Mittwoch, August 13, 2014

Anoa Art: Erfahrungen aus über 50 Fachvermietungen

Stefanie Fietzek Anoa Art
Als Kind wollte Stefanie Fietzek Postbotin werden. Heute hingegen verschickt sie keine Briefe, sondern wundervolle Päkchen mit Schmuck. Im MAG teilt sie ihre Erfahrungen über den Verkauf von selbstgemachtem Schmuck in ca. 50 Fachvermietungen.

2011 hast du dein eigenes Label Anoa Art gegründet. Magst du die Person, die dahinter steckt, kurz vorstellen? 

Meine Leidenschaft für Menschen etwas Kostbares herzustellen, an dem sie ihre Freude haben, lebe ich schon seit ich denken kann. Früher habe ich eifrig gemalt, gestrickt, genäht. Ich sehe mich noch mit 4-5 Jahren über einen Seidenmalereirahmen gebeugt sitzen und voller Überzeugung und Hingabe den Pinsel schwingen. Während des Studiums (Erwachsenenbildung) dann habe ich (26 Jahre) das Label Anoa Art gegründet, das mich seit dem jeden Tag herausfordert und glücklich macht.

Welche Bedeutung hat der Name deines Labels Anoa Art?

Namen, die mit A anfangen und mit A aufhören gefallen mir schon immer. So habe ich mich hingesetzt und alle möglichen Buchstabenkombinationen untereinander geschrieben. Anoa ist keine Abkürzung und erstmal ohne besondere Bedeutung – der Name sprang mir direkt ins Auge.

Wie hebst du dich mit deinen Produkten von Mitstreitern ab?

Unseren KundInnen gefällt die klare Linie in den Kollektionen. Für langfristigen Erfolg ist es notwendig, seinen eigenen Stil zu kreieren und zu leben. Darüber hinaus ist es mir wichtig, das Unternehmen für die KundInnen so transparent wie möglich zu gestalten, sodass sie sich nicht nur an den Schmuckstücken erfreuen, sondern auch mit dem Label an sich identifizieren können.

Mittlerweile übst du das Design und den Verkauf deiner Unikate hauptberuflich aus. Auf welche Herausforderungen bist du aber gestoßen, als du noch ganz am Anfang standest und dein Kleinunternehmen aufgebaut hast?

Immer wieder habe ich gelesen, dass einem bei einer Selbstständigkeit viele Steine in den Weg gelegt werden. Es ist wirklich wichtig, sich intensiv mit allen bürokratischen Facetten auseinanderzusetzen. Unzählige Anmeldungen und anfangs unüberschaubare Ausgaben. Hier einen Überblick zu bekommen brauchte einige Zeit und hat mich manchmal innerlich bzgl. meines Vorhabens wieder ein Stück zurückgeworfen.
Stefanie Fietzek Ohrringe verkaufen

Welche Tipps würdest du Kreativen auf den Weg geben, die sich ebenfalls im Schmucksegment selbstständig machen wollen?

Es gibt ein Rezept, das mich für meine Arbeit beflügelt: nichts erzwingen wollen! Leichtigkeit und Liebe bei dem behalten, was man tut. Ich würde den Tipp geben, dass man im Kleinen beginnt, zum Beispiel die ersten Schmuckstücke an Freunde verschenkt. Nach und nach neue Designs entwickelt und erst einmal für sich selber fühlt, ob man das Durchhaltevermögen besitzt, sich jeden Tag mit Design, Vermarktung und Verkauf eigener Schmuckstücke zu beschäftigen.

Viele Kreative haben tolle Produkte. Doch keiner kauft sie, weil sie unbekannt sind. Wie bist du vorgegangen, um auf deinen Schmuck aufmerksam zu machen?

Die Onlineplattform Dawanda war für mich der richtige Ort, um auszuprobieren, welche Produkte gut ankommen. Auch hier muss man viele rechtliche Grundlagen beachten, jedoch sind die Gebühren an Dawanda überschaubar, sodass man sich gut ausprobieren kann.

Welche Erfahrungen hast du mit dem Onlineverkauf deiner Produkte und dem Verkauf in Fachvermietungen sammeln können?

Dawanda ist im Moment die verkaufsstärkste Plattform für Anoa Art. Daneben gibt es die Schmuckstücke auch noch auf anderen Plattformen. Im Moment arbeiten wir auf Hochtouren an einer eigenen Homepage. Sie wird voraussichtlich im Oktober 2014 online gehen. Ich freue mich besonders darauf, den KundInnen dann viele Hintergrundinformationen über das Unternehmen geben zu können.

Ich habe im Onlineverkauf die Erfahrung gemacht, dass man Informationen sehr schützen muss, da es leider immer wieder Menschen gibt, die Bildrechte missbrauchen oder einen anders probieren anzugreifen. Der Onlineverkauf bietet aber auf der anderen Seite sehr viele kreative Möglichkeiten, KundInnen zu erreichen.

Du hast bereits Modeschmuck in ca. 50 Fachvermietungen erfolgreich verkauft. Worauf achtest du, wenn du eine Fachvermietung für deine Produkte auswählst?

Es gibt drei Punkte, die stimmen müssen, damit ich meine Produkte in einer Fachvermietung verkaufen möchte: Wenn ein Internetauftritt vorhanden ist, sollte er aktuelle Informationen bereitstellen und die letzte Aktualisierung nicht 2-3 Jahre zurück liegen; die Fotos, die man vom Laden sieht, sollten mich persönlich ansprechen; die Kommunikation mit den LadeninhaberInnen sollte ohne langes Warten auf eine Antwort möglich sein.

Ich freue mich aber auch immer sehr, wenn uns Kooperationspartner von sich aus anschreiben, die die Anoa Kollektionen in ihrem Laden verkaufen möchten.
Stefanie Fietzek Goldkette verkaufen

Lohnt es sich deiner Meinung nach in Fachvermietungen zu verkaufen?

Ich würde sagen, dass es auf das Sortiment ankommt. Meine Erfahrung zeigt, dass Schmuckstücke über 40 Euro eher selten gekauft werden. Fachvermietungen haben für mich das Prinzip:“ reingehen-entdecken-unbedingt kaufen wollen“. Deshalb lege ich großen Wert auf eine ansprechende Dekoration und attraktive Preisgestaltung.

Bei Fachvermietungen gibt es häufig unterschiedliche Konzepte. Einige nehmen nur eine Miete, andere nur eine Servicegebühr und Dritte wiederum beides. Gibt es ein Konzept, das du für den Verkauf deines Schmucks favorisierst und warum?

Ich habe festgestellt, dass es von den Abgaben keinen großen Unterschied macht, ob man die Regelung „Miete+Provision“ oder „reine Provision“ vereinbart. Nur Miete zu bezahlen ist natürlich die für den Mieter beste finanzielle Regelung, ich habe jedoch auch die Einstellung, dass ich mich freue, wenn die Regalbrettläden an meinem Fach gut verdienen, denn nur dadurch können sie bestehen. Zu vielen LadenbesitzerInnen habe ich mit der Zeit einen persönlichen Kontakt aufgebaut, sodass es für mich ein schönes Gefühl ist, dass man zusammen etwas schafft.

Der Verkauf in so vielen Fachvermietungen geht mit einem hohen Organisationsaufwand einher – Produkte verschicken, Bestandslisten führen, Rechnungen schreiben. Wie schaffst du es so organisiert zu bleiben?

Jeder Laden hat einen eigenen Ordner, der jeden Schritt (bevorstehende Produktion, Produktionstag, Tag des Verschickens) aber auch Konditionen, Mietzahlungen usw. dokumentiert. Nur so behalte ich den Überblick.
Stefanie Fietzek selbstgemachten Schmuck verkaufen

Könntest du aus deinem Erfahrungsschatz einen Tipp geben, worauf Kreative bei der Preisgestaltung ihrer selbstgemachten Produkte achten sollten?

Selbstgemachte Produkte sind zeitintensiv, sodass ein Produkt immer unter Wert verkauft werden wird, wenn man den Preis maschinell hergestellten Produkten anpasst. Heutzutage gibt es zum Glück ein großes Bewusstsein für den Wert selbstgemachter Produkte. Deshalb sollte man den Preis wählen, mit dem man selber wirklich zufrieden ist, wenn man Zeit, Material und sonstige Ausgaben bedenkt.

Was denkst du, welche Faktoren über den Verkauf von Selbstgemachtem im Einzelhandel entscheiden?

Die Qualität der Verarbeitung ist denke ich der wichtigste Faktor. Sichtbarer Kleber, Kratzer im Material oder sonstige Mängel sind auch trotz der Handmade-Marke ein Grund, das Produkt auszusortieren. Auch ist der Gesamtauftritt des Unternehmens (Fotos, Texte, Glaubwürdigkeit) wichtig, damit die Kunden ein gutes Gefühl beim Kauf haben.

Mein Inspirationsmoment...

...ist der Tee in der Mittagspause auf der Fensterbank. Lieblingsmusik im Hintergrund und der Blick auf den Hafen- da schöpfte ich Ideen und Energie.

Dein Kreativmotto: 

An der Straßenecke zu stehen und auf keinen zu warten, das ist Power. Gregory Corso

Stefanie Fietzek Anoa Art

Alle Bilder © Stefanie Fietzek - Anoa Art

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2 Kommentare:

CreaCora - Unikat hat gesagt…

Hallo! Das Interview finde ich sehr interessant!
Bei DaWanda zu verkaufen ist gar nicht so einfach, habe ich bemerkt (verkaufe dort unter dem Label "CreaCora-Unikat"). Mich würde interessieren, wie Anoa Art in kurzer Zeit so erfolgreich wurde. Welche "Strategie" wurde hinsichtlich Werbung auf DaWanda gefahren? Ich habe mal gehört, hilfreich wäre schon allein, immer wieder neue Produkte einzustellen. Aber trotzdem kann es Monate dauern, bis potenzielle Kunden überhaupt das eine oder andere Produkt gesehen/angeklickt haben. Gibt`s zu der Problematik Tipps?
Ich wäre echt dankbar für Hinweise ;)
Ich wünsche Anoa Art weiterhin gutes Gelingen und freue mich auf Antworten!
Jana Krüger alias CreaCora-Unikat

Anonym hat gesagt…

Hey Jana,

vielen Dank für dein Feedback!
Ohne zu gucken, was du anfertigst und wie dein Shop bei Dawanda aussieht, kann ich aus meiner Erfahrung sagen:
Das Gesehen-werden auf Dawanda ist sehr schwierig.
Ich denke, die KundInnen möchten Produkte innerhalb eines Shops miteinander vergleichen können. Deshalb ist es notwendig, Ihnen ein abwechslungsreiches Angebot zu bieten. Unser Ziel bei Dawanda ist, dass KundInnen innerhalb des Shops ihre Lieblingsstücke finden. Aber nur durch ein Vergleichen mit den anderen Anoa Produkten und nicht durch ein Vergleichen mit anderen Produkten auf Dawanda. Und dafür sollte man den KundInnen einen Anreiz schaffen, sich lange im eigenen Shop aufhalten zu können.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen!
Viele Grüße,
Steffi von Anoa