Donnerstag, Juli 10, 2014

Mit Leichtigkeit Selbstgemachtes verkaufen

Interview Columbia Bakery
Wer hört nicht gerne von Erfolgsgeschichten und lässt sich inspirieren? Als ich Sandra Frick am frühen Morgen in der Columbia Bakery in Fürth antreffe, strahlt die Sonne - oder ist sie es? Wir bestellen uns zwei Kaffee und sie erzählt mir sehr unterhaltsam, wie aus ihrer Leidenschaft für das Zeichnen und den kleinen Umwegen im Leben ihr Traumjob erwuchs.

Liebe Sandra, erzähl uns etwas über dich!

Ich lebe mit meinem Mann, meiner Tochter, unserer Hündin, den zwei Goldfischen und vielen frechen Eichhörnchen im wunderschönen Fürth und arbeite bei uns daheim unterm Dach – ich liebe dabei den Blick hinaus aus dem Fenster – grün und bunt! Vor etwa drei Jahren begann ich mit den ersten Motiven für lomyli.design. Nach dem Abi belegte ich viele Kurse, übte Tag und Nacht ganz nach "learning by doing" die Techniken und kam so Schritt für Schritt mehr in die Grafik- und Illustrationswelt. Nach Agenturleben, Weiterbildungen und einem Auslandsaufenthalt von 2 Jahren als Designer in New York, vielen tollen Menschen, die mich auf meinem Weg begleitet haben, arbeitete ich einige Zeit als Senior Art Director. Ich bemerkte aber schnell, dass eine feste Anstellung mich zu sehr einengte und entschloss mich zur Freiberuflichkeit - das „freie Denken“ wollte seinen gewünschten Raum... In dieser Zeit suchte ich auch nach einer Möglichkeit, meine Gedanken über das Leben, das große Miteinander und das eigene Selbst mehr in meine Arbeiten als Illustratorin einzubringen. Wörter wie „Leichtigkeit, Freude, Mut, Gelassenheit“ spielen in dem bunten Trubel des Lebens eine große Rolle für mich. Meine Suche brachte mich dazu, nach langjähriger eigener Yogapraxis, mich für eine Yogalehrerausbildung in Indien anzumelden. Irgendwie dachte ich mir, Yoga und Kreativität - das könnte ein Weg für mich sein… Ich weiß es noch wie heute - alles war vorbereitet und startklar, bis ich vier Wochen vor Abflug die freudige Nachricht erfuhr, dass ich mit meiner Tochter schwanger bin. Indien wurde gestrichen - die Ausbildung nicht. Ich absolvierte sie in Nürnberg. Das war eine sehr intensive Zeit und mein anfängliches Gefühl über eine Verbindung von Yoga und Kreativität hatte sich bestätigt - es ist ein guter Weg für mich … in dieser Zeit begann ich die ersten Motive und Produkte für lomyli.design zu entwerfen, u. a. - auch einen Babybody, der immer noch im Sortiment ist!

Wofür steht „lomyli“ und was stellst du unter dem Label her? 

Kurz für: “Love of my Life”. Es steht für die Liebe zum Leben und die Freude am Tun. Nicht aufhören mit Träumen, den eigenen Mut mal herausfordern und an sich glauben. Ich stelle hauptsächlich Papeterie-Produkte her, d. h. Postkarten, Schreibhefte, Spiele, Lesezeichen u.a. Viele Motive, Texte und Produkte entstehen, weil ich sie für mich oder meine Liebsten gerne hätte. So wie das Tischspiel „Stadt . Land . Nachtisch“, was aus der Not eines misslungenen Hauptganges entstand. Ich wollte meine Gäste beschäftigen, so lange ich in der Küche improvisierte...

Body Lomyli Design

Welchen Herausforderungen musstest du dich bei der Gründung von „lomyli“ stellen?

Ich habe vor allem die rechtlichen Fragen als Herausforderung empfunden. Viele gaben mir den Tipp, „lomyli“ als Marke anzumelden, damit ich mir nicht erst eine Marke aufbaue und ein Dritter diese mir evtl. klaut bzw. nachahmt. Also informierte ich mich und habe „lomyli“ als Marke eintragen lassen. Auch für die Internetseite hörte ich mich um, was ich abbilden darf, will und sollte. Dazu musste ich aber erst mal herausfinden, wo ich die nötigen Informationen finde, wem ich vertrauen kann und wie viel ich bereit bin dafür auszugeben. Schließlich wollte ich anfangs "nur" ein paar Postkarten verkaufen. Das Nachahmen bzw. Kopieren meines Stils kam dann trotzdem vor – worüber ich mich sehr geärgert habe und daraufhin schon überlegte, was ich jetzt dagegen tun kann … aber letztendlich sollte man (Frau) sich einfach geschmeichelt fühlen und weiter machen – richtig schützen kann man sich nicht davor. 

Wie hast du Kunden für deine selbstgemachten Produkte gewinnen können?

Als ich meine erste Postkartenserie fertig gestellt hatte, stellte ich mir die Frage, wie ich diese nun verkaufen kann. Mir war die Fachmarie in Nürnberg sehr bekannt, fand den Laden schon immer toll und somit zeigte ich die Serie dort als erstes und bekam ein Plätzchen im Postkartenständer. Aufregend war das! Wenige Zeit später kam ich mit einem Verlagsinhaber in Kontakt, der einige meiner Postkarten-Motive gesehen hatte und Gefallen an ihnen fand. Sie haben einige von meinen Motiven bei sich aufgenommen, sodass viele meiner Postkarten nun auch in Buchhandlungen in ganz Deutschland und auch in der Schweiz zu finden sind. Dann habe ich im Internet angefangen nach weiteren Fachvermietungen zu suchen, was gar nicht so einfach war. Kreativbühne gab es damals noch nicht. Online fand ich z. B. die Fachfrau in Berlin, bin aber dann auch in Städte gefahren, von denen ich hörte, dass es dort so etwas geben könnte.

Sandra Frick Postkarte

Wie berechnest du deinen Preis für deine Papeterie-Produkte? 

Seit ich lomyli.design gegründet habe, lebe ich mit dafür und davon. Ich kalkuliere – soweit es geht - alle Kosten bei der Preisgestaltung mit ein. D. h. wie viel kostet mich die Produktion, wie viel Zeit benötige ich für die Ausführung der Idee. Die Zeit für die Ideenfindung an sich rechne ich nicht mit ein. Das kann sehr unterschiedlich sein. Von der Blitzidee bis hin zum länger brodelnden Gedanken im Kopf … Dann kommen Miete und Servicegebühr in den Fachvermietungen dazu, sodass ich mir ausrechne, wie oft ich z. B. eine Postkarte verkaufen müsste, um einen Gewinn zu erzielen. Dazu möchte ich unbedingt sagen, dass ich es ganz traurig finde, wenn Kreative ihre Produkte unter Wert verkaufen. Es steckt so viel Kreativität, Liebe und Zeit darin, dass es wirklich weh tut, manchmal so geringe Preise dafür zu sehen.

Welche Erfahrungen hast du mit dem Verkauf von deinen Produkten auf Kreativmärkten gemacht?

Ich glaube, dass viele Besucher bereit sind, auf Kreativmärkten den angegebenen Preis zu bezahlen. Es kann daran liegen, dass sie direkt vor Augen haben, dass der Verkäufer eine Standmiete bezahlen muss und den ganzen Tag dort selbst mit dabei steht. Bei Fachvermietungen habe ich das Gefühl, dass dieses Verständnis noch nicht ganz bei allen Kunden vorhanden ist.

Wie beurteilst du das Konzept der Fachvermietungen? 

Ich finde es sehr gut, dass es Fachvermietungen gibt. Es gibt mir die Möglichkeit, Erfahrungen mit einem geringen Risiko zu sammeln, Feedback zu erhalten und natürlich auch einen Antrieb zum Weitermachen. Und - Fachvermietungen können ein Sprungbrett sein. Gleichzeitig merke ich aber auch: Es muss schon passen! Es gibt manche Fachvermietungen, die sehr teuer sind. Bei diesen ist die Miete für eine bestimmte Fläche schon sehr hoch und dann kommt noch eine hohe Servicegebühr hinzu. Hier muss jeder für sich und seine Produkte schauen, welche Konditionen am besten passen.

Sandra Frick Lomyli

Welche Faktoren entscheiden deiner Meinung nach über den erfolgreichen Verkauf von Selbstgemachten? 

Meiner Meinung nach ist wichtig:

  • Wie werden die Produkte präsentiert? 
  • Wie sieht das Fach aus? 
  • Wie schön ist der Laden? 
  • Wie freundlich ist das Personal? 
  • Wie wird Werbung (Facebook, etc.) für den Laden und den Designer gemacht? 
  • Wie gut kann das Personal Fragen zum Designer und dessen Produkte beantworten? 
  • Gibt es auch eine Schaufensterplatzierung?

Welches Konzept in Fachvermietungen favorisierst du für deine Produkte: reine Miete, reine Servicegebühr oder beides? 

Nur Miete finde ich schön. Ich finde es fair, wenn der Designer zu 100% den Verkaufserlös erhält. Zudem wäre es für den Designer auch viel einfacher die Übersicht zu behalten. Denn dadurch, dass die Fachvermietungen unterschiedlich hohe Servicegebühren haben, ist man sich am Ende des Monats häufig nicht sicher, ob man insgesamt mit einem Gewinn abschließt oder nicht.

Postkarte Lomyli Design

Was planst du für die Zukunft? 

Weitere „Mutproben“ mir entlocken und schaun, was dann passiert. Meine letzte Mutprobe z. B. – alleine mit meiner Tochter durch Thailand zu reisen – hat mir wieder gezeigt, wie wundervoll schön die Welt ist und wie unglaublich liebenswert viele Ihrer Bewohner sind. Seitdem schwirren mir einige Ideen im Kopf herum, wie ich die beiden Elemente „Design“ und „Yoga“ noch weiter verbinden und zum Ausdruck bringen kann …

Meine Inspiration...

 ...ist das Wagen von neuen Dingen! Mir die Zeit nehmen, mich selbst ab und an anzustupsen und rein gegen die eigene Gewohnheit zu handeln – also einfach mal nicht rechts, sondern links die Straße abbiegen.

Mein Geheimtipp für Kreative... 

Versuche mal kreativ zu sein, wenn du es normalerweise nicht bist! Beispiel: Arbeite entgegen deinen Bio-Rhythmus :-)

Lomyli.design Sandra Frick
www.lomyli-design.de

Welche Mutprobe willst du als nächstes angehen? Schreib uns oder stell eine Frage an Sandra in unserer Kommentarfunktion.

Titelbild © Anastasia Baron, alle weiteren Bilder © Sandra Frick

5 Kommentare:

Sabrina hat gesagt…

Schönes Interview.
Es ist immer wieder toll und schön auch von anderen zu lesen wie sie ihren Weg in die Selbstverwirklichung mit den vielen Mutproben meistern. Viel Erfolg weiterhin Sandra .
Liebe Grüsse aus Bamberg von Frau Fischer ;-)

Anna hat gesagt…

Total schöne Geschichte! Dein Mut imponiert mir! Ich befinde mich gerade auf einer Reise ins Ungewisse, bin mit meiner zweiten Tochter in Elternzeit und werde im September nicht wieder in meinen Job im Verlag zurückkehren. Ich mag meine Arbeit als Grafikerin, aber meine Leidenschaft ist das Nähen. Wenn ich aufwache, drehen sich meine Gedanken darum, welchem Nähprojekt ich mich heute Abend wieder widmen kann, wenn alle anderen endlich schlafen gegangen sind. Du bist der Beweis, dass eine Ladung Mut und Selbstvertrauen, es möglich machen! Ich werde es wagen und mein erstes Fach mieten! Danke noch mal für deine tolle Geschichte und viel Erfolg weiterhin! Liebe Grüße von Anna aus Buxtehude

Sandra hat gesagt…

Liebe Sabrina, lieben Dank für Deine Grüße! Weiterhin viel Freude mit Frau Fischer!

Sandra hat gesagt…

Hallo liebe Anna! Ja, das kenne ich :-) Nachts wenn alle schlafen, sitze ich oft an meinen Collagen und das macht mich nicht müde, sondern im Gegenteil, es gibt mehr Energie und Elan für den frühen morgen, wenn alle wieder wach sind :-) Ich wünsche Dir tolle Abende mit Deinen Kopf voller Ideen und ganz viel Erfolg! Sonnige Grüße, Sandra

Michaela hat gesagt…

Hallo,
du machst echt Mut. Ich habe mir auch einen Traum verwirklicht und eigene Postkarten drucken lassen. Es hat so viel Spaß gemacht, dieses Jahresprojekt und ich habe viel gelernt. Ob ich sie verkauft bekomme, weiß ich nicht, aber ich kann viele Freunde verschenken, das macht noch mehr Spaß.
VG Michaela von www.wertdernatur.de