Donnerstag, April 23, 2015

Thema Nähen: Wie du dich abhebst und was Kreativmärkte wirklich bringen

Tasche selbstgemacht
Das Thema Nähen haben wir im Magazin bisher nur vage angerissen. Mit Sonja König alias fairy stories bekommt ihr nun einen super Einblick, ob sich Kreativmärkte lohnen, ob Sonja bereits von ihrer Arbeit leben kann und wo sie eigentlich ihre Stoffe bezieht. 

Liebe Sonja, würdest du gerne in einer Märchenwelt leben oder warum heißt dein Label „fairy stories"?

Nein, eher weniger in einer Märchenwelt. Der Name kommt daher, dass meine Taschen mich auch beim Herstellen und Planen verzaubern und das gepaart mit Geschichte, also einem Prozess, der sich weiterentwickelt und der zu etwas vollständigem Ganzen wird, ergibt die Kombination.

Magst du dich kurz vorstellen, wer du bist und was du machst?

Ich bin Sonja, ich bin 26, habe Marketing studiert und mache jetzt seit 2010 mein kleines Label und möchte das gerne ausbauen und weiter machen.

Als du dein Gewerbe angemeldet hast, auf welche Herausforderungen bist du gestoßen?

Ich habe viel recherchiert, ein Buch vom Finanzamt besorgt. Der Prozess der Gewerbeanmeldung ist eigentlich ziemlich einfach, man geht hin und sagt, was man machen möchte. Ich denke da ist beim Gewerbezweck wichtig, etwas relativ weit Gefasstes anzugeben. Zum Beispiel sollte man Herstellung und Handel angeben, auch wenn man das nicht macht, aber sollte der Fall kommen, in dem man das machen möchte oder machen muss, ist man abgesichert.

Wie sind deine Erfahrungen mit Kreativmärkten?

Ich habe da super Erfahrungen gemacht, ich kann es jedem nur empfehlen. Der direkte Kundenkontakt, die Kommunikation, das Sammeln und Bekommen von Feedback und Kontakt mit den Leuten zu haben, die interessiert sind oder etwas kaufen, ist für mich das Schönste.

Lohnt es sich finanziell auf einen Kreativmarkt zu gehen?

Das ist immer schwierig. Ich würde sagen, wählt man einen Markt zur richtigen Jahreszeit, also gegen Weihnachten z.B., dann ja. Wenn du zu Märkten gehst, an denen keine bestimmten Festivitäten stattfinden, lohnt es sich rein kalkulatorisch eher weniger. Ich denke Ostern ist mehr in den Mittelpunkt gerückt und die Leute geben an Ostern mehr aus, deswegen sind Märkte um Ostern und Weihnachten die Bringer.

Welche anderen Marketinginstrument nutzt du neben Kreativmärkten?

Die ganze Social Media Palette ist natürlich Pflicht und auf den Online-Marktplätzen werden diverse Werbemöglichkeiten geboten. Ansonsten gehe ich mit den Produkten raus, trage sie und komme mit Leuten ins Gespräch. Ich denke, es wird unterschätzt, was Mundpropaganda ausmacht, meiner Erfahrung nach ist es die beste und günstigste Art der Werbung. Gelieferte Qualität wird weitererzählt und das ist mir auch sehr wichtig. Es ist zwar schwer zu lenken, aber man muss eben raus gehen, zeigen und reden, dabei geht es nicht darum, jemanden etwas aufzureden oder aufzudrängen. Sobald man ins Gespräch kommt, hat der potenzielle Kunde keinen Zwang etwas zu kaufen, sondern es ist eine Diskussion oder Unterhaltung unter Freunden oder Bekannten und man lernt sich einfach kennen und wenn jemand kein Interesse hat, ist das auch in Ordnung, dann hat man sich eben unterhalten.
Sonja König Mäppchen

Es gibt ja total viele Social Media Plattformen. Was würdest du sagen, welche ist für deine Nähprodukte die beste?

Klar, Facebook ist ein Muss. Ich muss aber ehrlich gestehen: Ich bin noch nicht so weit, aber Pinterest ist auch ein Muss. Ich bin gerade dabei, da etwas aufzustellen und das würde ich jedem empfehlen. Flickr hat meiner Meinung nach ein wenig an Bedeutung verloren. Google Plus ist in dem Sinne wichtig, in der Google-Suche gefunden zu werden. Ich bezweifle, dass viele Leute dort suchen, aber um gefunden zu werden ist Google Plus sehr wichtig. Instagram ist meiner Meinung nach eher für den privaten Sektor geeignet.

Wie lange benötigst du, um ein genähtes Produkt zu bewerben und vorzustellen?

Ich kann da leider keine Zahlen nennen. Es ist schwierig zu beurteilen, man kriegt gar nicht mit was man alles macht. Man macht den ganzen Tag etwas und ist immer in irgendeiner Weise dran, aber keiner sitzt mit der Stoppuhr daneben und achtet darauf. Ich sitze auch manchmal bis abends 22:00 Uhr und beantworte Mails oder stelle Posts online, das ist fließend und im Alltag immer gegenwärtig. Ich kann da keine Stunden nennen, es ist immer präsent, aber ich nehme es auch nicht immer als Arbeitszeit wahr, weil es Spaß macht. Das macht es auch einfach als einen Job, in dem ich 40 Stunden bin und dann froh bin, meinen Stift hinzulegen und die Arbeit zu beenden.

Du hast ja bisher online verkauft und über Kreativmärkte, über Fachvermietungen allerdings weniger. Was hat dich bisher davon abgehalten?

Man unterschätzt, wie lange es dauert, ein Label aufzubauen und wie lange es dauert, mit sich, seiner Kreativität und seinem Kopf an dem Punkt zu sein, an dem man sagt: Das ist es, das ist mein Produkt, damit fühle ich mich wohl und damit gehe ich raus. Da sind manche schneller, manche weniger schnell, bei mir hat es eben ein bisschen länger gedauert bis ich so weit war. Daher würde ich sagen, standen Fachvermietungen bisher noch nicht im Fokus, was jetzt aber immer mehr kommt, da ich den stationären Einzelhandel schätze und der Kunde dadurch die Möglichkeit hat anzufassen, sich umzuhängen, rein zu schauen, durchzustöbern und auch wirklich das Produkt anzuschauen. Im Internet ist das schwieriger, man sieht die Ware zwar, aber kann sie nicht anfassen, darum ist denke ich der stationärer Einzelhandel immer wichtiger.

Wie findest du deine Lieferanten?

Einen großen Teil über das Internet, ich kaufe bei Lieferanten ein, die eigentlich nichts mit Kreativen zu tun haben. Es ist allerdings schwierig mit diesen zu kommunizieren und ihnen zu vermitteln, was man will, da sie aus einem komplett anderen Bereich kommen. Trotzdem finde ich in diesen Nischen die Produkte, die ich brauche.

Es nähen ja viele Kreative, was das Angebot und den Markt nahezu übersättigt. Was denkst du, wie kann man sich als Labelstarter in diesem Bereich abheben? Worauf sollte man achten, wenn man selbstgemachte Nähprodukte verkaufen will?

Meiner Erfahrung nach sollte man nicht versuchen, dem Trend nachzulaufen. Versuche das zu machen, womit du dich wohlfühlst und zeige es den Leuten. Versuche nicht verzweifelt zu verkaufen, sondern eher etwas zu machen, was du liebst und das rüber zu bringen, das ist meiner Meinung nach viel mehr wert als einem Trend nachzueifern.

Erstellst du deine Schnittmuster selbst oder suchst du sie im Internet? Wie gehst du da vor, um deine individuellen Taschen zu nähen?

Das ist komplett alles Selbst von mir. Das hat zum einen den Grund, dass das Ich bin, meine Entwürfe und die Umwelt um mich, die mich beeinflusst. Zum anderen finde ich es unfair den Leuten Schnittmuster zu klauen oder nachzumachen, die sich Gedanken darüber gemacht haben, es online stellen oder es aus einem Schnittmusterbuch haben. Diese Schnittmuster einfach nachzumachen, zu verkaufen und als etwas Eigenes darzustellen, ist nicht nur verboten, sondern auch sehr unfair, da die Kreativen auch Zeit, Kreativität und vielleicht Geld investieren.

Wenn du den Preis für deine Taschen berechnest oder kalkulierst, wie machst du das?

Das ist total komplex, ich denke nicht, dass es ein Richtig und ein Falsch gibt, es ist aber wichtig anständig zu kalkulieren. Also wirklich die Kosten, die man hat zu notieren, zusammenzuzählen und wirklich die Materialien und die Arbeitszeit mit einrechnen. Dabei sollte man ehrlich zu sich selbst sein, ich kenne das, dass man sich sagt „ach, die halbe Stunde ist ja egal“, aber damit betrügt man sich nur selbst. Die Kosten sollte man betrachten, da es auch sehr viele Kosten sind, die auf einen zu kommen, die der Kunde nicht sieht. Ich muss z.B. 19% im Laden schon abgeben und muss Miete für Fachvermietungen zahlen. Es wird mehr und mehr, auch wenn der Kunde sie nicht sieht, sind sie da.

Kannst du vom Verkauf deiner Taschen schon leben?

Nein, da muss ich ehrlich sagen, dass ist momentan noch nicht möglich. Es wäre aber mein großer Traum. Dafür bedarf es denk ich mehr Bekanntheit und die Möglichkeit, mehr verkaufen zu können und die Verkäufe zu steigern.

Was ist dein Tipp für Kreative?

Sei du selbst, was machst du liebst und was dir in den Kopf komm. ABER: kalkuliere anständig, achte auf deine Kalkulation, betrachte alle Kosten, betrüge dich nicht selbst und probiere es einfach aus.

Sonja König Fairy Stories
Sonja König