Mittwoch, Juli 30, 2014

*Nane: Weil Liebe aus Stoff gemacht ist

Christiane Strauß - *Nane Schönes aus Stoff
Christiane Strauß ist eine der Frauen aus der DIY-Szene, die ihr Wissen gerne an Neulinge weiterträgt. So überrascht es nicht, dass sie einen eigenen Blog führt, einen Online-Stoff-Flohmarkt initiiert hat und immer mal wieder über DIY-Märkte berichtet. Bei uns erzählt sie über ihre Erfahrungen in der DIY-Szene.

Liebe Christiane, wer bist du und was machst du?

Ich bin verheiratet und Mutter eines 17-jährigen Sohnes. Zu unserem Haushalt gehören noch 2 Kater. Wir 5 leben in der Nähe von Darmstadt an der Pforte zum Odenwald. Ich bin Teilzeit in einer Zahnarztpraxis für die Abrechnung und Bürotätigkeiten zuständig. Ein schöner Ausgleich hierzu ist die kreative Tätigkeit an der Nähmaschine.

2012 hast du dein eigenes Label namens *nane-Schönes aus Stoff gegründet. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Eigentlich habe ich immer schon gerne gebastelt, gemalt, gewerkelt und auch genäht. Dies durfte ich bereits als Kind an der Nähmaschine meiner Großtante ausprobieren. Auch im Erwachsenenalter habe ich immer mal wieder etwas für mich, meine Wohnung oder für Freunde genäht, vor allem als mein Sohn geboren wurde.

Vor ca. 7 Jahren ergab sich die Möglichkeit in meiner Heimatstadt an einem Hobbykünstlermarkt teilzunehmen. Das Ganze hat sich langsam entwickelt, auch was die Produkte betrifft, die ich dafür hergestellt habe. Insgesamt habe ich jeweils einmal im Jahr fünf Jahre nacheinander daran teilgenommen.

Genau auf diesem Markt hat mich die jetzige Besitzerin des Jungbrunnen (Groß-Umstadt), die zu diesem Zeitpunkt ihren Laden gegründet hat, angesprochen, ob ich Interesse hätte meine Produkte in ihrem Laden anzubieten. Das geht natürlich nur, wenn man ein Gewerbe angemeldet hat und so habe ich mich eigentlich relativ spontan dazu entschlossen mein Label *nane zu gründen.

Auf welche Herausforderungen bist du gestoßen, als du dich entschlossen hast nebenberuflich deine Produkte zu verkaufen?

Zuerst die ganzen Anmeldungen, die anstehen, wenn man sein Gewerbe bei der Stadtverwaltung angemeldet hat, wie z.B. beim Finanzamt, der Berufsgenossenschaft und der Industrie-und Handelskammer. Zum Glück wusste ich von Berufswegen wie man die Buchhaltung bei Kleinunternehmen führt und, dass es sich hierbei nur um die sogenannte Einnahmen-Überschuss-Rechnung handelt, die wesentlich einfacher zu führen ist als die doppelte Buchführung (vorrausgesetzt man übersteigt beim Gewinn nicht einen bestimmten Betrag).

Nachdem du dein Gewerbe angemeldet hast, wie bist du vorgegangen, um Kunden für deine Produkte zu gewinnen?

Ich habe zuerst ein Blog für mich angelegt, um Produkte von mir zu zeigen und über Kaufmöglichkeiten z.B. auf Märkten oder im Jungbrunnen zu berichten. Nach einer Weile habe ich dann einen DaWanda-Shop eröffnet und mir professionelle Layouts für Blog, Shop, Visitenkarten und Flyer machen lassen. Ich finde es sehr wichtig, dass man sich auf allen „Plattformen“ gleich präsentiert, denn der Wiedererkennungseffekt ist so gegeben (Aahhhh, das ist die mit dem Orangen Dot). Zuletzt habe ich mir dann noch eine Fanpage bei Facebook angelegt.

Christiane Strauß - Nane Erste Hilfe

Welche Vorteile bzw. Nachteile siehst du gegenüber dem stationären Handel?

Der Vorteil beim Online-Verkauf ist, dass man ein größeres, überregionales Publikum erreichen kann. Es ist meiner Meinung nach aber sehr schwierig bei DaWanda aus der Masse hervorzustechen. Das Angebot ist einfach riesengroß. Beworben werden auch oft nur die jetzt schon bekannten Shops (die es sich auch leisten können teure Werbemaßnahmen, die von DaWanda angeboten werden, zu bezahlen.)
Der große Nachteil vor allem für die Kunden ist, dass sie das Produkt nicht anfassen können. In Natura sieht ein Produkt oft noch anders (auch schöner) aus als auf Fotos.

Du verkaufst deine Produkte auf Kommission. Kannst du unseren Kreativen erklären, wie so ein Kommissiongeschäft abläuft?

Man wählt die Produkte aus, die man an den Laden geben möchte und schreibt einen Lieferschein. Auf dem Lieferschein gibt man die Anzahl,  Artikelbezeichnung und den Einzeleinkaufspreis an.
Wenn man die Ware an den Laden liefert, wird nachgezählt, ob Lieferschein und gelieferte Ware übereinstimmen. Der Kommissionszeitraum kann unterschiedlich sein. Bei mir beträgt er 3 Monate. Danach bekomme ich eine Abrechnung über die verkauften Artikel und kann hierfür eine Rechnung schreiben. Gehen Artikel an mich zurück, muss ich das auch berücksichtigen. Oft ist es so, dass nur Weniges zurückgeht und nicht-Verkauftes in den nächsten Zeitraum übernommen wird. Dann schreibe ich eine Bestandsliste anhand der Lieferscheine vom Vorquartal abzüglich der verkauften und zurückgegebenen Artikel. In vielen Läden gibt es einen schriftlichen Kommissionsvertrag, den beide Seiten vorab unterschreiben. Darin stehen dann genau die Bedingungen für das Kommissionsgeschäft.

Christiane Strauß - Nane Wärmflasche

Du hast ja nun mehr als zwei Jahre Erfahrung in der Szene. Möchtest du anderen Kreativen Tipps geben, worauf sie bei der Preisgestaltung ihrer selbstgemachten Produkte achten sollten?

Das ist der schwierigste Part, finde ich. Wenn man Zeit und Material genau berechnet, würden die Produkte oft zu teuer und man könnte sie nicht mehr verkaufen. In puncto Zeit geht es ja nicht nur darum, die Minuten oder Stunden zu berechnen, die man direkt für die Produktion benötigt, sondern auch die Materialbeschaffung, die Bewerbung der Produkte auf Blog und Facebook, die Anfertigung der Produktfotos, Buchhaltung etc.. 

Darum überschlage ich den gesamten Aufwand oft und überlege auch wieviel ich für ein bestimmtes Produkt ausgeben würde. Ich schaue, was ähnliche Produkte auf DaWanda kosten. Ich denke, manch einer, der das jetzt  liest, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen – aber ehrlich, so ist es doch – wenn alle ein Kosmetiktäschchen für ca. 15-20 Euro verkaufen, kann ich nicht mit 40 Euro daherkommen, egal wie teuer vielleicht das Material hierfür war und wie lange ich daran gesessen habe.

Was denkst du, welche Faktoren entscheiden über den Verkauf von Selbstgemachtem im Einzelhandel? 

Qualität, Individualität, Ausgefallenheit und Besonderheit – entweder im Produkt oder auch im Material, Preise, die Präsentation im jeweiligen Geschäft und auch der „Look“ und die Lage des Geschäfts.

Was ich gut finde….

Das Bloggen…….Ein Blog bietet  die Möglichkeit kostenlos zu berichten, von sich selbst und seinen Tätigkeiten. Man kann andere Blogbetreiber mit gleichen Interessen kennen lernen, selbst wenn dies nicht immer persönlich sein kann. Ich habe immer wieder Kontakt zu sehr netten Blogger-Kolleginnen. Man kann sich hier austauschen und bekommt Hilfe – man kann eigene Erfahrungen mit Gleichgesinnten austauschen, das finde ich richtig toll! Was ich auch super finde, ist die Möglichkeit der Verlinkung von Blog-Beiträgen auf einem Blog. Diese Verlinkungsmöglichkeit hat mich auf die Idee gebracht, einen Stoff-Flohmarkt auf meinem Blog zu starten. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, klickt hier.



Christiane Strauß *Nane Schönes aus Stoff 
www.facebook.com/naneschoenesausstoff

Alle Bilder © Christiane Strauß - *nane

Du hast eine Frage an Christiane? Schreibe einen Kommentar! Du hast auch eine Geschichte zu erzählen? Dann schreibe uns über das Kontaktformular.

2 Kommentare:

Miss Magnetica hat gesagt…

Klasse Interview. Sie trifft es auf den Punkt! Wunderbar.

Ä p p l e g r ö n hat gesagt…

Liebe *nane, das ist ein wundervolles Interview über Dich und Deine mit soviel Liebe zum Detail hergestellten Sachen. Ich wünsche Dir weiterhin ganz viel Erfolg und erfreue mich täglich an Deinen Fischen und unserem Kirschkern-Hanni Hasen. Kram, Liv Äpplegrön