Mittwoch, Februar 25, 2015

Klopf auf Holz: Wie Mary-Ann ihre Fotokunst erfolgreich verkauft

Fotokunst Fotomädchen

Liebe Mary-Ann, seit zwei Jahren fertigst du unter dem Label Fotomädchen Fotokunst auf Holz an. Magst du die Person, die dahinter steckt, kurz vorstellen? 

Na klar! Ich bin Mary, 32 Jahre alt und lebe zusammen mit meinem Freund und unserer kleinen Tochter in Berlin Friedrichshain.

Auf deiner Homepage präsentierst du auch Fotos rund um Mode und Menschen. Sind Auftragsarbeiten in der Fotografie dein zweites Standbein?

Mittlerweile nicht mehr. Obwohl so alles angefangen hat. Bevor ich Mama geworden bin, habe ich als freie Fotografin für Berliner Stadtmagazine gearbeitet und habe auch Auftragsarbeiten gemacht. Als ich dann in der Babypause war, ging das nicht mehr. Mir war aber langweilig und ich wollte weiter fotografieren. So entstand dann „fotomädchen“. Ich fotografiere immer noch gerne Menschen liebe es zu porträtieren, weswegen ich hin und wieder auch Menschen, Mode & Co. fotografiere. Das ist aber selten geworden, weil sich die Termine schwer mit dem „Mama sein“ verbinden lassen und ich mit „fotomädchen“ auch ganz schön ausgelastet bin.

Heutzutage träumen viele Kreative davon, ihre selbstgemachten Unikate verkaufen zu können. Wie hebst du dich mit deinen Produkten von Mitstreitern ab?

Ich bin flexibel, was meine Arbeiten angeht, was nicht heißt, dass ich meine „Handschrift“ verliere oder beliebig werde. Aber ich biete auch in diesem Bereich Auftragsarbeiten an. Außerdem bin ich greifbar für meine Kunden und nicht einfach nur ein Fach mit Bildern drin. Wenn ich in einem der Mietfachläden unterwegs bin und das Glück habe auf Kunden zu treffen, freue ich mich darauf mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Auch im Online-Geschäft habe ich immer ein offenes Ohr für meine Kunden und gehe auf individuelle Wünsche ein.

Wie würdest du deinen Schaffensprozess zum fertigen Unikat beschreiben?

Der sieht immer unterschiedlich aus... Manchmal habe ich eine konkrete Idee von einem Motiv, was ich dann gezielt fotografiere und manchmal nicht. Da schaue ich meine Bilder durch, fange an zu werkeln und zu bearbeiten, und wenn ich dann Herzklopfen bekomme und selbst begeistert bin, kommt das Bild ins Fach oder in den Online-Shop. Und wieder andere Bilder entstehen einfach durch Zufall.

Fotomädchen Ann-Mary Weber

Auf welche Herausforderungen bist du gestoßen, als du noch ganz am Anfang standest und dein Kleinunternehmen Fotomädchen aufgebaut hast?

Die größte Herausforderung war es mit den Skeptikern und denen, die mein Vorhaben belächelt haben, umzugehen. Aber das habe ich recht schnell gelernt. Ansonsten habe ich mir selbst nie Druck gemacht, einfach gemacht und gewartet, was passiert.

Welche Erfahrungen hast du mit dem Onlineverkauf deiner Produkte und dem Verkauf in Fachvermietungen sammeln können?

Ich habe auf jeden Fall gelernt, dass der Online-Verkauf und der Direktverkauf in Läden zwei unterschiedliche paar Schuhe sind. Beim Online-Vertrieb wird zum Beispiel sehr viel Wert auf Verpackung, Versand und Kundenkommunikation gelegt. Da musste ich erst mal reinwachsen. Ich wickele dort ja alles ab, von der ersten Kundenanfrage bis hin zum tatsächlichen Verkauf, dem versenden usw. In den Fachläden wird mir ja alles abgenommen. Ich bringe meine Bilder hin, gestalte mein Fach und fertig. Der Rest erledigt sich von alleine... Aber ist mein Fach mal leer und ich schaffe es nicht schnell genug es wieder zu befüllen gehen mir auch Käufe verloren – das kann mir wiederum online nicht passieren.

Du hast deine Produkte bereits bei der Fachvermietung… In bester Gesellschaft, der Trödelei, mein Heimatladen und der Fachfrau in Berlin verkauft. Worauf achtest du, wenn du eine Fachvermietung für deine Produkte auswählst?

Ganz am Anfang habe ich auf gar nichts geachtet. Vor zwei Jahren entdeckte ich die „Fachfrau“ hier in Berlin und war ganz begeistert von dem Konzept. Das kannte ich bis dahin nicht. Ich wollte unbedingt ein Fach haben, etwas verkaufen und so kam mir dir Idee, meine Bilder auf Holz zu ziehen. Als es dann bei der Fachfrau tatsächlich erfolgreich anlief, habe ich mich umgeschaut, ob es nicht noch mehr solcher Geschäfte in Berlin gibt, und wurde fündig. Wichtig war mir die Erreichbarkeit. Ich wollte nicht ewige Wege fahren müssen, denn Berlin ist groß. Von anderen Geschäften wurde ich gefunden und gefragt, ob ich nicht bei ihnen verkaufen möchte... Mittlerweile schaue ich, was für Produkte der Laden in den Fächern hat. Ob ich da hineinpasse und meist versuche ich es dann einfach und bisher hat es immer geklappt mit dem Verkaufen.

Fotokunst Berlin

Lohnt es sich deiner Meinung nach in Fachvermietungen zu verkaufen?

Ich kann dabei ja nur von mir sprechen und aus meinen Erfahrungen heraus sagen: Ja, es lohnt sich!

Worauf achtest du, wenn du ein Fach in einer Fachvermietung dekorierst?

Ehrlich gesagt, dekoriere ich meine Fächer nicht. Ich finde meine Bilder sind an sich schon dekorativ genug, alles andere würde ja nur von dem Wesentlichen ablenken. Ich selbst bin von überladenen Fächern, die vor Dekoration nur so funkeln und glitzern, eher abgeschreckt. Ich lege oft noch Visitenkarten von mir mit in mein Fach, aber das ist ja nun keine Deko im eigentlichen Sinne. Und da die Fächer ja meist klein sind, nutze ich den Platz für meine Produkte und nicht für anderen Schnick Schnack. Aber letztlich muss das ja jeder für sich selber wissen.

Bei Fachvermietungen gibt es häufig unterschiedliche Konzepte. Einige nehmen nur eine Miete, andere nur eine Servicegebühr und Dritte wiederum beides. Gibt es ein Konzept, das du für den Verkauf deiner Produkte favorisierst und warum?

Ich kenne bisher nur eine Variante, die mit Service-Gebühr und Miete. Deswegen kann ich dazu gar nicht viel sagen. Aber ich finde es schon gerechtfertigt neben der Miete auch noch eine Service-Gebühr bzw. Provision zu nehmen, denn somit weiß ich, dass mein Fach regelmäßig gepflegt wird.

Fotokunst Holz

Kreativ sein ist so ziemlich das Gegenteil von rational kalkulieren. Könntest du aus deinem Erfahrungsschatz einen Tipp geben, worauf Kreative bei der Preisgestaltung ihrer selbstgemachten Produkte achten sollten?

Man sollte ganz klar darauf achten, dass man auch tatsächlich Gewinn macht und nicht nur Produktionskosten & Co. abdeckt. Und auch auf jeden Fall die Fachmiete und seine eigene Arbeitszeit beachten. Wenn man ganz am Anfang steht und noch keine genaue Idee davon hat wie viel die Leute für das Produkt ausgeben würden, würde ich es immer erst mal ein kleines bisschen teurer anbieten und wenn’s dann nicht läuft, den Preis senken. Es schadet nicht sich dahin gehend etwas auszuprobieren. Gerade im kreativen Bereich ist ja alles irgendwie immer ein Prozess. Also wieso nicht auch die Preisgestaltung.

Was denkst du, welche Faktoren über den Verkauf von Selbstgemachtem im Einzelhandel entscheiden?

Tja, wenn ich das wüsste... Entscheidend ist sicher ein gewisses Gespür für Trends und eine Portion Glück gehört natürlich auch mit dazu.

Was ist dein Lebenstraum?

Meinen Lebenstraum lebe ich gerade tatsächlich. Meine Bilder, die mir so sehr am Herzen liegen, zu verkaufen, positives Feedback zu erleben und davon auch noch leben zu können – was Schöneres gibt es (im beruflichen Sinne) für mich gar nicht.

Abschließend möchten wir dich bitten, die folgenden Satzanfänge zu ergänzen:

Meine Inspiration… ist das Leben!

Mein Geheimtipp für Kreative… einfach machen!

Fotomädchen Mary Ann Weber
www.foto-maedchen.de
 www.facebook.de/fotomädchen
 Alle Bilder © Ann-Mary Weber