Donnerstag, März 19, 2015

Eine Fachvermietung packt aus: Die 3 größten Fehler von Kreativen

99cubes Hamburg
Seit vier Jahren führen Yvonne und Jens nun erfolgreich ihre Fachvermietung 99cubes in Hamburg. Heute teilen sie ihre Erfahrungen der letzten Jahren mit uns!

Liebe Yvonne, lieber Jens, stellt euch bitte kurz vor!

Hallo liebes Kreativbühne Team. Zunächst einmal herzlichen Dank für die Einladung zu diesem Interview und ein fröhliches „Moin Moin“ aus Hamburg! Wir sind 99cubes, Yvonne & Jens und betreiben seit 4 Jahren unseren Store in Hamburg in denen Designer, junge Kreative und Hersteller von Handgemachtem ihre Produkte ausstellen und verkaufen können.

Ihr seid Produkthersteller und Besitzer einer Fachvermietung zugleich. Welche Synergieeffekte haben sich daraus für euch ergeben?

Yvonne ist die Kreative und fertigt gerne eigene Taschen, Shirts und Accessoires an, wenn sie denn dazu kommt. Wir haben vor zwei Jahren Nachwuchs bekommen. Gleichzeitig gab es ein enormes Interesse an Verkaufsflächen bei uns. Daher ist der Schwerpunkt die Fachvermietung und die Unterstützung von jungen Designern, die ihre Produkte nicht nur online, sondern auch in einem Ladengeschäft stationär anbieten wollen.

Ihr betreibt seit 2010 erfolgreich die Fachvermietung 99cubes in Hamburg. Worauf achten eurer Meinung nach Kunden bei dem Kauf eines kreativen Produktes?

Unsere Kunden achten auf Design, gute Qualität und das gewisse Etwas. Das kann ein besonderer Wortwitz sein, ein kreatives neuartiges Design oder eine verrückte Farbkombination, gern auch Fair Trade (das gilt besonders für Shirts). Außerdem wissen unsere Kunden, dass sie keine Massenware kaufen. Sie kaufen ein Unikat oder ein Teil aus einer Kleinserie. Eben etwas Besonderes. Das wissen alle sehr zu schätzen und erwarten dies auch von 99cubes.

99cubes steht für individuelles Design junger Künstler. Worauf legt ihr besonderen Wert bei eurer Produktauswahl?

Wir achten darauf, dass das Produkt zu einem großen Teil Handmade ist. Dabei ist uns eine gute Verarbeitung sehr wichtig, ebenso die Qualität der verwendeten Materialien.

99cubes

Die Präsentation der Ware ist einer der wichtigsten Faktoren für die Kaufentscheidung des Kunden. Welche 3 Tipps sollten unsere Kreativen unbedingt beachten, wenn sie ihr Fach in einer Fachvermietung einrichten?

1. Das Produkt sollte im Mittelpunkt stehen ohne dabei zu sehr mit Deko, Visitenkarten oder Flyern abzulenken und in einer angenehmen Höhe für den Kunden gut sichtbar sein.

2. Unbedingt sollten die Designer fragen, ob die Fachvermietung ein Lager hat und nachlegen kann, wenn etwas verkauft worden ist. Wir haben von Anfang an ein Lager eingerichtet, sodass Designer nicht ewig Artikel nachsenden müssen.

3. Die Hersteller sollten darauf achten, dass die Fachvermietung nicht einfach nur die Artikel in das Fach legt, sondern z.B. auch frei im Raum präsentiert oder auch im Schaufenster, um neue Kunden zu gewinnen.

Was sind eurer Meinung nach die 3 größten Fehler, die Kreative machen?

Wir haben mit vielen Designern sehr gute Kontakte und hören immer wieder Folgendes:

1. Es wird zu lange an einem Produkt rumgewerkelt. Das ist toll, aber nicht rentabel. Daher muss man sich auch mal von einer Idee trennen können und mit den Top Sellern weitermachen bzw. diese Produkte ausbauen und weiterentwickeln.

2. Es wird leider viel zu viel kopiert. Wir bekommen wöchentlich etwa 10-20 Bewerbungen von Designern für eine Präsentationsfläche und wenn wir dann 10-mal das fast identische Produkt vorgestellt bekommen, ist das schade. Umsomehr freuen wir uns über Bewerbungen, die wirklich innovativ und neu sind.

3. Das Pricing. Es gibt einige Kreative, die einfach viel zu niedrige oder viel zu hohe Preise für ihre Produkte ansetzen. Hier fehlt natürlich oft das betriebswirtschaftliche Wissen. Daher passen wir als Ladenteam auch gut zusammen. Eine Kreative (Yvonne) und ein Kaufmann (Jens).

Als alte Hasen im Business, wie schätzt ihr den Trend für den Verkauf von Handmade ein?

Der Trend geht weiter nach oben. Bei vielen Kunden findet ein positives Umdenken statt. Große Marken fallen immer häufiger durch negative Schlagzeilen auf, was Qualität und Arbeitsbedingungen angeht. Es lässt sich auch das schnelle Wachstum auf Seiten wie Etsy und DaWanda oder von Kreativmärkten beobachten. Und wenn wir hier auf Kreativbühne reinschauen, freuen wir uns sehr, dass es mittlerweile so viele Fachvermietungen gibt. All das sind positive Signale für die Zukunft.

99cubes Hamburg Ladenansicht

Seit Ende letztens Jahres habt ihr nun zu eurem stationären Handel auch einen fantastischen Onlineshop. Warum habt ihr euch dafür entschieden?

Danke für das Kompliment. Unser Onlineshop ist eine Ergänzung zum stationären Geschäft. In der heutigen Zeit muss man einfach einen guten Onlineshop haben, um zusätzlich auf sich aufmerksam zu machen. Es lockt auch neue Kunden in unseren Laden. Schwerpunkt wird aber sein, weitere Läden zu eröffnen.

Wie funktioniert das Konzept des Onlineshops? Werden alle kreativen Produkte aus eurem Geschäft automatisch auch online vorgestellt?

Nein, automatisch nicht. Da wir online ausschließlich auf Kommissionsbasis arbeiten, kann man als Designer bei uns zusätzlich auch online verkaufen, muss dies aber nicht. Wir stellen aber neue Designer und deren Produkte auch gerne immer auf unserer Facebook Seite vor, die auch schon über 2000 Fans hat, was uns sehr freut.

Viele Kreative haben Angst vor Ideenklau. Wie können Kreative eurer Meinung nach auf diesen Umstand reagieren?

Das Thema ist nicht ganz einfach. Es gibt 2 Arten für Designer, sich zu schützen. Urheberschutz und Geschmacksmuster. Bei weiterführenden Fragen dazu würden wir empfehlen, sich an einen Rechtsanwalt oder Notar zu wenden.

Unsere 10 Tipps an Hersteller:

  1. Nehmt das Feedback der Fachvermieter an. Oft scheitern Hersteller, die unfähig oder nicht gewillt sind, ihre Produkte weiterzuentwickeln.
  2. Auch solltet Ihr auf die lokalen Gegebenheiten des Fachmietladens eingehen.
  3. Erfindet Euch immer wieder neu, ohne Euch untreu zu werden.
  4. Bleibt hungrig, auch wenn Ihr schon ein erfolgreiches Produkt habt.
  5. Sollte es anfangs nicht gut laufen, wählt nicht sofort den einfachsten Weg und zieht zum nächsten Fachmietladen
  6. Analysiert erst, woran es liegen könnte, am besten zusammen mit den Ladeninhabern, denn dies führt langfristig zum Erfolg.
  7. Leider gibt es auch einige Fachvermieter, denen Qualität nicht wichtig ist, weil sie einzig mit der Fachmiete kalkulieren und der nächste Mieter ist schnell gefunden.
  8. Uns geht es aber darum, innovative Hersteller zu fördern, daher geben wir immer ein ehrliches, möglichst frühzeitiges Feedback.
  9. Gute Fachmieter sind auch an Eurem Erfolg interessiert. Wir freuen uns immer riesig darüber.
  10. Eine Plattform wie Kreativbühne kann sehr gut dabei helfen, den für sich passenden Fachmietladen zu finden.
Wir bedanken uns für das Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg mit Kreativbühne.



www.facebook/99cubes
Alle Bilder ©99cubes 

Donnerstag, März 12, 2015

Wie baue ich eine Schmuckmarke auf? ALMA im Interview

ALMA Alexandra Brückmann
Wenn Schmuck und Mode eine Einheit bilden, dann weil ALMA's Stil genau aufeinander abgestimmt ist. Im Interview erzählt sie, wie sie dazu kam Schmuck- und Shirt-Kleinserien zu designen und auf welche Herausforderungen sie dabei gestoßen ist.

Hey Alexandra, seit 3 Jahren gibt es dein Label ALMA. Erzähl doch bitte kurz, wer dahinter steckt und worum sich deine Arbeit dreht?

Hi, mein Name ist Alex, ich bin 37 Jahre jung. ALMA beinhaltet viele Kleinserien. Außerdem gibt es eine Shirt Kollektion "UNIVERS". Diese spezialisiert sich auf schwarze Materialien, die dann von Hand mit verschiedenen Designs bearbeitet werden. Hauptsächlich findet man dort Dreiecke. Ich biete limitierte extravagante Shirts und Sweater für Frauen und Männer an. Den Stil könnte man als Skaterwear oder Streetwear bezeichnen.

Ich liebe es feinen Schmuck, Ketten/Ohrringe/Armbänder herzustellen, ihnen meinen eigenen Stil zu geben, so dass ich jedes einzelne Teil am liebsten selbst tragen würde. Die größte Auswahl habe ich in echt Messing Anhängern mit wunderbar facettierten glitzernden Ketten, aber auch Holz und Leder sind in meinem Repertoire. ALMA beinhaltet viele Kleinserien. Außerdem gibt es seit Kurzem eine ALMA Shirt Kollektion, aus der bisher das limitierte Herren und Frauen Shirt "COUCH" veröffentlicht wurde. Meine "Frankfurt bleached Bag" und eine gerade entstehende passende bleached Shirt Reihe sind mitunter mein Steckenpferd, das ich derzeit ausarbeite.

Wofür steht ALMA?

ALMA ist aus meinem Vor- und Zunamen entstanden und witzigerweise heißt meine Omi auch Ama. Hinzu kommt noch, dass in meiner Lieblingssprache Spanisch die deutsche Übersetzung "Seele" für ALMA steht.

Wie hebst du dich mit deinen Produkten von Mitstreitern ab?

Ich versuche durch besondere Formen wie zum Beispiel Dreiecke, Sterne oder Anker und ausgesuchte Materialien meinen eigenen Stil auszuarbeiten. Die Kombination Schmuck und Fashion zeichnet mich aus, um auch den Herren vereinzelt Schmuck und vorrangig eine Shirt-Reihe zu bieten. Außerdem gibt mein besonderer Marktstand schon eine Abhebung.

ALMA Alexandra Brückmann

Auf welche Herausforderungen bist du gestoßen, als du noch ganz am Anfang standest und dein Kleinunternehmen ALMA aufgebaut hast?

Herausforderungen habe ich jeden Tag, denn ich möchte ja im Trend bleiben. Das ist sehr schwer und es bedarf viel Zeit und Engagement, immer ´up to date´ zu bleiben. Die Idee für meine T-Shirts zum Beispiel hat lange in mir gebrodelt, bis ich sie endlich umsetzen konnte. Da kommen so viele Faktoren, die man bedenken muss zusammen und es bedarf sehr viel Zeit und Überlegung - eine große Herausforderung, die mir aber meiner Meinung nach gelungen ist. Die für mich passenden Märkte zu finden, sich anzumelden, einen tollen Stand auszutüfteln (der übrigens jedes mal anders aussieht), die ersten Kunden gut zu bedienen, Kontakte zu knüpfen, das alles sind große Herausforderungen, die sich für mich allemal gelohnt haben.

Nachdem du dein Gewerbe angemeldet hast, wie bist du vorgegangen, um Kunden für deine Produkte zu gewinnen?

Als Allererstes habe ich, nachdem ich mich entschieden habe "Offiziell" zu werden, ein Gewerbe angemeldet. Danach kamen ein Shop in öffentlichen Netzwerken, eine Fanseite auf Facebook und Anmeldungen und Auftritte auf Handmade Märkten hinzu. Dann erst entschiedd ich mich auch zu einem eigenen Onlineauftritt.

Ich finde es wichtig, seinen eigenen Weg zu verfolgen, daran zu feilen, ihn zu perfektionieren. Noch heute, nach 2 Jahren ALMA gibt es kein spezielles Erfolgs- oder Geheimrezept - Ich gehe nach meinem Herzen und meinem Gefühl.
Genügend Material, Bildmaterial und Werbung sind unabkömmlich, um Erfolg zu haben.

Während viele Kreative über Dawanda verkaufen, führst du sogar einen eigenen Onlineshop. Welche Vorteile bzw. Nachteile siehst du gegenüber dem stationären Handel?

Nachteile eines eigenen Online Shops sind, dass man dafür erstmal genügend Kunden und viel Werbung braucht, um aufmerksam zu machen.Vorteile sind, dass man sich speziell viel besser präsentieren kann, mehr Möglichkeiten hat seine Ware zu zeigen. Ein Shop auf DaWanda ist zuerst vielleicht eine gute Möglichkeit, denn auch da wird man mit bestimmten Artikeln Erfolg haben. Meine Erfahrung war eher schlecht, deshalb entschied ich mich dagegen. ALMA gibt es allerdings auch in ausgesuchten Läden, um den Verkauf in regionalen Läden anzukurbeln.

ALMA Shirt

Warum nutzen deiner Meinung nach so viele Kreative die Möglichkeit auf Märkten zu verkaufen?

Das Phänomen Handmade Markt ist genial. Zuerst nur vereinzelt, mittlerweile in jeder Stadt vertreten, bieten die Märkte eine tolle Möglichkeit in kürzester Zeit einem großen Publikum seine KUNST vorzustellen. Es ist aber auch nicht jeder Markt für jedes Produkt geeignet.
Nach dem Motto "Probieren geht über Studieren" muss das jeder selbst in Erfahrung bringen.

Du verkaufst deine Produkte u.a. erfolgreich in der Etagerie Offenbach am Main. Worauf achtest du, wenn du eine Fachvermietung für deine Produkte auswählst?

Regalvermietungen habe ich bisher nur wenig in Anspruch genommen, wie derzeit in der Etagerie in Offenbach am Main. Wichtig finde ich vor allem den Standort des Ladens, die Mischung der Ware und die Konditionen. Das alles sollte einen guten Rahmen haben, damit es sich für beide Parteien rentiert.

Lohnt es sich deiner Meinung nach in Fachvermietungen zu verkaufen?

Es lohnt sich alleine deshalb schon weil man einem festen regionalen Publikum, das meistens an handgemachten Waren interessiert ist, seine eigenen vorstellen kann.

Worauf achtest du, wenn du ein Fach in einer Fachvermietung dekorierst?


Dekorationen übernimmt normalerweise der Inhaber, da kann ich gar nicht viel dazu sagen. Ich lebe mich immer wieder auf den Märkten mit der Präsentation meiner Schmuckstücke aus.

Gibt es ein Konzept, das du für den Verkauf deiner Produkte in Fachvermietungen favorisierst und warum?

Das muss man individuell sehen, für mich wäre die Regelung nur eine Monatsmiete zu zahlen am perfektesten, aber ich kann auch die Inhaber verstehen, wenn sie beides nehmen, da ich nachvollziehen kann, wie schwer man in diesem Business sein Geld verdient. Der Kreative sollte allerdings auch nicht auf der Strecke bleiben nur um sich zeigen zu können. Ich denke aber, dass man in jedem Laden eine gute Möglichkeit für beide finden kann, ansonsten muss man die perfekte Kondition für sich suchen.

Was denkst du, welche Faktoren über den Verkauf von Selbstgemachtem im Einzelhandel entscheiden?

Meine wichtigen Faktoren sind, dass es etwas Handgemachtes ist, sich jemand Gedanken gemacht hat, es keine Massenware ist und ein persönliches Gesicht hinter den Produkten steht. Ich finde auch, dass es sich viel besser anfühlt, wenn man etwas Regionales kauft, das nicht Hunz und Kunz hat.
Keep Calm and buy Handmade

Ich empfehle Kreativen… das zu tun, wonach Ihnen strebt. Leicht ist es nie, aber die Kreativität siegt. Meine Leidenschaft was zu tun, zu kreieren, treibt mich jeden Tag wieder an, auch wenn ich einen Durchhänger habe.

Alexandra Brückmann ALMA

 Alle Bilder ©Alexandra Brückmann