Dienstag, Mai 26, 2015

Nicht nur Produkte, sondern auch Kunden einwickeln - Warum kreative Verpackung so wichtig ist

Verpackungsdesign
Die Verpackung deines Unikats ist das Erste, was der Kunde von deinem Produkt zu sehen bekommt. Dabei entscheidet er schnell, welches Produkt die eigene Aufmerksamkeit „verdient“ und welches nicht. Sehr viele Kunden entscheiden sich erst am Einkaufsort für ein Produkt. Sie sind häufig nicht voreingenommen, sondern lassen sich von Eindrücken und Impulsen beeinflussen, die im Einzelhandel oder an deinem Marktstand entstehen. An diesem Punkt musst du ansetzen, damit die Verpackung und das Produkt deines Labels auffallen und Kaufanreize geschaffen werden. 

Für Kreative ist es fast unmöglich kostenintensive Werbung zu schalten. Deshalb wird die Verpackung zum primären Werbeträger und Aushängeschild für das Produkt. Sie hilft dir sich von anderen Wettbewerbern abzugrenzen und das eigene Label hervorzuheben. Sehen Kunden deine Produkte im Einzelhandel und erkennen diese anhand der Verpackung wieder, hast du ein Label mit Wiedererkennungswert geschaffen.

Was gehört auf die Verpackung?

Bei der Verpackung gilt: Je mehr Informationen desto besser. Das heißt nicht, dass das Etikett oder die Verpackung zugepflastert mit Werbetexten sein soll, sondern, dass wichtige Informationen leicht zu finden sein sollten. Kunden fühlen sich wohler mit einem Produkt, aus dessen Verpackung sie leicht auf den Inhalt und dessen Qualität und Eigenschaften schließen können. Ausreichend Informationen auf Verpackungen sprechen außerdem für die Glaubwürdigkeit und Seriosität deines Labels.

Es gilt, die Balance zwischen ansprechender Verpackung, die die Neugier auf das Produkt erweckt und Informationsgehalt zu finden. Das Etikett bzw. die Verpackung wirkt schnell überladen und Kunden werden davon leicht eingeschüchtert werden. Dem kannst du entgegen wirken, indem du die Darstellung der Informationen auf die Vorder- und Rückseite des Produktes aufteilst. Auf die Vorderseite kommt z.B. ein ansprechendes Bild oder dein Logo, ein kleiner Wortwitz oder packender Spruch und das Label. Die restlichen Informationen kannst du auf der Rückseite platzieren, um den Faktoren den Vortritt zu lassen, die die Aufmerksamkeit des Kunden auf sich ziehen. Bei näherem Betrachten können sie sich dann weiter über Produktdetails informieren.

Woran du beim Verpackungsdesign alles drehen kannst

Kunden entscheiden intuitiv, welche Verpackung sie mehr anspricht und kaufen eher das schöner verpackte Produkt, ohne zu wissen, ob dessen Qualität oder Preis-Leistungs-Verhältnis angemessener ist. Dies kannst du für dich nutzen.

Nutze künstlerische Elemente
Nutze die Bandbreite an Gestaltungsmöglichkeiten für dein Verpackungsdesign aus und spiele mit der Form, Größe, dem Transportkomfort, den eingesetzten Farben und Bildern, Schriftarten und der Technik zum Öffnen einer Verpackung.

Nutze Kaufmotive als Gestaltungselement
Hebe dich ab, indem du deine Verpackung an Kaufmotive anpasst. Suchen Kunden ein Geschenk oder Mitbringsel, neigen sie dazu Produkte zu kaufen, die in kleinen Tüten oder Schächtelchen verpackt sind, auf denen z.B. „Alles Liebe, Für dich, Viel Erfolg“ oder „Danke“ steht. Auch speziell auf Großereignisse, wie Ostern und Weihnachten ausgerichtete Verpackungen wird der Kunde eher aufmerksam. Natürlich sind anlassbezogene Verpackungen nicht verallgemeinernd für alle Produkte geeignet. Je nach angebotener Ware und eigener Vorliebe kann die Verpackung z.B. traditionell, modern, minimalistisch, kultig oder auch im Vintage-Look angeboten werden.

Recycel Materialien als Verpackung
Do it yourself – Das gilt für selbstgemachte Produkte, warum nicht auch für die Verpackung? Produktverpackungen müssen nicht teuer beim Großhändler eingekauft werden, ihr könnt sie auch ganz einfach selbst machen. Ihr könnt damit Assoziationen zu eurem Produkt erzeugen. Habt ihr das Produkt z.B. umweltfreundlich hergestellt, bietet es sich an, auch die Verpackung umweltfreundlich zu gestalten und auf diesen Aspekt hinzuweisen. Mache deine Tütchen, Schachteln, Boxen oder Etiketten einzigartig und überzeugt durch recycelte Materialien und Verpackungen.

Du kannst dein Produkt zusätzlich attraktiver machen, indem du mit deiner Verpackung ein Zusatznutzen stiftest: Einmachgläser werden zu Cocktailgläsern, Konservendosen zu Vasen oder Stifthaltern, kleine Kartonagen zu Aufbewahrungsboxen für Kleinkram. Recycling at its best eben.

Warum immer ein Produktexemplar geöffnet im Fach liegen sollte

Als Kind im Supermarkt wird einem beigebracht, nicht mit den Händen, sondern mit den Augen zu schauen. Und so funktioniert die Entwicklung einer Kaufentscheidung: Wir testen Produkte, wir schauen sie uns an, achten auf die Verarbeitung und wollen die Materialien fühlen. Genau aus diesem Grund kaufen wir im Einzelhandel ein, anstatt über Onlineshops zu bestellen. Haben Kunden ein gutes Gefühl beim Ertasten deiner Produkte oder gefällt ihnen die Verarbeitung besonders gut, dann befinden sie sich mitten im Kaufentscheidungsprozess. Biete im Einzelhandel nicht nur verpackte Ware an, sondern lege den potenziellen Kunden ein paar Tester bereit, damit sie das Produkt kennen lernen können und überzeugt werden.

Freitag, Mai 22, 2015

Infografik: 15 Wege kreativ zu bleiben

Kreativität hat viele Gesichter und Charaktere, die nicht jeden Tag gleich gut gelaunt und erfinderisch sind. Um sie wieder in Schwung zu bringen, gibt es hier 15 Wege, wie ihr eine schöpferische Pause sinnvoll nutzen könnt, um danach ideenreich weiter zu machen.

Infografik 15 Wege kreativ zu bleiben


Wie verbringt ihr eine kreative Schaffenspause? Was hilft euch, um neue Inspiration zu finden?

Dienstag, Mai 19, 2015

Die 6 häufigsten Fehler beim Verkauf von Selbstgemachtem

Fehler Selbstgemachtes
Fehler machen ist menschlich und auch vollkommen normal. Im Business und im Verkauf allerdings werden einem Fehler nicht so schnell verziehen und es wird schwerer, diese wieder gerade zu rücken und auszubügeln. Hier findest du Tipps, wie du von Anfang an die 6 häufigsten Fehlern beim Verkauf von Unikaten vermeidest.

1. Fallen kann jeder - Auffallen ist schwerer

Die Wirtschaft und der Verkauf haben wenig mit Kreativität zu tun – von wegen! Genauso wie beim Erstellen deiner selbstgemachten Produkte, solltest du auch beim Verkauf deiner Unikate kreativ werden. Nutze die Möglichkeiten deine Produkte gerade im Einzelhandel durch kreative Präsentationsformen in Szene zu setzen. Anregungen kannst du dir hier holen.

Bleibe bei potenziellen Käufern in Erinnerung, indem du deine Visitenkarten zum einen originell gestaltest und zum anderen auch so präsentierst. Natürlich kannst du deine Visitenkarten ins Fach legen, aber wirken sie nicht zum Mitnehmen einladender, wenn sie in einem Origami-Kästchen liegen oder auf einer Baumrinde aufgestellt sind?

2. Feedback bei den falschen Leuten einholen

Ja, deine Eltern und Freunde finden dein Produkt richtig klasse und sehr wahrscheinlich sind sie auch ein Teil deiner Käufer. Aber (!), wenn du wirklich wissen möchtest, ob dein Produkt auch am echten Markt Absatz findet, musst du in den direkten Kontakt mit deinen Kunden treten. Sie sind die einzig wirklich wichtige und zugleich objektive Instanz, die du um Feedback bitten solltest.

Sind Kunden unzufrieden mit der Leistung deiner selbstgemachten Ware, lassen sie es dich spüren, hart aber fair. Nimm Kritik nicht zu persönlich, sondern sehe es als Chance dich weiter zu entwickeln. Sei dankbar für jegliche Hilfestellungen und Anregungen, niemand wird so ehrlich zu dir sein wie unzufriedene Kunden. Also nutze die Gelegenheit, sammle Kritikpunkte und Verbesserungsmöglichkeiten, frage aktiv nach Verbesserungen und zeige, dass du an dir arbeitest. Bekommst du z.B. eine weniger gute Bewertung in einem Online-Shop, geht es nicht darum diese Kommentare zu löschen, sondern darum zu zeigen, dass du an dir arbeitest und dir Kritik zu Herzen nimmst. Kritik sollte also immer ein Ansporn für dich sein.

Kunden zuhören

3. Sich aus Angst vor Nachahmern lieber verstecken

Dank des Internets sind Ideen sehr schnell kopiert. Deswegen favorisieren einige der kreativen Kleinserienhersteller den Weg, ihre Produkte ausschließlich über Kreativmärkte zu verkaufen. Dort ist es schön überschaubar und die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass dich jemand kopiert. Diese Sichtweise mag für einen Kreativen, der den Verkauf seiner Unikate hobbymäßig ausführt ein gangbarer Weg sein. 

Für all jene, die von dem Verkauf ihrer Produkte leben möchten, lautet aber die Devise: Raus in die große Welt, zeigt euch! Ihr müsst euer Label bekannt machen und den Markt quasi durchdringen. Nur so könnt ihr euer Label langfristig schützen. Erst wenn Kunden eure Produkte mit eurem Label assoziieren, habt ihr einen Wiedererkennungswert geschaffen, der von Nachahmern nicht so schnell imitiert werden kann. Ohnehin ist Angst die schlechteste Entscheidungsgrundlage.

4. Rechtliche Aspekte ausblenden bzw. zu spät angehen

Zahlen und Fakten zählen zwar nicht zum Lieblingsgebiet der meisten Kreativen, sind allerdings Teil des Gewerbes. Der Traum des Kreativen ist es von Selbstgemachtem, das als Hobby angefangen hat, leben zu können. Um das Umsetzen zu können, müssen sich kreative Selbstständige mit den Rahmenbedingungen ihres Verkaufes befassen. Damit gehst du nicht nur möglichem Ärger und unnötigem Stress aus dem Weg, sondern du kannst durch das Gelernte und dein Know-how auch beim Kunden durch Professionalität und Seriosität glänzen, da keine rechtlichen Fragen im Raum stehen. Du merkst also, es gibt kein Spiel ohne Spielregeln.

5. Zu wenig Gedanken zum Alleinstellungsmerkmal machen

Es ist wichtig klar zu kommunizieren, was dein Produkt leistet, wofür du stehst und worin der Unterschied zu Wettbewerbern liegt. Sei keine zweite Ausgabe von jemand anderem und kopiere Ideen oder Konzepte, sondern schaffe dein eigenes Label aus eigenen Gedanken und Vorstellungen. Dein Alleinstellungsmerkmal zeichnet dich und deine Produkte aus, lass also nicht zu, dass der Preis dein Trumpf im Wettbewerb wird. Es wird immer jemanden geben, der ähnliche Leistung günstiger anbietet, deshalb solltest du einen anderen Punkt finden, der ausdrückt, was deine Produkte von anderen abhebt. Erwähne nicht nur dein Produkt als solches, sondern zeige potentiellen Kunden besonders den Nutzen und Mehrwert, den es für einen Käufer hat. 

USP finden

6. Unrealistische Erwartungen an sich selbst haben

Viele Kreative sind der Meinung, wöchentlich neue Ideen und Produktkonzepte entwickeln zu müssen. Die Ausarbeitung und Umsetzung dieser Einfälle ist mit großem Aufwand und zusätzlichen Kosten verbunden. Aus wirtschaftlicher Sicht lohnt es sich daher mehr, eine oder ein paar wenige Ideen konsequent und innovativ auszubauen und diese dann in großer Stückzahl zu verkaufen. Setz dich nicht selbst unter Druck, indem du dir Deadlines bis zum nächsten Geistesblitz setzt und an einer Idee festhältst, die nur schwer umsetzbar ist. Bleibe mit Erwartungen an dich selbst realistisch.

Qualität und Hochwertigkeit sind ohne Zweifel wichtige Faktoren für den dauerhaften Erfolg eines Produktes. Es geht jedoch nicht nur darum, Qualität zu bieten, sondern diese auch wertzuschätzen und hervor zu heben. Erkenne den Wert und den Nutzen deines Produktes an und verlange den Preis, den es verdient. Kalkuliere deinen Preis fair – nicht nur für Kunden, sondern auch für dich, verkaufe deine Unikate nicht unter Wert. Die Preise senken kannst du im Nachhinein noch durch kurzfristige Rabatte oder ähnliches, den Preis zu heben, wird von Kunden weniger akzeptiert.

Vergiss nicht: Fehler sind ein Beweis dafür, dass du dich entwickelst!

Was haltet ihr für typische Fehler beim Verkauf von Selbstgemachtem? Aus welchen Fehlern habt ihr gelernt?
CC 1.0 Bilder von Ryan McGuire

Montag, Mai 11, 2015

Selbstgemachte Lebensmittel verkaufen? Darauf solltest du achten!

selbstgemachte Marmelade verkaufen
Mit ihrem Label in aller Munde verkauft Andrea Träger selbstgemachte Köstlichkeiten, die aus regional und saisonal angebauten Früchten hergestellt werden. Im Interview erzählt sie euch, was ihr beim Verkauf von selbstgemachten Lebensmittel beachten müsst.

Wie bist du zum Verkauf von selbstgemachten Lebensmitteln gekommen?

Ich habe viele Jahre zuvor hobbymäßig für Freunde, Familie und Verwandte typische Marmelade hergestellt, bis jemand gesagt hat, ich sollte professionell einsteigen und sie zumindest nebenberuflich herstellen. Ich hatte zuerst Bedenken, habe mich dann nach Rechtlichem und den Anforderungen eines Gewerbes erkundigt. Es hat schon ein gutes halbes Jahr gedauert, bis ich mir sicher war, dass ich es machen möchte. Hauptberuflich arbeite ich in einer Kanzlei als kaufmännische Angestellte.

Was hält dich davon ab, es hauptberuflich zu machen?

Ich habe daran gedacht, aber ich bin nicht mehr so probierfreudig und die Gewerbeanmeldung war für mich schon ein großer Schritt. Das letzte Quäntchen Mut, es Vollzeit zu machen, fehlt mir doch. Außerdem bräuchte ich dazu ganz andere Räumlichkeiten und ich bin ein Mensch, der alles durchdacht und mit Hand und Fuß angehen möchte. Ich möchte nicht, dass meine Freizeit darunter leidet, sondern es soll mir noch Spaß machen.

Ist eine zusätzliche Küche für die Produktion von selbstgemachten Lebensmitteln notwendig?

In der Regel schon. Die Auflagen sind nicht zu unterschätzen und ich rate jedem sich vorab an das örtliche Ordnungsamt zu wenden. Die Anforderungen können sich sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. Manchmal hat die IHK auch interessante Informationsblätter. Ohne die Abnahme durch die Stadt ist die Produktion von Lebensmitteln problematisch.
Essig In aller Munde

Welchen Zweck hast du bei der Gewerbeanmeldung angegeben?

Nachdem ich die Genehmigung hatte, habe ich überlegt, wie ich das mit der Gewerbeanmeldung mache und welche Sachen ich schwerpunktmäßig von den Produkten her aufnehme. Denn, wenn du den Gewerbeschein im Nachhinein änderst oder aufstockst, kostet es immer Geld. Da sollte vorher gut durchdacht werden, welche Produkte man mittel-und langfristig plant in die Produktpalette mit aufzunehmen. Ich habe dann alles, was ich anbiete angegeben: „Herstellung und Verkauf von Marmelade, Mousse, Sirup, Likör, Pesto, Schokolade und Pralinen, Quittenkonfekt, Fruchtkonfekt, Gebäck“, und „Herstellung und Verkauf von kunstgewerblichen Gegenständen“, z.B. Bierdeckel.

Wie und wo hast du dich über den Verkauf von Lebensmitteln informiert?

Das geht über die Stadt. Wenn du hingehst und sagst, dass du ein Gewerbe im Bereich Lebensmittel anmelden möchtest, worum es geht und welche Art von Betrieb es ist, dann wird dir mitgeteilt, was du dafür brauchst. Außerdem erhält man ein Begleitschreiben, indem aufgeführt ist, was alles benötigt wird. 

In Deutschland gibt es ja für beinahe alles eine sehr strenge Regelung, besonders für Lebensmittel. Welche Voraussetzungen musstest du erfüllen, um mit deinem Verkauf zu starten?

Grundsätzlich ist die Gewerbeanmeldung notwendig. In Verbindung mit Lebensmitteln braucht man außerdem einen Nachweis über den Umgang mit Lebensmitteln. Da muss man einen Kurs besuchen (der dauert ca. 1,5 Stunden). Ich konnte diesen bei der Stadt Erlangen machen, aber ich denke den gibt es in jeder Stadt, die sind vom Gesundheitsamt aus. Danach erhält man einen Nachweis, dass man teilgenommen hat und es wird bestätigt, dass man sozusagen zertifiziert ist. Als Drittes braucht man, gerade wenn man auf Märkte geht, eine Reisegewerbekarte. Die wird einmal im Leben ausgestellt und gilt auch ein Leben lang, sie ist also unbefristet. In dieser wird noch einmal komplett die angemeldete Tätigkeit mit aufgenommen, die im Gewerbeschein steht. Sie berechtigt deutschlandweit an Märkten, Weihnachtsmärkten oder wo auch immer man sich als Aussteller bewirbt, teilzunehmen. Die sollte man immer bei sich haben.

Andrea Träger selbstgemachter Likör

Gibt es Kennzeichnungspflichten für Lebensmittel?

Es gibt die Lebensmittelkennzeichnungsverordnung und es ist nach dem EU-Gesetz geregelt. Das kann man ganz einfach im Internet recherchieren. Vorne auf der Verpackung braucht man die Verkehrsbezeichnung, also um was für ein Produkt es sich handelt. Vermeiden sollte man Fantasienamen. Man sollte das darauf schreiben, was drin ist. Marmelade z.B. darf nur als solche gekennzeichnet sein, wenn sie aus Zitrusfrüchten hergestellt ist. Deswegen ist es viel einfacher, es pauschal als "Fruchtaufstrich" zu bezeichnen. Das Gleiche gilt für Gelee und Konfitüre. Die Grenzen sind da sehr verwaschen. Da ist man mit der allgemeinen Bezeichnung "Fruchtaufstrich" auch gesetzlich auf der sicheren Seite und hat alles abgedeckt. Die Mengenangabe in Grammzahl ist wichtig und der Preis.

Auf der Rückseite der Verpackung muss das Mindesthaltbarkeitsdatum stehen, allerdings nicht abgekürzt als MHD, sondern ausgeschrieben. Außerdem ist die Zutatenliste wichtig, in absteigender Reihenfolge der Menge nach muss bis ins Letzte aufgeführt werden, was enthalten ist. In meiner Erdbeermarmelade z.B. muss drin stehen: Erdbeeren, Zucker und dann muss auch mit aufgeführt sein, was auf der Zutatenliste der Gelierzuckerverpackung steht, die verwendet wird. Das sagt die Kennzeichenverordnung.

Eine Losnummer ist auch wichtig, das ist die Chargennummer. Aus einem Rezept mache ich z.B. 10-15 Gläser, diese haben dann die gleiche Losnummer und die wird im Herstellungsprotokoll notiert. Wenn ich z.B. Erdbeermarmelade herstelle, dann führe ich ein Herstellungsprotokoll, in dem Zutaten und MHD stehen. Ich schreibe auf, wo ich sie gekauft habe, was sie gekostet haben, wieviel ich von der Menge her verwendet habe und die Anzahl der hergestellten Gläser, sowie die Grammzahl pro Glas.

selbstgemachte Lebensmitteln verkaufen

Wenn du in anderen Läden bzw. Cafés verkaufst, musst du selbst schauen ob das MHD abgelaufen ist, oder machen das die Ladenbesitzer?

Das machen meistens die Ladenbesitzer, je nach Absprache eben. Aber ich weise sie auch selbst darauf hin. Marmelade ist ja sehr lange haltbar, allerdings sollte man bei speziellen Zutaten aufpassen. Bei Schokolade z.B. mache ich grundsätzlich nur ein halbes Jahr, einfach aus der Erfahrung heraus, weil sie ein leicht verderbliches Lebensmittel in der Mischung mit Marmelade ist. Bei Essig und Likören gibt es kein Mindesthaltbarkeitsdatum.

Wie legst du das Mindesthaltbarkeitsdatum fest?

Es sind meist Erfahrungswerte, weil ich Jahre zuvor auch schon viel ausprobiert habe und festgestellt habe, welche Lebensmittel länger oder weniger lang halten. Für das professionelle Auftreten später wusste ich dann, dass ich einfach ein kürzeres Haltbarkeitsdatum angebe. Du kannst Konservierungsstoffe mit rein packen, aber das möchte ich nicht, sondern nur die Ausgangsprodukte. Zucker ist ja auch ein natürlicher Konservierungsstoff. Ich möchte keine Zusätze oder Farbstoffe.

Entwickelst du deine Rezepte selbst oder sind es jene von der Omi?

Genau, ich habe sie von Großmüttern oder ich hole mir Inspiration von Freunden und Bekannten oder probiere selbst aus, was neu in die Produktpalette kommt. Die Bandbreite der Produkte hat sich erst nach und nach entwickelt.

Du verkaufst deine selbstgemachten Lebensmittel ja auch auf Märkten. Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

Auf Märkten kommt es insgesamt gut an, es kann aber auch von Markt zu Markt unterschiedlich sein, je nach Zielgruppe. Auf einem Regionalmarkt, auf dem ich war, ist es im Herbst besser gelaufen als im Frühjahr. Gerade ältere Marktbesucher machen Marmeladen zu Hause lieber selbst. Der Oscar.Selbstgemacht und Sommerkiosk in Nürnberg sind sehr gut gelaufen.

Wie kalkulierst du den Preis?

Ich bin am Anfang in den Supermarkt und habe Preise verglichen und dachte dann, mein Angebot sei zu teuer. Natürlich kann man den Preis von industriell gefertigten Marmeladen nicht mit dem Preis zu dem ich sie anbiete, vergleichen. Ich habe angefangen, ein kleines Glas Marmelade für 2,50€ zu verkaufen, habe aber bald auf 3€ erhöht, weil viele Leute zu mir meinten, die Marmeladen seien zu günstig. Generell zahlen die Leute mehr. Ich biete kleinere Gläser, damit mehr Auswahl bereitsteht und damit nicht so viel übrig bleibt. Auch für Freunde zum Brunch oder zum Durchprobieren sind kleine Gläser praktischer.

Was musstest du speziell bei der Herstellung und dem Verkauf von alkoholhaltigen Likören beachten?

Grundsätzlich, wenn ich Likör ansetzte, nehme ich die beliebige Frucht, Kandiszucker, neutralen Alkohol und lasse den je nach Frucht, Intensität und Geschmack 4-8 Wochen stehen. Dann wird abgefiltert. Wichtig ist hygienisch zu arbeiten, egal, ob bei Likören, Sirup, Essig oder Marmeladen. Ich habe eine Kochmütze auf, eine Kochjacke an, es wird sehr sauber gearbeitet und die Gläser müssen sehr heiß ausgespült werden, auch wenn es neue Gläser sind. Likör verdirbt nicht, außer der Alkoholgehalt liegt unter 15 %, dann verdirbt er.


In aller Munde Andrea Träger

In aller Munde

Welche Fragen habt ihr im Zusammenhang mit dem Verkauf von selbstgemachten Lebensmitteln noch?

alle Bilder © in aller munde

Donnerstag, Mai 07, 2015

Der Weg zum eigenen Laden als Labelstarter

Schmuck Senfgelb
Marina Wachsmann von Senfgelb erzählt im Interview, wie sie über einen Onlineshop, Kreativmärkte und Fachvermietungen dazu kam, einen eigenen Laden für ihren selbstgemachten Schmuck zu eröffnen.

Du hast 2010 dein Label gestartet, wie bist du dazu gekommen?

Ich habe neben dem Studium immer kunsthandwerkliche Sachen gemacht und habe mit Keramik angefangen. In der Uni habe ich an einem Computerseminar teilgenommen, in dem wir eine Homepage gestalten sollten. Ich habe eine Homepage zu meinen selbstgemachten Produkten erstellt und weil ich sowieso schon Fotos davon gemacht und eine Beschreibung hinzugefügt habe, wollte ich auch Preise dazu schreiben. Ich habe an DaWanda gedacht und dass ich da einen Shop eröffnen könnte, habe mich bei DaWanda daraufhin informiert, einen Steuerberater gefragt und dann den Shop ein paar Wochen und Monate laufen lassen.

Rechtlich muss man ab dem 1. Gegenstand, den man gewinnbringend verkauft, angemeldet sein und muss sich darum kümmern, ob man Steuern zahlen muss. Ich habe dann mit meiner Homepage und den Fotos ausprobiert, wie es ankommt, mich dann in den Versand und Sonstiges eingelesen und dann um das Finanzamt gekümmert. Dazu kam noch die Verpackungsverordnung, d.h., du als Händler hast dafür Sorge zu tragen, dass die Kartonagen und Plastik usw. die du in Umlauf bringst, fachgerecht entsorgt werden, indem du sie lizenzierst.

Senfgelb Nürnberg Laden

Welche Herausforderungen musstest du bei der Gründung deines Labels meistern?

Es ist das Wichtigste, sich vor der Anmeldung beim Finanzamt und der IHK zu informieren. Die IHK und die Handelskammer haben unterschiedliche Beiträge, man muss eine Pflichtmitgliedschaft in einer der beiden haben. Informiere dich darüber, was du in den Gewerbeschein schreibst, z.B. über google. Kümmere dich vorher um die Berufsgenossenschaft und informiere dich, was du angeben musst. Dann kommt eins nach dem anderen, irgendwann betreibst du kein Kleingewerbe mehr, sondern musst eine richtige Steuererklärung machen, bist nicht mehr umsatzsteuerbefreit und musst eine Umsatzsteuervoranmeldung machen. Ich würde nicht empfehlen, den bisherigen Job an den Nagel zu hängen und so etwas zu starten, sondern eher den Job zu reduzieren, damit man nicht den Druck hat, direkt auf die Selbstständigkeit angewiesen zu sein. Man darf es sich nicht von Zukunftsängsten vermiesen lassen, sondern sollte die Energie lieber in das Gewerbe stecken als in Zweifel.

Wie hast du Kunden auf dich aufmerksam gemacht?

Das „Sprungbrett“ war DaWanda, ohne DaWanda hätte ich das nie in dem Rahmen gemacht. Ich habe mein verdientes Geld wieder in neue Materialien investiert, und konnte mir damit dann mehrere und bessere Materialien leisten. Angefangen hat es über DaWanda, da konnte ich froh sein, dass mein Keramikschmuck sehr einzigartig war. Mittlerweile gibt es eine Handvoll Nachmacher. Coco Chanel sagte, eine Kopie ist dazu da, die Bekanntheit des Originals zu steigern. Seitdem ich den Spruch gehört habe, ärgere ich mich auch nicht mehr. Die Qualität des eigenen Produktes ist am wichtigsten, v.a. die Fotos, das Preis-Leistungs-Verhältnis und der Kundenservice. Dabei ist wichtig, dass man sich von Kunden nicht so sehr stressen lässt. Denkt nicht, ihr müsst immer alarmbereit sein, sondern habt Zeiten am Tag, in denen ihr euch dafür Zeit nehmt.

Dann habe ich angefangen auf Märkten zu verkaufen. Am Anfang kann man erst einmal auf einen kleinen Flohmarkt gehen, um zu schauen, wie die Produkte ankommen. Auf Märkten kamen meine Produkte auch gut an, dadurch ist wieder Geld rein gekommen. Danach habe ich nach Läden und Fachvermietungen gesucht, die etwas auf Kommission nehmen.

Keramikarbeit Senfgelb

Welches der 3 Konzepte einer Fachvermietung bevorzugst du?

Ich bevorzuge Verkauf mit Servicegebühr, weil ich nicht pro Monat feste Kosten habe, sondern nach einiger Zeit eine Abrechnung kriege. Es ist okay, dass die Leute eine Provision verlangen, denn du kriegst dafür tatsächlich den Wert, der verkauft ist und zahlst keine Miete ohne etwas zu verkaufen.

Servicegebühr und Fachmiete sind für beide Parteien fair. Wird nichts verkauft, erhält die Fachvermietung Geld und wenn viel verkauft wird, z.B. durch einen schönen Laden oder gute Werbung kriegen sie auch mehr Provision.

In Bezug auf die Auswahl der Läden kann ich sagen: Ich habe gelernt lieber hinzufahren, die Läden anzuschauen, mit den Leuten zu sprechen, Konditionen auszumachen und schöne Displays zu bauen. Mit Diebstahl habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht, Diebstahl ist zwar nicht mitversichert, allerdings haben Läden eine Haftpflicht. Im Notfall kann man da sicher mit dem Besitzer des Ladens sprechen. Also schöne Displays bauen, schöne Produkte aussuchen, farblich schön gestalten und übersichtlich mit Namen des Labels dekorieren.

Wie gestaltet sich der Preis deiner Produkte im Einzelhandel bzw. in Fachvermietungen?

Ganz am Anfang hatte ich ja einen Laden, der das 4-Fache verlangt hat, das geht nicht, da die eigenen Waren dann zu teuer werden. Generell gebe ich meine Waren den Händlern um 10-20 Prozent günstiger, je nachdem, welches Produkt es ist und wie ich dabei den Preis gestaltet habe. Die Händler wiederum legen dann ihre eigenen Preise fest, und schlagen sich wieder bis zu 40% drauf. Dadurch entstehen zwar etwas höhere Preise als direkt bei mir, aber die meisten Kunden verstehen das und sind froh, dass sie dafür die Produkte direkt ansehen und kaufen können.

Schmuck aus Keramik Senfgelb

Welche Vorteile siehst du bei Online-Verkäufen, Kreativmärkten und Fachvermietungen?

Online-Verkäufe können insofern als Sprungbrett genutzt werden, als dass man da seine ersten Erfahrungen machen und schauen kann, ob es funktioniert oder nicht. Man muss sich abheben, z.B. durch die Stoffauswahl oder schön abgestimmte Farben und gute Fotos z.B. mit Models. Logenplätze bei DaWanda haben mir nichts gebracht, lieber mache ich qualitativ hochwertige Produkte und gute Fotos, damit DaWanda einen entdeckt und dann ab und an zum Beispiel im Newsletter erwähnt.

Kreativmärkte sind gut, aber eben regional. Viele Leute kennen einen Markt oder Laden und kommen wieder. Bei Online Verkäufen werden eher Produkte von verschiedenen Herstellern gekauft. Auf Märkten ist mir aufgefallen, dass eher Sachen mitgenommen werden, die unter 20€ liegen. Zwischen 20€ und 30€ muss es entweder größer oder besonders sein, darüber wird eher die Visitenkarte des Verkäufers mitgenommen, damit dieser im Kopf bleibt. Man kann gemeinsam zu Märkten fahren und Fahrtkosten teilen und beim Auf-und Abbau helfen.

Fachvermietungen sind super durch konstante Einnahmen, man bereitet alles vor und legt die Preise fest. Außerdem kann ich Kunden in meinem Laden auch sagen, dass es einen weiteren Laden in Berlin oder Hamburg gibt, in dem sie vorbei schauen können.

Es hat alles seine Vor- und Nachteile. Ich habe gerne Kundenkontakt, mag aber auch das Online-Geschäft von zu Hause aus, wenn man z.B. krank oder mal nicht so gut drauf ist.

Keramikschmuck Senfgelb

Was würdest du anderen raten, worauf sie bei der Preisgestaltung achten sollten?

Was ich oft erlebt habe, ist, dass Leute sich unter Wert verkaufen. Natürlich muss man schauen, was die Materialien kosten und wie lange man daran sitzt. Aber man darf auch Faktoren wie Kosten für den Arbeitsplatz, Werkzeuge, Werbung, Marktgebühren, evtl. ein Auto und die eigene Versicherung nicht vergessen! Außerdem sollte man einen Preisvergleich machen, auf Märkten und auch online schauen, was ähnliche Produkte kosten. Auch wenn die Qualität gesteigert wird, kann der Preis gesteigert werden, wenn er von vornherein nicht zu hoch war. Viele Kreative haben Angst das Geschäft läuft nicht, wenn die Produkte zu teuer sind, aber es muss etwas übrig bleiben, sonst lohnt es sich nicht, die Arbeit und die Mühe zu machen.

Wie sieht dein Alltag, also ein normaler Tag oder eine normale Woche, mit deinem eigenen Laden aus?

Ich bin zu Beginn nach der Uni nach Hause und habe dann bis nachts z.B. noch Bilder bearbeitet, etwas hergestellt oder mich in verschiedene rechtliche Themen etc. eingelesen. Das dauert auch ganz schön lange! Mittlerweile bin ich zu festen Zeiten in meinem Laden, vorher und nachher finde ich aber oft auch kein Ende, und bin entweder in der Werkstatt, auf Flohmärkten oder am Computer zu finden.

Selbstständig und von zu Hause arbeiten ist zwar schön, aber nach 2 Jahren habe ich gemerkt, dass es mir gut tut den Laden und einen Arbeitsplatz außerhalb meiner Wohnung zu haben, da es wieder etwas mehr Ordnung hineingebracht hat. Es ist ein wenig leichter, ein Ende zu finden.

Was ist dein Traum?

Ein eigener Laden war ein Traum und alles so machen zu können, wie ich möchte. Heute wünsche ich mir, dass ich lange gesund bleibe und lange arbeiten kann, gerade weil man es nur schwer schafft, sich als Selbstständiger eine gute Rente aufzubauen. Außerdem will man denke ich als Selbstständiger auch gar nicht mit 67 plötzlich aufhören... 



Senfgelb Marina Wachsmann
Marina Wachsmann



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