Mittwoch, April 29, 2015

Das Hobby nicht zum Beruf werden lassen: kann das glücklich machen?

Freulein Yvonne Ziegler
Yvonne Ziegler alias Freulein hat mal ein ganz anderes Produkt im Verkauf: Flachfrauen. Im Interview erzählt sie uns, wie sie ihr Hobby nicht zum Beruf werden lässt und warum es genau das ist, was sie glücklich macht.

Stell dich doch kurz vor, wer bist du und was machst du?

Ich bin Yvonne - Freulein Yvonne - 27 und bin seit 3 Jahren Bloggerin, daraus hat sich 365 entwickelt, dabei habe ich ein Jahr lang jeden Tag etwas Kreatives gemacht. Daraus ist jetzt 1-mal pro Woche geworden durch meinen Shop. Ich habe dann versucht meine Sachen szenetypisch auf Konzerten und Festivals zu verkaufen und das funktioniert toll. Meinen Online-Shop habe ich seit 2 Jahren.

Du machst „Flachfrauen“. Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Wir gehen ja selbst viel auf Festivals, und obwohl ich kein großer Schnapstrinker bin, finde ich es einfach nett, wenn ich meine eigenen Sachen dabei habe. Ich hatte einen kleinen Flachmann aus Edelstahl dabei, der so nicht zu mir gepasst hat. Dann hatte ich noch Stoff zu Hause und kam auf die Idee, etwas drum zu nähen und ihn so schön zu gestalten, wie ich es möchte. Unterwegs kamen dann Leute auf mich zu, weil sie es schön fanden, und haben nach meiner Email-Adresse gefragt und individuelle Wünsche geäußert und so hat sich das entwickelt und momentan habe ich 40 verschiedene Flachfrauen im Online-Shop.

Wie hast du angefangen deine Produkte zu vermarkten? Du hast ja dein Blog, indem du sehr viel zu erzählen hast. Dann der Shoplaunch. Wie bist du weiter vorgegangen, um Kunden zu gewinnen?

Ich hatte Flyer und Visitenkarten und habe sie selbst in den Läden, in denen ich unterwegs bin, ausgelegt. Auch die Vernetzung über die Blogs ist relativ einfach, da die Leute wissen wollen, wer was schreibt. Außerdem war ich viel unterwegs, gerade auf Kreativmärkten. Das habe ich aber nicht von Anfang an gemacht, sondern zu Beginn war ich auf Konzerten und Festivals, da ich die Atmosphäre mit der Musik und die Entspanntheit der Leute, die feiern wollen, mag. Ich erlebe den Unterschied auf Kreativmärkten, dass die Leute gezielt einkaufen gehen, besonders für Geschenke und nicht für sich selbst, das finde ich total schade. Aber so mache ich das auch, wenn ich mich umsehe, ich überlege, wem ich was mitbringen könnte.

Als du deinen Online-Shop eröffnet hast, hast du da ein Gewerbe angemeldet?

Ja, ein Kleingewerbe, da ich das nebenberuflich mache. Hauptberuflich bin ich Sozialpädagogin und leite seit 3 Jahren ein Jugendhaus.

Welche Herausforderung hattest du bei der Anmeldung bzw. Eröffnung deines Gewerbes? 

Ich bin nicht der Typ, der gerne Paragrafen liest, da mir die Lust dazu fehlt, mich in Dinge einzulesen. Mir wäre es lieber, wenn mir jemand erzählt, worum es geht. Das war die größte Herausforderung, den inneren Schweinehund zu überwinden, um sich damit und z.B. mit der Steuererklärung oder der Kostenkalkulation zu beschäftigen. Eben der bürokratische Rattenschwanz, der mit dran hängt, das ist das Nervigste. So geht es denk ich Vielen, da wir alle etwas anderes wollen: das Unkomplizierte.

Wann hast du angefangen in Fachvermietungen zu verkaufen?

Ich verkaufe momentan in keinen Fachvermietungen mehr. Im Walfisch war ich ein halbes Jahr und in Herzogenaurach, aber leider hat sich für mich herausgestellt, dass das nicht meine Zielgruppe war. Ich war ganz am Anfang mit einem komplett anderen Sortiment, das zu aufwendig und zu kostenintensiv war, in der Fachmarie.

Freulein Flachfrau

Wie sind deine Erfahrungen mit Fachvermietungen? Würdest du Kreativen empfehlen, ihre Produkte dort auszustellen?

Ich würde auf jeden Fall raten, sich darauf einzulassen und es mal auszuprobieren. Es ist zwar ein Risiko, das man eingeht, aber es rentiert sich am Anfang im Gegensatz zu einem eigenen Laden. Man muss eben aufpassen, wie hoch man mit dem Preis geht. Ich kann nachvollziehen, wenn Fachvermietungen z.B. 40% Provision verlangen, aber ich bin nicht bereit, das auf meine Produkte aufzuschlagen. Bei mir ist es auch unrealistisch, da ich in Fachvermietungen und im Online-Shop keine unterschiedlichen Preise möchte.

Worauf sollten Kreative deiner Meinung nach bei der Preiskalkulation achten?

Wenn wir ehrlich sind, verlangen wir alle keinen Stundenlohn, sonst sieht die Preiskalkulation anders aus. Ich gestalte meine Preise, indem ich überlege, was ich dafür ausgeben würde. Dann frage ich Freunde, was sie dafür ausgeben würden und meistens finden wir dann irgendetwas dazwischen. Die Leute würden meistens mehr zahlen als man selbst, da man weiß wie viel Arbeitszeit man braucht, wie viel das Material kostet und wie hoch der Aufwand ist. Ich glaube dennoch, dass der Preis oft darunter liegt, was andere Leute bzw. Kunden dafür zahlen würden, deswegen lohnt es, jemanden zu fragen.

Welches Konzept favorisierst du bei Fachvermietungen und warum?

Ich favorisiere eine Provision, weil ich nachvollziehen kann, dass die Menschen, die sich mit dem Produkt auseinandersetzen und etwas auf Provision verkaufen einen ganz anderen Bezug zu dem Produkt haben und sich damit intensiviert auseinandersetzen. Du musst ja etwas verkaufen, und da du eine Gewinnbeteiligung hast, ist der Anreiz groß. Die Person, die das Fach vermietet, ist ja Dienstleister sowohl für den Kreativen als auch für den Kunden. Das ist sicher ein harter Job und durch den Druck, den man hat, keine schöne Position.

Beziehst du deine Stoffe aus Deutschland? Ich habe gelesen die sind beim Zoll.

Ja, ich vermisse ein großes Stoffpaket, das steckt gerade irgendwo dazwischen. Ich beziehe meine Stoffe aus Japan, jedes Mal ein Ultra-Terror und total anstrengend. Es sind eben keine Stoffe, die es auf dem Stoffmarkt nebenan gibt, sondern sie sind sehr ausgefallen, außerdem muss man keine riesigen Mengen abnehmen.

Hast du einen Rhythmus, indem du produzierst oder machst du das einmal im Monat?

Genau, ich mache das meistens an 4 aufeinanderfolgenden Tagen oder an einem Wochenende. Ich setze mir kein Ziel, wie viele ich dann machen möchte. Ich mache es ja aus Spaß, und wenn ich keine Lust mehr habe, stelle ich die Nähmaschine weg. Ich möchte mir keinen Druck dahinter machen, ansonsten verliere ich den Bezug dazu, worum es mir eigentlich geht. Ich finde es dann auch in Ordnung auf einen Markt zu gehen, auf dem ich nicht so viel verkaufe, der dafür aber wunderschön war, also ich möchte nicht davon abhängig sein. Natürlich hätte ich gerne einen eigenen Laden, aber es ist für mich unrealistisch, weil es für mich mehr Hobby als Arbeit ist.


Yvonne Ziegler

Alle Bilder © freulein