Mittwoch, September 03, 2014

Dagmar Lingg: Mit (warmen) Köpfchen zum Erfolg

Miezi Dagmar Lingg
Wie es scheint hat sich der Sommer für dieses Jahr bereits verabschiedet. Grund genug dem Winter freudig entgegenzuschauen und etwas Warmes fürs Köpfchen zu suchen. Dagmar Lingg von Miezi stellt schöne Beanies, Mützen und Schals her und nutzt Fachvermietungen als Vertriebskanal. Über ihre Erfahrungen spricht sie mit uns.

Liebe Dagmar, seit 2010 fertigst du unter dem Label Miezi wundervolle Beanies, Mützen und Schals. Magst du die Person, die dahinter steckt, kurz vorstellen?

Sehr gerne.
Durch meine liebe Oma, die schon immer gehäkelt und gestrickt hat, bin ich mit Handarbeiten groß geworden. Diese Leidenschaft begleitet mich seit ich 4 Jahre alt bin. Angefangen habe ich damit, dass ich Barbiekleider gehäkelt habe. Das wurde immer mehr und ich habe angefangen Pullover und Strickjacken zu machen. Als ich 12 war, habe ich für meine Freundinnen gestrickt.

In meiner Ausbildung und Berufstätigkeit als Schneiderin und Designerin habe ich das Entwerfen und Nähen gelernt. So kam es, dass ich 2010 nachdem ich eine Mütze für eine Freundin gestrickt habe, die Idee hatte, auch andere Menschen mit schönen, weichen Accessoires zu verwöhnen.

Meine Produkte sind aus 100% natürlichen Materialien hergestellt. In erster Linie verwende ich reines Baby- Alpaka, aber auch Kaschmir, Schurwolle, Seide und Baumwolle. Die von mir ausgesuchten Materialien sind ökologisch und fair produziert.

Im ersten Moment würden wir erwarten, dass die Geschichte deines Labels etwas mit einer Katze zu tun hat. Wie ist der Name Miezi entstanden?

Nein, Miezi ist einfach ein Nickname von mir. Miezi ist sehr persönlich und so wollte ich die Marke auch gestalten. Ich fand, dass es gut zu den soften Mützen passt, gar nicht wegen der Assoziation zu einer kleinen Katze, sondern weil es einfach eine Seite von mir ist, die sich in den Mützen wiederspiegelt. Die Mützen waren in erster Linie für Frauen gedacht und Miezi ist weich, feminin und von hohem Qualitätsanspruch.

Wie hebst du dich mit deinen Produkten von Mitstreitern ab?

Mein höchster Wert ist Qualität. Ich verwende nur bestes Material und es gehen nur Mützen an Kunden, die aus meiner Sicht perfekt sind. Ich produziere alles von Hand und in Deutschland. Alles wird sehr liebevoll ausgewählt und produziert und ich habe sehr große Freude bei meiner Arbeit und ich glaube das sieht man und spürt man. Die Idee von Miezi ist über viele Jahre in mir entstanden und 2010 war eben der Punkt erreicht, an dem ich soweit war es anzugehen. Das ist also schon eine längere Geschichte.

Seit letztem Jahr werden nun auch Männer in deiner Kollektion fündig. Wie bist du auf die Idee gekommen eine reine Männerkollektion anzufertigen?

Die Nachfrage kam auf mich zu. Es gab schon vorher ein Männermodell und ich wurde immer wieder danach gefragt, warum ich nicht mehr für Männer mache, das habe ich dann gemacht und es macht Spaß. In der nächsten Saison wird es auch eine Kinderkollektion geben.

Dagmar Lingg Mütze stricken

Auf welche Herausforderungen bist du gestoßen, als du noch ganz am Anfang standest und dein Kleinunternehmen Miezi aufgebaut hast?

Mein großes Glück ist, dass ich BWLerin bin und aus einer Unternehmerfamilie komme. Ich habe davor schon ein Coachingunternehmen gegründet, somit wusste ich viele organisatorische Dinge schon. Ich lerne jedoch immer noch. Vor allem mit der Planung der Nachfrage und dem Ausbau des Vertriebs beschäftige ich mich derzeit viel und da muss man auch dranbleiben, um immer die richtigen Produkte in der richtigen Zeit auf Lager zu haben. Die ersten beiden Jahre hatte ich immer zu wenig Ware, was natürlich irgendwie schade ist. Aber man lernt mit jeden Jahr, deswegen macht es auch so viel Spaß. Ich glaube, das Wichtigste ist, dass man sich auf sein Kerngeschäft konzentriert. Grade wenn man kreativ arbeitet, geht viel Zeit für Ideen drauf, die nicht rentabel sind. Dafür einen Ausgleich zu finden, empfinde ich noch immer als große Herausforderung.

Welche Erfahrungen hast du mit dem Onlineverkauf deiner Produkte und dem Verkauf in Fachvermietungen sammeln können?

Beides hat seine Vor- und Nachteile. Online ist man wesentlich flexibler und erreicht eine breite Masse. Bei Produkten wie meinen, die von der Qualität leben, ist es wichtig, sie anfassen und probieren zu können, dafür eignet sich das Fachvermietungskonzept natürlich super.

Du hast deine Produkte bereits bei der Fachfrau Berlin, bei ...in bester Gesellschaft Berlin und in der Sylter Workshop verkauft. Worauf achtest du, wenn du eine Fachvermietung für deine Produkte auswählst?

Mir ist sehr wichtig, dass der Laden zum Produkt passt. Ich finde es wichtig, dass die Läden schön gestaltet sind und dass die Besitzer der Läden meine Mützen mögen. Denn dann können sie diese auch gut verkaufen und schauen, dass der Umsatz stimmt. Man sieht meistens auch am Laden, welche Kunden in dem Laden einkaufen, das ist grade bei höherpreisigen Produkten wichtig. Wenn ein Kunde in einen Laden geht, weil er eine Kleinigkeit kaufen möchte, ist er nicht bereit 39 € aufwärts für eine Mütze zu bezahlen, das muss man einfach berücksichtigen. Läden, die auch andere höherpreisige Dinge anbieten eignen sich dann besser.

Lohnt es sich deiner Meinung nach in Fachvermietungen zu verkaufen?

Auf jeden Fall. Ich baue mein Vertriebsnetz diesbezüglich gerade deutschlandweit aus und Kreativbühne hilft mir dabei sehr.

Worauf achtest du, wenn du ein Fach in einer Fachvermietung dekorierst?

Ich dekoriere nicht viel, weil meine Mützen für sich sprechen. Meistens mache ich nur mein Logo ran und ein Bild. Wenn möglich stelle ich einen Büstenkopf auf.

Miezi Dagmar Lingg gestrickte Mütze

Bei Fachvermietungen gibt es häufig unterschiedliche Konzepte. Einige nehmen nur eine Miete, andere nur eine Servicegebühr und Dritte wiederum beides. Gibt es ein Konzept, das du für den Verkauf deiner Produkte favorisierst und warum?

Ich finde ein Mischkonzept ideal. Wenn man nur eine Miete bezahlt, dann ist die Motivation für die Verkäufer nicht so hoch, wie wenn sie zusätzlich eine Provision bekommen.

Mit dem Provisionsmodell ist es für beide Seiten interessant. Je mehr ich verkaufe, desto rentabler ist die Fachmiete für mich und der Verkäufer versucht meine Mützen gut zu verkaufen, weil er einfach mehr verdient. Win-win also.

Könntest du aus deinem Erfahrungsschatz einen Tipp geben, worauf Kreative bei der Preisgestaltung ihrer selbstgemachten Produkte achten sollten?

Ich mache meine Preise trotz BWL-Ausbildung zu einem gewissen Teil aus dem Bauch heraus. Man muss sich den Markt anschauen und man sollte immer ein Produkt haben, das für jeden erschwinglich ist. So ist die Marke interessant für eine breitere Masse. Wenn man in allem sehr teuer ist, dann schauen sich viele Leute die Teile noch nicht mal an.

Allerdings sollte man auch schauen, dass man sich nicht unter Wert verkauft. Ich sehe oft schöne selbstgemachte Dinge zu Preisen, wo ich genau weiß, dass sich das nicht decken kann. Das macht nicht nur den Markt kaputt, sondern ich finde das schmälert auch den Qualitätsgedanken. Eine handgemachte Mütze für 7 €? Damit ist meistens noch nicht mal das Material bezahlt.

Es ist nun mal so, dass man als wertvoll empfindet, was einen gewissen Preis hat. Wer schöne Dinge herstellt, sollte sie auch zu angemessenen Preisen verkaufen. Und dass das Interesse an selbstgemachten, individuellen Dingen steigt ist ja offensichtlich.

Was denkst du, welche Faktoren über den Verkauf von Selbstgemachtem im Einzelhandel entscheiden?

Die richtige Auswahl der Produkte und das Zusammenspiel von Produkt und Laden.

Was ist dein Lebenstraum?

Mein Traum ist es Miezi international zu verkaufen. Erste Seidenmützen sind bereits auf den Philippinen und in Australien.
Meine Inspiration…schöpfe ich in erster Linie aus Menschen auf der Straße und Reisen.

Mein Geheimtipp für Kreative……sich selbst treu zu bleiben. Was man gerne macht, macht man auch gut und dann kann man es auch verkaufen. 

Miezi Dagmar Lingg

Alle Bilder © Dagmar Lingg