Donnerstag, August 07, 2014

Was ist ein Agenturgeschäft?


Agenturgeschäft Handarbeit Produkt
In meinem letzten Beitrag habe ich die Bedingungen und Konsequenzen eines Kommissionsgeschäfts für euch als Aussteller erklärt. Heute soll es daher um das Agenturgeschäft gehen. Ich werde erklären, woran ihr ein Agenturgeschäft erkennt und was diese Form des Geschäfts für euch als Aussteller bedeutet.

Was versteht man unter einem Agenturgeschäft?

Bei einem Agenturgeschäft verkauft die Fachvermietung eure selbstgemachten Produkte in eurem (d.h. fremdem) Namen und auf eure Rechnung.

Somit ist der wesentliche Unterschied zum Kommissionsgeschäft der, dass die Fachvermietung nicht in ihrem eigenen Namen die selbstgemachten Produkte verkauft, sondern in eurem Namen. Wie auch beim Kommissionsgeschäft schließt ihr mit der Fachvermietung in der Regel einen Geschäftsbesorgungsvertrag ab (§ 675 BGB), in dem geregelt ist, dass die Fachvermietung in eurem Namen verkauft. In diesem Vertrag vereinbart ihr auch die zu entrichtende Servicegebühr und/oder Miete.

Im rechtlichen Sinne kauft der Kunde das Produkt also direkt von dir (dem Austeller) und muss sich im Fall eines Mangels auch an dich wenden. Die Fachvermietung hat hier lediglich die Verpflichtung die Kunden durch Schilder o.ä. darauf hinzuweisen, dass sie in fremden Namen verkauft (BFH Urteil vom 16.3.2000, V R 44/99, BStBl II 2000, 361), damit es dem Kunden beim Kauf auch bewusst ist.

Da die Fachvermietung beim Agenturgeschäft auf eure Rechnung verkauft, gelten hier die gleichen Bedingungen wie beim Kommissionsgeschäft: Sie nimmt die selbstgemachten Produkte lediglich für die vereinbarte Dauer in Besitz, ihr legt den Verkaufspreis fest, ihr tragt das Verkaufsrisiko und nicht verkaufte Produkte werden an euch wieder zurückgegeben.

Informationspflichten und Abrechnung

Beim Agenturgeschäft ist es sinnvoll die Details zur Informationspflicht, also wann und wie die Fachvermietung euch über die verkauften Produkte informiert, in den Vertrag aufzunehmen. Außerdem empfiehlt es sich den genauen Ablauf der Abrechnung im vorhinein festzulegen.

Bei der Abrechnung gibt es nun die ersten Besonderheiten: Ihr braucht der Fachvermietung die verkauften Produkte nicht in Rechnung stellen, da sie bei ihr nicht verbucht werden. Die Einnahme durch die verkauften Produkte ist bei der Fachvermietung ein durchlaufender Posten (§ 10 Abs. 1 Satz 6 UStG). Der jeweilige Zufluss stellt keine Betriebseinnahme dar und der entsprechende Abfluss keine Betriebsausgabe (§ 4 Abs. 3 S. 2 EStG). Aber natürlich ist es hilfreich, wenn euch die Fachvermietung eine Abrechnung mit den verkauften Artikeln erstellt.

Wie ist das eigentlich mit der Mehrwertsteuer?

Besonders spannend ist nun die Frage nach der Auszeichnung der Mehrwertsteuer. Beim Agenturgeschäft ist nicht mehr entscheidend, ob die Fachvermietung der Mehrwertsteuer unterliegt oder nicht, sondern ob es bei euch der Fall ist. Das bedeutet, dass ihr unter Umständen mehr Gewinn erzielen könnt! Solltet ihr Kleinunternehmer sein und in einer Fachvermietung verkaufen, die nicht Kleinunternehmer ist, kommt dieser Effekt am stärksten zur Geltung. Auf die Miete und die Servicegebühr fallen natürlich weiterhin Mehrwertsteuer an.

Damit das Gesagte klarer wird, werde ich in einem der nächsten Artikel ein paar Rechenbeispiele zeigen.

Aber wie erkenne ich, ob die Fachvermietung meine Produkte auf Basis eines Agenturgeschäfts verkauft?

Ob ein Agenturgeschäft vorliegt, erkennt ihr am besten an eurem Vertrag. Dort findet ihr Passagen wie „Die Fachvermietung X verkauft die Waren im Namen und auf Rechnung von Aussteller Y“ oder „Die Fachvermietung X vermittelt die Waren in deinem Namen“. Ein weiterer deutlicher Hinweis ist ein Schild am Ladentresen oder ähnliches, das die Kunden deutlich darauf hinweist, dass die Produkte im Auftrag der Aussteller verkauft werden.

Das waren die wichtigsten Antworten zum Agenturgeschäft. Ich freu mich auf weitere Fragen von euch.

Bitte beachten: Wir haben diese Informationen nach bestem Wissen und Gewissen, mit sorgfältiger Recherche und unter steuerlicher und rechtlicher Beratung erstellt. Wir weisen allerdings ausdrücklich darauf hin, dass wir keine Rechts- oder Steuerberatung leisten dürfen und keine Gewähr für die hier dargestellten Informationen übernehmen.

3 Kommentare:

Romy L. hat gesagt…

Der Artikel ist ja ganz neu und passt genau auf das, was ich genau heute (7.8.14) wissen wollte! Super! Danke!

Claudia hat gesagt…

ich bin heute das erste mal auf euerer Seite - und bin begeistert....leider finde ich hierzu keine Rechenbeispiele.

Harald hat gesagt…

Tatsächlich lassen die Rechenbeispiele auf sich warten. :) Aber wir haben mittlerweile ein Kassensystem entwickelt, dass das richtig macht. Du kannst dich auch gerne bei mir melden, dann kann ich dir weitere Informationen zur Berechnung zukommen lassen.