Donnerstag, September 25, 2014

Was ist besser: online oder stationär verkaufen? Ein Erfahrungsbericht von Stephanie Schick


Papierschmuck Stephanie Schick
Stephanie Schick hat sich ausprobiert. Mit dem Verkauf ihres Papierschmucks hat sie sowohl im Onlinegeschäft als auch im stationären Handel Erfahrungen gesammelt. Im Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen und ihrem Mut, einen neuen Weg zu gehen.

Liebe Steffi, erzähl uns wer du bist und was du machst.

Mein Name ist Steffi und ich wohne in Ulm. In diesem schönen Städtchen, direkt an der Donau, entstehen die Ideen zu meinen Produkten. Jedes einzelne Produkt, das mit viel Liebe in meiner kleinen “Werkstatt” entsteht, ist einzigartig und macht mir unheimlich Freude.

Schon in der Schule wusste ich, es muss ein kreativer Beruf sein. Deshalb entschied ich mich für eine Ausbildung als Grafik-Designerin. Ich arbeite in einem Grafikbüro und habe tagtäglich mit Papier zu tun. Daraus ist auch die Grundidee, Dinge aus Papier zu entwerfen, entstanden. Im März 2011 habe ich mein Label „S.CHICK“ gegründet, für das ich nebenberuflich, mit viel Herzblut arbeite.

Wie viel Zeit investierst du im Durchschnitt für dein Gewerbe pro Woche?

Für S.CHICK arbeite ich durchschnittlich ca. 20 Stunden in der Woche. Mehr ist nicht möglich, da ich meinen Hauptberuf in Vollzeit ausübe. Für die Anfertigung der Produkte nehme ich mir meistens an den Wochenenden Zeit. Die organisatorischen Dinge werden dann unter der Woche erledigt, da diese meistens nicht so zeitintensiv sind wie das Entwerfen und Gestalten neuer Produkte. Für das Fotografieren, die Bildbearbeitung und die Artikelbeschreibung nehme ich mir sehr viel Zeit. Schließlich ist dies der erste Eindruck beim Onlineverkauf.

Auch meine Familie und Freunde sind mir sehr wichtig. Es ist nicht immer einfach, alles Anstehende zu meistern, aber normalerweise klappt es.
Stephanie Schick Papierschmuck verkaufen

Leider hast du keine gute Erfahrung mit Fachvermietungen gemacht. Was ist passiert?

Ich hatte im Sommer 2012 für 2 Monate ein Fach in Berlin gemietet. Da ich nicht Vorort sein konnte, hatte ich mit der Inhaberin telefoniert und alles vereinbart. Voller Erwartungen sendete ich einen ausgewählten Teil meiner Produkte nach Berlin. Es wurde dort alles schön eingeräumt. Den geplanten Städtetrip nach Berlin habe ich genutzt, um mir selbst ein Bild meines ersten Mietfachs zu machen. Ich war positiv überrascht von dieser kreativen Atmosphäre und deshalb auch sehr zuversichtlich, was den Verkauf meiner Produkte anbelangt.

Als ich nach 2 Monaten erfahren habe, dass kein einziger Artikel verkauft wurde, war die Enttäuschung groß. Ich bekam alle Artikel per Post zurückgesandt. Fast vier Wochen rührte ich keines meiner Schmuckstücke mehr an. Ich konnte mir nicht erklären, warum nichts verkauft wurde. Ich war völlig ratlos. Auch die Inhaberin wusste keinen Rat. Ich machte mir viele Gedanken, ob und wie es weiter gehen sollte. Dabei war ich fest entschlossen S.CHICK nicht aufzugeben.

Bisher hatte ich meine Produkte in keiner Fachvermietung mehr, aus Angst nochmals dieselbe Enttäuschung zu erleben. Ich möchte allerdings jedem empfehlen die eigenen Erfahrungen zu machen. Dabei aber auch mit einer eventuellen Enttäuschung zu rechnen.

Wie bist du anschließend vorgegangen, um deine Produkte zu verkaufen? Welche Vermaktungsstrategien hast du gewählt?

Nach dieser Erfahrung machte ich mir Gedanken, wo ich die richtige Zielgruppe für meine Produkte finde. Deshalb wollte ich es in den umliegenden Geschäften versuchen. Da meine „Ulmer-Spatzen-Broschen“ perfekt ins Ulmer Stadthaus passen, machte ich mich auf den Weg dort hin. Die Zuständigen waren begeistert und nahmen meine bunten Spatzen ins Sortiment auf. Die Gewinnspanne der Einzelhändler ist allerdings sehr hoch, somit war der Verkaufswert meiner Broschen sehr niedrig. Der Aufwand, die Idee und die kreative Arbeit wurden nicht angemessen honoriert. Aber um den Bekanntheitsgrad zu steigern, versuchte ich mein Glück trotzdem. Nach über 100 Verkäufen, war ich froh über diese Entscheidung. Ich denke gewisse Risiken gehören dazu um Erfolg zu haben.

Welche Erfahrungen hast du mit Kreativmärkten gemacht?

Auf Kreativmärkten ist die Kaufbereitschaft der Kunden sehr schwer einzuschätzen. Ich habe Märkte erlebt, die in einem Jahr einen super Umsatz brachten. Im darauf folgenden Jahr wurde, auf demselben Markt, so gut wie gar nichts verkauft. Wenn sich der Standplatz, das eigene Sortiment, das Alter der Besucher und natürlich die Anzahl der Besucher verändert, passt sich dementsprechend auch der Umsatz an. Somit kommt die Feststellung, ob sich der Markt gelohnt hat, immer erst am Ende.

Schmuck selbst gemacht verkaufen

Welche Erfahrung hast du mit deinem DaWanda Shop gemacht?

Meinen DaWanda-Shop habe ich schon seit Beginn von S.CHICK. Ich hatte DaWanda damals als Verkaufsplattform für kreative Produkte entdeckt. Eine Chance für kleine, junge Labels einen Traum zu verwirklichen. Die Grundidee von DaWanda, der Online-Marktplatz für Selbstgemachtes und Unikate, hat mich komplett überzeugt. Mittlerweile sind es bei DaWanda über 280.000 Hersteller und meine Meinung hat sich grundlegend geändert!! Handarbeit wurde durch industriell gefertigte Massenware und Materialien wie Stoffe oder Schmuckzubehör verdrängt. Laut DaWanda ist die Plattform ein Sprungbrett, um das eigene kreative Talent noch mehr zu nutzen und damit erfolgreich zu werden. Erfolgreich kann man damit meiner Meinung nach nicht mehr werden! Newsletterplatzierungen und LoveMag Anzeigen, die damals noch kostenfrei waren, sind mittlerweile unerschwinglich teuer. Auf der DaWanda Startseite werden immer dieselben Shops beworben! Das tägliche Einstellen von neuen Produkten hilft nicht mehr um potenzielle Käufer in den eigenen Shop zu locken. Die Meinung der kleinen, kreativen Shops zählt nicht mehr, DaWanda verdient an der Massenware. Der einst kreative Online-Marktplatz schlägt immer mehr den Weg in Richtung Ebay, Amazon und Co. ein.

Deshalb ist im November 2013 die Entscheidung für meinen eigenen Onlineshop gefallen. Die Ärgernisse bei DaWanda waren sozusagen der Hauptauslöser! Da ich in der Werbebranche tätig bin, war mir von Anfang an klar, dass es eine große Herausforderung sein wird, den eigenen Shop bekannt zu machen. Dass im eigenen Onlineshop keine steigenden Gebühren und Provisionen anfallen, sah ich als großen Vorteil. So haben auch die „Ladenhüter“ auf Dauer eine Chance verkauft zu werden. Das Sortiment kann ohne steigende Kosten wachsen.

Stephanie Schick Papierblumen

Hast du bei der Gestaltung und Programmierung der Homepage professionelle Hilfe in Anspruch genommen?

Mit Respekt vor der großen Herausforderung ging es los. Nach Absprache mit meinem Arbeitskollegen, der die Programmierung übernommen hat, gestaltete ich meinen Onlineshop selbst. Somit fielen für mich keine zusätzlichen Kosten an. Die Einpflege von über 120 Artikeln war die erste große Hürde. Nach viel Arbeit konnte ich am 01.07.2014 mit meinem eigenen Shop starten. Nun bin ich happy und sehr stolz die Onlinestellung geschafft zu haben.

Wer sich selbst einen Onlineshop aufbauen möchte, sollte sich natürlich über die Kosten für Gestaltung und Programmierung informieren. Je nachdem, welches Shopsystem verwendet wird, können die Kosten im dreistelligen oder im vierstelligen Bereich liegen. Ich würde allerdings unbedingt darauf achten, dass der Shop nach der Programmierung selber fortgeführt werden kann. Neue Artikel oder Kategorien sollte man selber anlegen können. Auch der eigenständige Austausch von Bannern und Bildern ist wichtig um fortlaufende Kosten zu vermeiden.

Als du dein Gewerbe angemeldet hast, welche Herausforderungen musstest du meistern?

Die Gewerbeanmeldung war bei mir problemlos. Man muss sich nur durch bürokratische Dinge schlagen und Formulare ausfüllen. Es gibt im Internet zahlreich Infoseiten. Z.B. unter http://www.fuer-gruender.de gibt es hilfreiche Tipps. Ich habe mich anfänglich im DaWanda Rechtsportal informiert.

Wie kalkulierst du den Preis für deine Produkte?

Die Preise für selbst gemachte Produkte zu kalkulieren ist schwierig. Klar werden Materialkosten, Ideen etc. im Verkaufspreis berücksichtigt. Den kompletten Arbeitsaufwand einzuberechnen ist nach meiner Erfahrung bei Handarbeitsprodukten nicht möglich. Der Verkaufspreis wäre definitiv zu hoch. Bei meinen Produkten lasse ich deshalb den Arbeitsaufwand außer Acht. Ein realistisches Preisverhältnis zwischen den einzelnen Artikeln ist mir wichtiger. So sollte z.B. der Preis für eine einzelne Papierblume im Vergleich zu einer Origami Uhr gerechtfertigt sein.

Was denkst du, welche Faktoren entscheiden über den Verkauf von Selbstgemachtem?

Wenn man sich mit selbstgemachten Produkten in der Onlinewelt bewegt, finde ich die Produktfotos sehr wichtig. Denn letztendlich entscheiden die Fotos über Gefallen oder Nichtgefallen. Natürlich sind auch der Preis und die Versandkosten ausschlaggebend. Bei meinen Produkten lege ich Wert auf gute Qualität und Langlebigkeit. Gerade Artikel aus Papier haben den Anschein zerbrechlich zu sein. Wer bei mir bereits eingekauft hat, wurde schnell vom Gegenteil überzeugt.

Mein Tipp für Kreative….

Kreativ werden ohne viel darüber nachzudenken klappt am Besten. ;-)

Stephanie Schick

Welche Erfahrungen habt ihr online und/oder stationär gemacht?