Montag, Dezember 15, 2014

Man muss das Rad nicht neu erfinden! - Petita erzählt

Petita Nähen
Nähen: Das war schon immer die Leidenschaft von Susanne Scholz. In ihren Erfahrungen spiegeln sich Realität und Streben so sehr wieder, dass es ein Genuss ist von diesen zu lesen.

Liebe Susanne, erzähl uns doch kurz, worum sich deine Arbeit dreht und seit wann es dein Label Petita gibt? 

Petita wird in diesem Jahr schon 4 Jahre alt, wie schnell doch die Zeit vergeht. Zu Beginn habe ich nur ein Hobby gesucht und habe das Nähen wiederentdeckt, was ich schon in meiner Kindheit gemacht habe. Die ersten Figuren waren schon sehr abenteuerlich - aus meinem heutigen Blick. Nach und nach sind dann kleine Helferlein entstanden, welche Mut machen, Glück bringen, etc. Und da es immer mehr wurden, musste ich überlegen, was ich mit den Figuren machen kann. Zufällig bin ich auf Dawanda gestoßen und habe dort einen Shop eröffnet, ich hätte nie gedacht (aber gehofft), dass jemand MEINE Sachen kaufen würde. Der erste Verkauf war soooo toll! Ich habe mich wie ein SchneekönigIn gefreut!! Die nächsten folgten und Dawanda zeigte meine Sachen u.a im Newsletter etc. So konnte ich einige Helferlein in die Welt senden. Mit der Zeit habe ich immer wieder deren Äußeres verändert. Meine Nähfähigkeiten sind stetig gewachsen und so haben sich auch die Figuren angepasst. Seit 8 Monaten bin ich nun Mama und nähe nun Sachen für Kinder. Sternschnuppen, Kleidung, Decken, Utensilos für das Kinderbett, Familienkissen etc. Alles, was man gebrauchen kann. Die Figuren gibt es nicht mehr, ich bin ihnen entwachsen. Mir ist es wichtig, dass ich mich mit meinen Produkten identifizieren kann, damit ich hinter ihnen stehe.

Heutzutage träumen viele Kreative davon, ihre selbstgemachten Unikate verkaufen zu können. Wie hebst du dich mit deinen Produkten von Mitstreitern ab?

Ich achte immer darauf - wenn das vom eigenen Sortiment her geht, unterschiedliche Preisspannen und somit verschiedene Produkte zu haben. D.h. vom Schlüsselanhänger, über Kissen u Schlafsack- bis zur Kleidung ist vieles vertreten und spricht somit einen großen Personenkreis an. Gut ist auch, wenn die Kunden wissen, das man gewisse Produkte noch individualisieren kann - Farben - Grösse- Namen aufsticken lassen etc. 
Ich versuche nicht das Rad neu zu erfinden, aber Dinge zu verändern und gegebenenfalls zu verbessern :-). 
Petita Susanne Scholz

Verkaufst du deine Produkte auch online? Welche Vorteile bzw. Nachteile siehst du gegenüber dem stationären Handel?

Das Abheben wird zunehmend schwieriger, jedenfalls auf einer Plattform wie Dawanda sie anbietet. Dort tummeln sich viele Kreative auf einem kleinen Raum - da ist die Fachvermietung ein klarer Vorteil - da man dort noch etwas Unique ist. Zwar tummeln sich dort nicht so viele Leute, aber die Konkurrenz ist auch kleiner!

Auf welche Herausforderungen bist du gestoßen, als du noch ganz am Anfang standest und dein Kleinunternehmen Petita aufgebaut hast? 

Am Anfang empfand ich die ganzen Dinge, auf welche man achten muss, als sehr unübersichtlich und viel. Man kann nicht einfach nähen, die Sachen einstellen und diese verkaufen. Es muss alles beachtet werden - Verpackungsverordnung, CE-Kennzeichen, AGB, Impressum, kein Verstoß gegen Urheberrecht - was oft nicht so leicht ist, auch wenn man nichts kopiert...etc.
Da überlegt man schnell, ob sich das alles lohnt...man kann das nur machen, wenn das Herz dafür schlägt.

Du verkaufst deine Produkte u.a. in der Etagerie Offenbacham Main. Worauf achtest du, wenn du eine Fachvermietung für deine Produkte auswählst?

Ich muss sagen, mit der Etagerie verkaufe ich zum ersten Mal vor Ort bzw. via Fachvermietung - obwohl ich schon viele Anfragen hatte! Ich finde es toll, dass es für mich vor Ort ist. Somit kann ich einen Eindruck gewinnen und sehe, wo meine Sachen sind und wie sie angeboten werden - dazu kommt, dass ich dort gerne hingehe und immer wieder neue Leute treffe und auch mal hin und wieder auf einen Kunden stoße, dass ist toll.

Naja und das Konzept finde ich auch gut- da es nicht nur eine reine Fachvermietung ist! Folglich wird auch ein breiterer Personenkreis angesprochen, welche in den Laden kommen (Kurse, Events, Kaffee und Kuchen).

Worauf achtest du, wenn du eine Fachvermietung für deine Produkte auswählst? 

Das Preis- Leistungsverhältnis sollte und muss stimmen, da es sich sonst nicht lohnt! Ich finde, dass es eine gute Option ist, zu testen, was und wie seine Sachen bei den Leuten ankommen - ohne gleich viel zu investieren (Laden etc).

Wichtig finde ich auch ein ehrliches Feedback von den Besitzer zu bekommen - was sagen die Kunden zu meinen Sachen, was geht gut - was weniger, worauf sollte ich achten. Eine Vertrauensbasis sollte da gegeben sein.

Worauf achtest du, wenn du ein Fach in einer Fachvermietung dekorierst?

In der Etagerie dekoriere ich nicht, das wird gemacht! Was super ist, dass die Schaufenster und der Laden regelmäßig neu dekoriert werden. Somit sind die Produkte nicht nur im eigenen Fach/Stange- sondern auch mal im Laden/Schaufenster verteilt. Folglich können sie besser gesehen werden und alles ergibt ein harmonisches und professionelles Bild!

Bei Fachvermietungen gibt es häufig unterschiedliche Konzepte. Favorisierst du eines davon?

Einige nehmen nur eine Miete, andere nur eine Servicegebühr und Dritte wiederum beides. Ein festes Konzept favorisiere ich bis jetzt nicht! Für mich muss ich ein gutes Bauchgefühl haben, dass ist mir wichtig.

Susanne Scholz Nähen

Kreativ sein ist so ziemlich das Gegenteil von rational kalkulieren. Könntest du aus deinem Erfahrungsschatz einen Tipp geben,  worauf Kreative bei der Preisgestaltung ihrer selbstgemachten Produkte achten sollten?

Ja, die Preisgestaltung, das ist so ein Thema. Ich kenne das von mir: Man scheut sich oft "zu viel" zu nehmen, aber man darf nicht vergessen, dass es alles Handarbeit ist und alles geht von der eigenen Zeit ab! Ich weiß, der Zeitfaktor ist schwer zu berechnen und vorallem in den Zeiten der "super- Discounter-Angebote" kann man sich mit der Preisgestaltung echt schwer tun. Ich orientiere mich etwas an der Masse, schaue aber auch wie aufwendig das Produkt ist und man darf die zusätzlichen Arbeitsschritte (fotografieren, einstellen, Produkt beschreiben etc.) nicht vernachlässigen. Ich verlasse mich da auf mein Bauchgefühl, Erfahrung und frage mich, was würde ich zahlen? Ich sehe auch, dass manche Preise einfach illusorisch sind und die Sachen einfach nicht gekauft werden - aber zu günstig darf und sollte man auch nicht sein. Es ist eben noch immer Handarbeit! Kunden, welche sich auch entschließen, solche Artikel zu kaufen, wissen und schätzen dies auch in der Regel.

Was denkst du, welche Faktoren über den Verkauf von Selbstgemachtem im Einzelhandel entscheiden?

Im Moment geht der Trend schon zum Selbstgemachten, Fair produzierten und weg von der großen Massenproduktion. Ich denke, dass sind entscheidende Faktoren - außerdem ist es toll zu wissen, woher die Sachen kommen und man kann sie mit einem guten Gefühl einkaufen - und das spielt eine entscheidende Rolle beim Kaufverhalten.

Meine Inspiration...bekomme ich von überall her! Manchmal kommt sie wie ein Blitz, manchmal kommt sehr lange nichts...mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, spielt dabei eine wichtige Rolle.

Ich empfehle Kreativen... Be different - das ist der Schlüssel zu einzigartigen und wirklich tollen Dingen.

Susanne Scholz

© Alle Bilder von Susanne Scholz