicht unterschätzen, was beim Organisieren des Marktauftritts zu bedenken ist.

Je nachdem, welche Produkte ihr verkauft, solltet ihr genügend Zeit für die Produktion im Voraus einplanen. Eine Woche vor Marktbeginn solltet ihr euch zudem Gedanken über den Aufbau eures Marktstandes machen. Stellt euch eure eigene Toolbox zusammen, damit nichts Wichtiges zu Hause vergessen wird. Darin sollten sich nützliche Dinge wie Schere, Kabelbinder, Tapes, Büroklammern, Tacker, Stifte, Reißnägel und ein Maßband befinden. Denkt auch an Wechselgeld und einen kleinen Geldbeutel, den ihr immer bei euch tragt. Das Verpacken und Ausschildern der Unikate sollte rechtzeitig erledigt sein, damit ihr nicht gestresst werdet. Schöne und v.a. günstige Ideen für euer Verpackungsdesign gibt es hier.

Manche Aussteller empfehlen einen Probeaufbau des Markstandes, da der richtige Aufbau und die Platzierung der Produkte einer der wichtigsten Punkte auf Kreativ- und Designmärkten ist, um aufzufallen. So stellt ihr auch sicher, dass ihr alle notwendigen Materialien für den Aufbau dabei habt. Übrigens, Ideen für schöne selbst gemachte Displays für eure Stände gibt es zum Beispiel hier.

Schritt 4: Welche Produkte nehme ich mit und wie gestalte ich den Preis?

Generell bietet es sich an, wie uns Fräulein Tapir im Interview erzählt hat, auf Märkte eine breite Produktpalette und davon auch genügend mitzunehmen. Die Devise lautet: Lieber zu viel als zu wenig! Denn wenn der große Ansturm kommt, ist es nur ärgerlich, wenn euch die Produkte ausgehen und euch neue Kunden entgehen. Nehmt Produkte aus verschiedenen Preissegmenten mit, sowohl günstige als auch etwas teurere Unikate. Einige Aussteller haben die Erfahrung gemacht, dass einige Besucher nicht bereit sind, viel Geld für Selbstgemachtes auszugeben, da die Unikate meist als Geschenk gedacht sind. Das Label Senfgelb hat die Erfahrung gemacht, dass in der Regel die Schmerzgrenze der Kunden bei 15 Euro liegt. Eine Ausnahme gibt es aber: Nobelmärkte, dort werden preislich höher gelegene Designstücke angeboten.

Zum Schluss haben wir für euch eine kleine Linkliste zusammengestellt, auf denen ihr einige Erfahrungsberichte zu Kreativmärkten nachlesen könnt:


Dienstag, Juni 02, 2015

Verkaufen auf überregionalen Märkten - lohnt sich das? Fräulein Tapir im Interview

Fräulein Tapir Halskette
Angst vor Ideenklau auf Märkten? Fräulein Tapir Gründerin Daniela schreckt das nicht ab, auf vielen Kreativmärkten präsent zu sein. Im Interview erzählt sie, wie sie hochwertige Kreativmärkte findet und warum es sich lohnt, gerade überregionale Märkte zu besuchen.

Stell dich doch kurz vor, wer bist du und was machst du?

Ich bin Daniela, bin Produktdesignerin und habe seit 2 Jahren das kleine Schmucklabel Fräulein Tapir Manufaktur.

Wie bist du nach deinem Design-Studium auf die Idee gekommen, Schmuck herzustellen?

Grundsätzlich war auch während des Studiums der Wunsch da, etwas für mich selbst zu machen, weil ich mehr Zeit für die eigene Kreativität haben wollte. Nach dem Studium habe ich freiberuflich gearbeitet und hatte Zeit, nebenbei etwas zu machen. Ich habe einen Schmuckkurs bzw. einen Goldschmiedekurs gemacht, um mir das Handwerk beizubringen und dann kamen die ersten Geschenke für Freunde. Dann kam der Fräulein Tapir DaWanda Shop und der Besuch auf verschiedenen Märkten und dann wurde es eigentlich zum Selbstläufer.

Wie hebst du dich mit deinen Produkten von anderen Schmuckherstellern ab? Was ist dein Alleinstellungsmerkmal?

Den Schmuck, also die Kombination aus Holz und Messing habe ich so noch nirgends gesehen, gerade auf Märkten und DaWanda sieht man ansonsten ja viel Ähnliches. Viele Kunden meinten auch, der Fräulein Tapir Schmuck ist etwas ganz anderes und dass sie so etwas noch nie gesehen haben. Ich habe nicht nach einem Alleinstellungsmerkmal gesucht, da ich geschaut habe was mir gefällt und was ich tragen würde.

Welche Aufgaben für dein Label gibst du ab und welche erledigst du aus Kostengründen vielleicht selbst?

Inzwischen gebe ich die Lasercut Geschichte ab, das mache ich nicht selbst. Die Einzelteile bestelle ich zu, es sei denn, es sind Einzelstücke, die schmiede ich selbst. Ich hole mir bei Märkten Hilfe, ich fahre zwar auf jeden selbst, aber habe meistens jemanden dabei, weil es für mich alleine zu anstrengend ist. Von der Buchhaltung bis zur Produktion, dem Vertrieb und dem Marketing mache ich alles selbst.

Schmuck Fräulein Tapir

Wie bist du vorgegangen, um deine Produkte zu verkaufen? Welche Vermarktungsstrategien hast du gewählt?

Über den DaWanda Shop, es gibt eine Fräulein Tapir Facebookseite und durch verschieden Märkte, erst kleinere im Umkreis und dann größere Märkte.

Welche Vorteile siehst du im stationären Verkauf und im Verkauf auf Märkten?

Es werden unterschiedliche Felder bedient. Märkte laufen meiner Meinung nach am besten, weil man in Kontakt mit dem Kunden kommt. Man kriegt komplett mit, ob die Leute mit dir oder miteinander über deinen Schmuck reden. Du kriegst das Feedback, was ankommt, was weniger gut ankommt, was sich Kunden wünschen würden, ob der Preis zu hoch oder zu niedrig ist usw., das kriegt man ansonsten nicht mit.

Im stationären Einzelhandel finde ich gut, dass es für den Kunden die Möglichkeit gibt, unabhängig von Versandgebühren usw. in ihrer Stadt einzukaufen. Wenn ich auf Märkten bin oder Anfragen per Email kriege kann ich Kunden sagen, dass sie sich den Schmuck in verschiedenen Läden auch anschauen können. Das ist der Vorteil zu reinen Internetverkäufen, die Haptik ist gegeben, gerade bei meinem Schmuck mit Holz etc., kann das Selbstgemachte angefasst werden.

Wie wählst du aus, welche deiner Produkte du in Fachvermietungen ausstellst oder mit auf Kreativmärkte nimmst?

Zum einen habe ich mein Holzsortiment, davon nehme ich alles mit auf den Markt, da ist auch noch nicht alles auf DaWanda. Es gibt Schmuck aus 2 verschiedenen Holzarten, 6 verschiedenen Motiven und 3 unterschiedlichen Farben, das wird komplett auf den Markt mitgenommen. Das ist das Verkaufsargument gegenüber dem Onlineshop, weil alles vorhanden ist. Zusätzlich gibt es Handschriftketten und andere Kreationen, die ausprobiert werden, die sind momentan auf Kreativmärkten dabei und vereinzelt auf DaWanda erhältlich. In den Fachvermietungen (Vielfach Leipzig, Fachmarie Nürnberg, 99cubes Hamburg, Herzallerliebste Rostock) gibt es den Holzschmuck, da schicke ich ein Paket mit allem Möglichen hin und die Fachvermietung sagt mir dann, was gut ankommt und wovon sie mehr braucht.

Wie lange hat es gedauert, bis sich der Verkauf in Fachvermietungen für dich gelohnt hat?

Fachvermietungen lohnen sich auf jeden Fall, gerade in der Fachmarie, vielleicht auch durch den regionalen Aspekt. Es gab natürlich auch Läden, in denen es sich nicht so rentiert hat, das habe ich aber relativ bald gemerkt und bin dann aus dem Fach raus.

Nach welchen Kriterien entscheidest du, auf welchen Kreativmärkten du deine Unikate ausstellst?

Ich versuche, sie blockmäßig zu besuchen. Gerade sind 6 Kreativmärkte auf 2 Monate komprimiert, danach wird es ruhiger. Ich entscheide durch Erfahrung, bei welchen Ketten ich schon war und welche Kreativmärkte etwas bringen. Dann natürlich nach der Stadt und dem Standort. Man kennt auch die Aussteller untereinander und dadurch kann man sich in Facebook Gruppen Feedback geben, was sich lohnt und was nicht. Viele geben auch Tipps, auf welchen Märkten der eigene Schmuck gut ankommen könnte.

Gehst du lieber auf Regionalmärkte oder auf überregionale Märkte?

Ich gehe mittlerweile weniger auf Regionalmärkte, es ist zwischendrin praktisch, aber ich merke, dass es schwierig ist, zu lange in einer Stadt zu sein. Je weiter weg ich mit Fräulein Tapir gehe, desto mehr kommt die Resonanz durch Facebook-Klicks und Bestellungen, bei denen ich nachvollziehen konnte, auf welchen Märkten ich war und welche gut liefen. Der Kundenkreis wird überregional in meinem Fall einfach größer.

Fräulein Tapir Schmuck aus Holz

Wie wirst du auf neue Kreativmärkte aufmerksam?

Über Facebook Gruppen finde ich Designmärkte, dann gibt es ein paar Märkte, bei denen ich mich immer bewerben will, die merke ich mir im Lesezeichen vor, damit ich mitbekomme, wann die Anmeldefrist ist. Zu manchen wird man auch eingeladen, das ist ganz unterschiedlich.

Viele Kreative meiden Kreativmärkte, weil sie befürchten, dass ihre Ideen geklaut werden. Wie gehst du damit um?

In 2 Jahren ist es mir noch nicht passiert, vielleicht weil es sofort auffallen würde. Man kann sich auch schützen, aber das ist zwiespältig: entweder man ist frustriert und versucht dagegen anzugehen oder man macht einen Schritt weiter und macht etwas noch einzigartigeres. Bei Geschmacksmustern bringt der Schutz an sich allerdings nicht viel, vielleicht ist da der beste Weg miteinander zu reden und die Kommunikation zu suchen. Egal, ob ein Schutz darauf ist oder nicht kann man ja beweisen, wer zuerst da war und das Urheberrecht hat. 

Worauf achtest du bei der Preisgestaltung deiner selbstgemachten Produkte?

Natürlich auf den Einkauf, die Materialkosten und wie lange ich daran sitze. Es ist ein Fehler zu sagen man kriegt nichts für die Stunden, die man damit verbringt, man möchte ja davon leben. Am Anfang als Kleinunternehmer war mein Schmuck ziemlich günstig, jetzt muss ich die Mehrwertsteuer abführen und musste die Preise erhöhen. Ich habe gemerkt, dass man die Produkte nicht zu günstig anbieten sollte, wenn es gerade nicht so gut läuft. Die Wertigkeit des Produktes geht ansonsten finde ich verloren.

Welche Ratschläge kannst du Labelgründern mit auf den Weg geben?

Gerade buchhalterische oder steuerliche Angelegenheiten sind in der Anfangszeit ziemlich hart. Da würde ich raten das von Anfang an vernünftig zu machen und auch 2 Konten zu führen, ein privates und ein Geschäftskonto. Dazu gehört auch von den Gewinnen monatlich Steuern beiseite zu legen und sich um die Krankenversicherung zu kümmern.

Ich würde auch nicht mehr auf Kunsthandwerkermärkte gehen, die haben nicht viel gebracht, lieber suche ich hochwertige Märkte mit guten Labels.

Ganz wichtig ist auch, bei sich zu bleiben und das zu machen, was einem gefällt. Ich denke dann kommt der Erfolg, wenn man seine Linie gefunden hat und keinem Trend hinterher läuft.


Fräulein Tapir Manufaktur


alle Bilder © Fräulein Tapir Manufaktur