Donnerstag, Mai 07, 2015

Der Weg zum eigenen Laden als Labelstarter

Schmuck Senfgelb
Marina Wachsmann von Senfgelb erzählt im Interview, wie sie über einen Onlineshop, Kreativmärkte und Fachvermietungen dazu kam, einen eigenen Laden für ihren selbstgemachten Schmuck zu eröffnen.

Du hast 2010 dein Label gestartet, wie bist du dazu gekommen?

Ich habe neben dem Studium immer kunsthandwerkliche Sachen gemacht und habe mit Keramik angefangen. In der Uni habe ich an einem Computerseminar teilgenommen, in dem wir eine Homepage gestalten sollten. Ich habe eine Homepage zu meinen selbstgemachten Produkten erstellt und weil ich sowieso schon Fotos davon gemacht und eine Beschreibung hinzugefügt habe, wollte ich auch Preise dazu schreiben. Ich habe an DaWanda gedacht und dass ich da einen Shop eröffnen könnte, habe mich bei DaWanda daraufhin informiert, einen Steuerberater gefragt und dann den Shop ein paar Wochen und Monate laufen lassen.

Rechtlich muss man ab dem 1. Gegenstand, den man gewinnbringend verkauft, angemeldet sein und muss sich darum kümmern, ob man Steuern zahlen muss. Ich habe dann mit meiner Homepage und den Fotos ausprobiert, wie es ankommt, mich dann in den Versand und Sonstiges eingelesen und dann um das Finanzamt gekümmert. Dazu kam noch die Verpackungsverordnung, d.h., du als Händler hast dafür Sorge zu tragen, dass die Kartonagen und Plastik usw. die du in Umlauf bringst, fachgerecht entsorgt werden, indem du sie lizenzierst.

Senfgelb Nürnberg Laden

Welche Herausforderungen musstest du bei der Gründung deines Labels meistern?

Es ist das Wichtigste, sich vor der Anmeldung beim Finanzamt und der IHK zu informieren. Die IHK und die Handelskammer haben unterschiedliche Beiträge, man muss eine Pflichtmitgliedschaft in einer der beiden haben. Informiere dich darüber, was du in den Gewerbeschein schreibst, z.B. über google. Kümmere dich vorher um die Berufsgenossenschaft und informiere dich, was du angeben musst. Dann kommt eins nach dem anderen, irgendwann betreibst du kein Kleingewerbe mehr, sondern musst eine richtige Steuererklärung machen, bist nicht mehr umsatzsteuerbefreit und musst eine Umsatzsteuervoranmeldung machen. Ich würde nicht empfehlen, den bisherigen Job an den Nagel zu hängen und so etwas zu starten, sondern eher den Job zu reduzieren, damit man nicht den Druck hat, direkt auf die Selbstständigkeit angewiesen zu sein. Man darf es sich nicht von Zukunftsängsten vermiesen lassen, sondern sollte die Energie lieber in das Gewerbe stecken als in Zweifel.

Wie hast du Kunden auf dich aufmerksam gemacht?

Das „Sprungbrett“ war DaWanda, ohne DaWanda hätte ich das nie in dem Rahmen gemacht. Ich habe mein verdientes Geld wieder in neue Materialien investiert, und konnte mir damit dann mehrere und bessere Materialien leisten. Angefangen hat es über DaWanda, da konnte ich froh sein, dass mein Keramikschmuck sehr einzigartig war. Mittlerweile gibt es eine Handvoll Nachmacher. Coco Chanel sagte, eine Kopie ist dazu da, die Bekanntheit des Originals zu steigern. Seitdem ich den Spruch gehört habe, ärgere ich mich auch nicht mehr. Die Qualität des eigenen Produktes ist am wichtigsten, v.a. die Fotos, das Preis-Leistungs-Verhältnis und der Kundenservice. Dabei ist wichtig, dass man sich von Kunden nicht so sehr stressen lässt. Denkt nicht, ihr müsst immer alarmbereit sein, sondern habt Zeiten am Tag, in denen ihr euch dafür Zeit nehmt.

Dann habe ich angefangen auf Märkten zu verkaufen. Am Anfang kann man erst einmal auf einen kleinen Flohmarkt gehen, um zu schauen, wie die Produkte ankommen. Auf Märkten kamen meine Produkte auch gut an, dadurch ist wieder Geld rein gekommen. Danach habe ich nach Läden und Fachvermietungen gesucht, die etwas auf Kommission nehmen.

Keramikarbeit Senfgelb

Welches der 3 Konzepte einer Fachvermietung bevorzugst du?

Ich bevorzuge Verkauf mit Servicegebühr, weil ich nicht pro Monat feste Kosten habe, sondern nach einiger Zeit eine Abrechnung kriege. Es ist okay, dass die Leute eine Provision verlangen, denn du kriegst dafür tatsächlich den Wert, der verkauft ist und zahlst keine Miete ohne etwas zu verkaufen.

Servicegebühr und Fachmiete sind für beide Parteien fair. Wird nichts verkauft, erhält die Fachvermietung Geld und wenn viel verkauft wird, z.B. durch einen schönen Laden oder gute Werbung kriegen sie auch mehr Provision.

In Bezug auf die Auswahl der Läden kann ich sagen: Ich habe gelernt lieber hinzufahren, die Läden anzuschauen, mit den Leuten zu sprechen, Konditionen auszumachen und schöne Displays zu bauen. Mit Diebstahl habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht, Diebstahl ist zwar nicht mitversichert, allerdings haben Läden eine Haftpflicht. Im Notfall kann man da sicher mit dem Besitzer des Ladens sprechen. Also schöne Displays bauen, schöne Produkte aussuchen, farblich schön gestalten und übersichtlich mit Namen des Labels dekorieren.

Wie gestaltet sich der Preis deiner Produkte im Einzelhandel bzw. in Fachvermietungen?

Ganz am Anfang hatte ich ja einen Laden, der das 4-Fache verlangt hat, das geht nicht, da die eigenen Waren dann zu teuer werden. Generell gebe ich meine Waren den Händlern um 10-20 Prozent günstiger, je nachdem, welches Produkt es ist und wie ich dabei den Preis gestaltet habe. Die Händler wiederum legen dann ihre eigenen Preise fest, und schlagen sich wieder bis zu 40% drauf. Dadurch entstehen zwar etwas höhere Preise als direkt bei mir, aber die meisten Kunden verstehen das und sind froh, dass sie dafür die Produkte direkt ansehen und kaufen können.

Schmuck aus Keramik Senfgelb

Welche Vorteile siehst du bei Online-Verkäufen, Kreativmärkten und Fachvermietungen?

Online-Verkäufe können insofern als Sprungbrett genutzt werden, als dass man da seine ersten Erfahrungen machen und schauen kann, ob es funktioniert oder nicht. Man muss sich abheben, z.B. durch die Stoffauswahl oder schön abgestimmte Farben und gute Fotos z.B. mit Models. Logenplätze bei DaWanda haben mir nichts gebracht, lieber mache ich qualitativ hochwertige Produkte und gute Fotos, damit DaWanda einen entdeckt und dann ab und an zum Beispiel im Newsletter erwähnt.

Kreativmärkte sind gut, aber eben regional. Viele Leute kennen einen Markt oder Laden und kommen wieder. Bei Online Verkäufen werden eher Produkte von verschiedenen Herstellern gekauft. Auf Märkten ist mir aufgefallen, dass eher Sachen mitgenommen werden, die unter 20€ liegen. Zwischen 20€ und 30€ muss es entweder größer oder besonders sein, darüber wird eher die Visitenkarte des Verkäufers mitgenommen, damit dieser im Kopf bleibt. Man kann gemeinsam zu Märkten fahren und Fahrtkosten teilen und beim Auf-und Abbau helfen.

Fachvermietungen sind super durch konstante Einnahmen, man bereitet alles vor und legt die Preise fest. Außerdem kann ich Kunden in meinem Laden auch sagen, dass es einen weiteren Laden in Berlin oder Hamburg gibt, in dem sie vorbei schauen können.

Es hat alles seine Vor- und Nachteile. Ich habe gerne Kundenkontakt, mag aber auch das Online-Geschäft von zu Hause aus, wenn man z.B. krank oder mal nicht so gut drauf ist.

Keramikschmuck Senfgelb

Was würdest du anderen raten, worauf sie bei der Preisgestaltung achten sollten?

Was ich oft erlebt habe, ist, dass Leute sich unter Wert verkaufen. Natürlich muss man schauen, was die Materialien kosten und wie lange man daran sitzt. Aber man darf auch Faktoren wie Kosten für den Arbeitsplatz, Werkzeuge, Werbung, Marktgebühren, evtl. ein Auto und die eigene Versicherung nicht vergessen! Außerdem sollte man einen Preisvergleich machen, auf Märkten und auch online schauen, was ähnliche Produkte kosten. Auch wenn die Qualität gesteigert wird, kann der Preis gesteigert werden, wenn er von vornherein nicht zu hoch war. Viele Kreative haben Angst das Geschäft läuft nicht, wenn die Produkte zu teuer sind, aber es muss etwas übrig bleiben, sonst lohnt es sich nicht, die Arbeit und die Mühe zu machen.

Wie sieht dein Alltag, also ein normaler Tag oder eine normale Woche, mit deinem eigenen Laden aus?

Ich bin zu Beginn nach der Uni nach Hause und habe dann bis nachts z.B. noch Bilder bearbeitet, etwas hergestellt oder mich in verschiedene rechtliche Themen etc. eingelesen. Das dauert auch ganz schön lange! Mittlerweile bin ich zu festen Zeiten in meinem Laden, vorher und nachher finde ich aber oft auch kein Ende, und bin entweder in der Werkstatt, auf Flohmärkten oder am Computer zu finden.

Selbstständig und von zu Hause arbeiten ist zwar schön, aber nach 2 Jahren habe ich gemerkt, dass es mir gut tut den Laden und einen Arbeitsplatz außerhalb meiner Wohnung zu haben, da es wieder etwas mehr Ordnung hineingebracht hat. Es ist ein wenig leichter, ein Ende zu finden.

Was ist dein Traum?

Ein eigener Laden war ein Traum und alles so machen zu können, wie ich möchte. Heute wünsche ich mir, dass ich lange gesund bleibe und lange arbeiten kann, gerade weil man es nur schwer schafft, sich als Selbstständiger eine gute Rente aufzubauen. Außerdem will man denke ich als Selbstständiger auch gar nicht mit 67 plötzlich aufhören... 



Senfgelb Marina Wachsmann
Marina Wachsmann



alle Bilder ©senfgelb