Mittwoch, Juli 23, 2014

Was ist ein Kommissionsgeschäft?

Kommissionsgeschäft Selbstgemachtes
Unsere Reihe "Steuern und Recht" möchten wir mit einem Thema beginnen, welches euch als Aussteller in einer Fachvermietung besonders interessiert. Es handelt sich dabei um das Kommissionsgeschäft. Viele von euch werden diesen Begriff im Zusammenhang mit einer Fachvermietung oder dem klassischen Einzelhandel schon mal gehört haben.

In diesem Artikel möchte ich euch erklären, was darunter zu verstehen ist, was ihr beachten müsst und wie ihr ein Kommissionsgeschäft erkennt.

Was versteht man unter einem Kommissionsgeschäft?

Bei einem Kommissionsgeschäft verkauft die Fachvermietung eure selbstgemachten Produkte in eigenem Namen, aber auf eure (d.h. fremde) Rechnung (§ 383 HGB).

Im Namen der Fachvermietung bedeutet dabei, dass die Fachvermietung beim Verkauf eurer selbstgemachten Produkte ihren Namen auf dem Beleg bzw. der Rechnung nennt. Der Endkunde kauft das selbstgemachte Produkt also von der Fachvermietung und wendet sich bei einem Mangel auch an sie. Hierdurch ist die Abwicklung des Verkaufs für die Fachvermietung etwas einfacher, da sie beim Ausstellen des Beleges nicht darauf achten muss, von welchem Aussteller die Waren sind.

Auf eure Rechnung bedeutet dabei, dass die Fachvermietung die selbstgemachten Produkte nicht bei euch vorher einkauft, sondern lediglich für die vereinbarte Dauer in Besitz nimmt, um sie zu verkaufen. Beim Kommissionsgeschäft legt ihr den Verkaufspreis fest, an den die Fachvermietung gebunden ist. Letztendlich geht hierdurch das Verkaufsrisiko (d.h. ob es zum Verkauf eurer selbstgemachten Produkte kommt oder nicht) auf euch über. In der Regel schließt ihr mit der Fachvermietung einen Geschäftsbesorgungsvertrag ab (§ 675 BGB), in dem die Höhe der Servicegebühr festgelegt ist, welche ihr bei erfolgreichem Verkauf eures Produkts an die Fachvermietung abführen müsst. Sollte die Fachvermietung nicht alle eurer Produkte verkaufen, werden sie nach Vertragsende wieder an euch zurückgegeben.

Sehr wahrscheinlich war fast jeder von euch schon an einem Kommissionsgeschäft beteiligt, z.B. beim Buchen einer Reise oder dem Kauf eines Gebrauchtwagens.

Informationspflichten und Abrechnung

Prinzipiell ist die Fachvermietung verpflichtet euch über den Verkauf eurer Produkte unverzüglich zu informieren (§ 384 HGB Abs. 2) und natürlich das vereinnahmte Geld an euch auszuzahlen. Bitte beachtet dabei, dass diese Pflicht durch eine entsprechende Festlegung im Vertrag ersetzt werden kann. Die Regelungen zum Kommissionsgeschäft im HGB gelten übrigens auch dann, wenn ihr nicht im Handelsregister eingetragen seit (§ 383 HGB Abs. 2).

Die Fachvermietung ist berechtigt die Servicegebühr von den Einnahmen abzuziehen (Abschn. 3.7 Abs. 1 Sätze 6 und 7 UStAE). Normalerweise solltet ihr dann auch eine Rechnung für die Fachvermietung erstellen. Einfacher ist es jedoch, wenn die Fachvermietung beim Erstellen der Abrechnung eine Gutschrift ausweist.

Wie ist das eigentlich mit der Mehrwertsteuer?

Da die Fachvermietung in ihrem Namen eure Produkte verkauft, muss sie auch eine Mehrwertsteuer ausweisen, sofern sie nicht der Kleinunternehmerregelung unterliegt. D.h., selbst wenn ihr Kleinunternehmer seid und die Fachvermietung ist es nicht, fällt beim Kommissionsgeschäft eine Mehrwertsteuer an. Diese solltet ihr bei eurer Preiskalkulation berücksichtigen.

Wir sind gerade dabei auf den Fachvermietungs-Profilen deutlicher zu kennzeichen, welche Fachvermietungen Mehrwertsteuer berechnen müssen. Solltet ihr kein Kleinunternehmer sein, spielt es keine so große Rolle mehr. Um hier Licht ins Dunkel zu bringen, werde ich in einem der nächsten Artikel ein paar Rechenbeispiele zeigen.

Aber wie erkenne ich, ob die Fachvermietung auf Kommission verkauft?

Am besten könnt ihr es in euren Verträgen sehen. Wenn ihr den Kaufpreis festlegt, deutet es darauf hin, dass es sich um einen Kommissionsverkauf handelt. Des Weiteren findet ihr häufig Sätze wie "Fachvermietung XY verkauft in eigenem Namen auf Rechnung von Aussteller Z". Sicher könnt ihr sein, wenn die Fachvermietung Belege in ihrem Namen ausstellt und ihr den Verkaufspreis festgelegt habt.

Das Missverständnis mit "auf Kommission verkaufen"

Zum Schluss möchte ich noch gerne mit einem Missverständnis aufräumen. Wir erleben es häufig, dass der Begriff "auf Kommission verkaufen" als Synonym für die ausschließliche Erhebung einer Servicegebühr in einer Fachvermietung verwendet wird. Das ist aber nicht richtig.

Die Tatsache, dass eine Fachvermietung eine Servicegebühr, jedoch keine Miete erhebt, muss nicht automatisch bedeuten, dass sie in eigenem Namen und auf fremde Rechnung verkauft wie das beim Kommissionsgeschäft der Fall ist. Sie könnte ebenso in fremden Namen und auf fremde Rechnung verkaufen. Dies ist das sogenannte Agenturgeschäft. Was man darunter versteht, erläutern wir euch jedoch erst im nächsten Artikel.

Jetzt hoffe ich, dass euch der Artikel gefallen hat und ein paar Fragen geklärt werden konnten. Sollten neue Fragen aufgetaucht oder alte Fragen unbeantwortet sein, dann hinterlasse doch einfach einen Kommentar über die Kommentarfunktion gleich hier unter dem Artikel.

Bitte beachten: Wir haben diese Informationen nach bestem Wissen und Gewissen, mit sorgfältiger Recherche und unter steuerlicher und rechtlicher Beratung erstellt. Wir weisen allerdings ausdrücklich darauf hin, dass wir keine Rechts- oder Steuerberatung leisten dürfen und keine Gewähr für die hier dargestellten Informationen übernehmen.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für diesen Beitrag. Er ist sehr informativ.
Mich interessiert im Zusammenhang mit dem Kommissions_
geschäft die Versicherung der Waren generell. Und speziell:
Kann ein Geschäft mit Fachvermietung, das zudem noch
Verkaufsprovision verlangt, Schäden durch Einbruch ver-
sichern, aber Schäden durch Ladendiebstahl ausschließen?

Harald Mühl hat gesagt…

Hallo, ich würde in den Kommissionsvertrag aufnehmen, dass Schäden durch Einbruch versichert sind und Schäden durch Ladendiebstahl nicht (idealerweise auch mit den Bedingungen der Versicherungsgesellschaft z.B. X% bei Neuware, Y% bei Gebrauchtwaren). Gegen Einbruch gibt es diverse Versicherungen. Diese schließen den Ladendiebstahl allerdings fast immer aus. Letztendlich liegt hierdurch das Risiko beim Aussteller (Mieter). Eine Maßnahme, um Vertrauen zu schaffen und Ladendiebstahl einzudämmen, wäre z.B. eine Videoüberwachung o.ä.. Wir werden hierzu auch noch einen Beitrag veröffentlichen.
Viele Grüße,
Harald